S01 E06 The Scholar-Activist
#6 – Die Wissenschaftsaktivistin
Nina Glick Schillers Einsatz gegen die Erosion der Menschenrechte
›Production Site‹ – Der Podcast über die gesellschaftliche Aushandlung von Migration
In der Episode „Die Wissenschaftsaktivistin“ des Podcasts Production Site sprechen die Professorinnen Christine Lang und Janine Dahinden mit der international bekannten Migrationsforscherin Nina Glick Schiller über Wissenschaft, gesellschaftliche Verantwortung und die politische Gegenwart der Migrationsforschung.
Ausgangspunkt ist Glick Schillers aktuelles Manifest und ihre These einer tiefgreifenden konjunkturelle Transformation, in der sich politische, ökonomische und gesellschaftliche Ordnungen grundlegend verändern. Migration wird darin zunehmend durch Grenzregime, Kontrolle und Prekarisierung geprägt, während zugleich Fragen von Zugehörigkeit, Moral und gesellschaftlichem Zusammenleben neu verhandelt werden.
Im Zentrum steht die Frage, wie aktivistisch Migrationsforschung sein darf oder muss: Gibt es so etwas wie neutral-objektive Forschung überhaupt? Kann Forschung neutral bleiben angesichts wachsender Ungleichheiten und Ausschlüsse, oder braucht es eine klar positionierte, engagierte Wissenschaft? Das Gespräch verbindet diese Debatte mit Glick Schillers Arbeiten zu Transnationalismus, methodologischem Nationalismus und Machtverhältnissen in transnationalen sozialen Feldern und zeigt, warum ihre Perspektiven die internationale Migrationsforschung bis heute prägen.
Über den Gast
Prof. Dr. Nina Glick Schiller zählt zu den international einflussreichsten Migrationsforscher:innen und gilt als eine der Begründer:innen der transnationalen Migrationsforschung. Als Sozialanthropologin prägte sie das Feld insbesondere durch ihre Arbeiten zu Transnationalismus, methodologischem Nationalismus sowie zu den Verflechtungen von Migration, Stadtentwicklung und gesellschaftlichem Wandel. Sie war Direktorin des Cosmopolitan Cultures Institute an der Universität Manchester und Professorin für Anthropologie an der Universität New Hampshire. Heute ist sie emeritierte Professorin, Research Associate am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung sowie Mitherausgeberin der Fachzeitschrift Anthropological Theory.
In ihrer Forschung untersucht Nina Glick Schiller Migration, transnationale Prozesse und gesellschaftliche Machtverhältnisse aus historischer und vergleichender Perspektive. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit den Wechselwirkungen von Migration und Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Race, Staatsbürgerschaft, Armut und nationaler Identität. Maßgeblich geprägt hat sie zudem die Debatte um den sogenannten ‚methodologischen Nationalismus‘ in den Migrationsstudien – und Strategien zu dessen Überwindung.
Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählen Nations Unbound, Migrants and City-Making sowie Whose Cosmopolitanism?. Aktuell forscht sie unter anderem dazu, wie gesellschaftliche, politische und ökonomische Transformationsprozesse Narrative über Migration und Anti-Migration hervorbringen, verändern und gesellschaftliche Vorstellungen von Zugehörigkeit prägen.
Darüber hinaus ist Nina Glick Schiller Mitbegründerin des Migration Scholars’ Global Solidarity and Resistance Network, das Forschende, Lehrende, Studierende und Aktivist:innen weltweit zusammenbringt, um Wissenschaftsfreiheit zu verteidigen, wissenschaftlich fundiert über Migration zu informieren und Solidarität mit Migrant:innen und Geflüchteten zu stärken.
Über die Hosts
Prof. Dr. Janine Dahinden ist Professorin für Transnationale Studien an der Universität Neuenburg (Schweiz). Ihre Forschung beschäftigt sich mit Migration, Mobilität, Transnationalisierung sowie sozialen Grenzziehungsprozessen und den damit verbundenen Ungleichheiten in Bezug auf Ethnizität, Herkunft, Geschlecht und soziale Lage. Janine Dahinden gilt als eine zentrale Vertreterin der reflexiven Migrationsforschung und hat mit ihrem Konzept der „De-Migrantisierung“ wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Forschungsfeldes gesetzt. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie Vize-Rektorin für Lehre und pädagogische Innovation an der Universität Neuenburg und engagiert sich in internationalen Forschungsnetzwerken wie IMISCOE, wo sie seit 2020 im Vorstand des Standing Committee Reflexivities in Migration Studies ist. Janine Dahinden ist DFG-Mercator-Fellow (2024-2027) im Sonderforschungsbereich „Produktion von Migration” (SFB 1604).
Prof. Dr. Christine Lang ist Juniorprofessorin für Sozialgeographie und Reflexive Migrationsforschung an der Universität Osnabrück sowie Mitglied des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS). Ihre Forschung beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Produktion von Migration, Diversität sowie Ein- und Ausschlussprozessen und der Rolle, die Räume dabei spielen. Aktuell arbeitet sie insbesondere zu den Geographien der Migration von Gesundheitsfachkräften und zur urbanen Governance von Diversität. Zuvor war sie unter anderem am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften tätig. Sie promovierte 2018 an der Universität Osnabrück mit einer Arbeit zur Produktion von Diversität in städtischen Verwaltungen. Im Sonderforschungsbereich „Produktion von Migration” (SFB 1604) leitet sie das Projekt C3 Die Produktion von Räumen der Fachkräftemigration: Anwerbung und Mobilität von Ärzt:innen.
Literatur
- Bach, Linda, Glick Schiller, Nina, Szanton Blanc, Christina (1994). Nations Unbound. Transnational Projects, Postcolonial Predicaments, and Deterritorialized Nation-States. London: Routledge.
- Baas, Michiel, Nina, Glick Schiller (2024). Manifesto – ‘The End of Migration’: Emerging trends and countervailing forces’. Transitions: Journal of Transient Migration. Volume 8, Issue 1-2, August 2024, 3 – 23. https://doi.org/10.1386/tjtm_00064_2
- Çaglar, Ayse, Glick Schiller, Nina (2018). Migrants and City-Making. Dispossession, Displacement, and Urban Regeneration. Durham and London: Duke University Press.
- Glick Schiller, Nina, Irving, Andrew (Hg.) (2014). Whose Cosmopolitanism? Critical Perspectives, Relationalities and Discontents. New York: Berghan Books.
Weiterführende Links
- IMISCOE – The Migration Podcast. Podcast Episode 5 (September 2021): Nina Glick Schiller. On conceiving 'migrant transnationalism' - IMISCOE.
- Migration Scholars’ Global Solidarity and Resistance Network: https://migrationscholarsmobilize.org/
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Zitierhinweis
- Lang, Christine, Dahinden, Janine (13. Juli 2026). The Scholar-Activist. Nina Glick Schiller’s Mission Against the Erosion of Human Rights (Episode 6) [Audio Podcast]. In: Production Site. URL: https://www.uni-osnabrueck.de/sfb1604/production-insights/podcast/s01-e06
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