Uni OS Logo

Hauptinhalt

Topinformationen

Schon gewusst?

Alle Artikel auf einen Blick

Vorstellungsgespräch digital

Aufgrund der sich ausbreitenden Corona-Pandemie und der beschlossenen Gegenmaßnahmen der Regierung, ist das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Bundesrepublik stark beeinflusst. Weitreichende Veränderungen des Arbeitsalltags, wie z.B. durch Home Office oder Kurzarbeit, betreffen Arbeitskräfte in vielen Branchen.  Dennoch sollten sich Studierende aktuell um die Planung ihrer Praktika oder um ihren Einstieg in die erste Berufstätigkeit nach dem Studium kümmern. Aber werden in der momentanen Lage überhaupt neue Arbeitskräfte gesucht? Ein Blick auf den Stellenmarkt zeigt, dass weiterhin vakante Stellen ausgeschrieben werden und Bewerbungsprozesse mithilfe digitaler Medien laufen.

Das Telefoninterview

Um auf ein Telefoninterview gut vorbereitet zu sein, gilt es einige Dinge zu beachten. Zuerst sollte sichergestellt sein, dass der Hausanschluss erreichbar bzw. das Handy geladen ist. Zur Vorbereitung gehört auch, eine gut verständliche Mailboxansage zu haben, um im Fall einer Abwesenheit einen professionellen Eindruck zu hinterlassen. Kommt der Anruf unerwartet und ungelegen, ist es ratsam, einen konkreten Gesprächstermin zu vereinbaren, um das Telefonat konzentriert und in Ruhe führen zu können. Ist für das Gespräch ein Termin angesetzt, sollten folgende Punkte beachtet werden:
Das Umfeld: Das Umfeld sollte so vorbereitet sein, dass das Gespräch ungestört von Straßenlärm, lauten Nachbar*innen oder der Musik der Mitbewohner*innen geführt werden kann. Eine angenehme Raumatmosphäre erleichtert es, sich wohl zu fühlen und mit den Ansprechpersonen am Telefon ins Gespräch zu kommen. Die die eigenen Bewerbungsunterlagen sowie Stift und Zettel für Notizen und eigene Fragen sollten bereitliegen. Die Umgebung sollte eine aufrechte, aufmerksame Haltung ermöglichen und ablenkungsarm sein.

Sprache, Gestik und Mimik: Das Telefoninterview beschränkt die Kommunikation auf das Hörbare. Körpersprachliche Signale sind weitestgehend ausgeblendet, aber nicht ganz. Aufrechtes Sitzen und Stehen erleichtert die gerade Haltung und ermöglicht, eine kräftige Stimme sowie eine ruhige Atmung zu bewahren. Gegen Nervosität und trockenen Mund hilft es, vorher ein Glas stilles Wasser bereit zu stellen. Lächeln beim Telefonieren wirkt sich positiv auf Stimme und Stimmung auf, auch körperliche Dynamik wie unterstreichende Gesten helfen, Dynamik in die Sprachmelodie zu bringen. Da Nebengeräusche ebenfalls hörbar sind, kann nervöses Herumspielen mit Stiften oder Ähnlichem wiederum vom Gespräch ablenken und unkonzentriert wirken. Unterstützend wirkt, die Situation zu visualisieren: Stellen Sie sich Ihr Gegenüber vor und sprechen Sie, als ob die Person mit Ihnen im Raum säße.

Die inhaltliche Vorbereitung: Auf keinen Fall sollte das Telefonat unterschätzt werden. Es mag den Eindruck machen, dass ein Bewerbungsgespräch am Telefon einer netten Unterhaltung gleicht, in der man ein bisschen mit den möglichen Arbeitgeber*innen „ins Gespräch kommt“. Wie auch vor einem Bewerbungsgespräch vor Ort, ist es ratsam sich die Informationen über das Unternehmen noch einmal anzusehen, um Rückfragen ohne große Verzögerung beantworten zu können. Auch sollten eigene Fragen an die Stelle und Arbeitsumgebung formuliert werden, da ja eine eigene Anschauung der Räumlichkeiten entfällt. Oftmals geht es auch nicht um die Hard Skills, die auch schon aus dem Lebenslauf bekannt sind, sondern gerade um Soft Skills, wie z. B. die Kommunikationskompetenz, Gesprächsführung oder Selbstpräsentation. Da mangelnde Kommunikationsfähigkeit am Telefon schnell auffällt, sollten einige Dinge beherzigt und am besten schon im Vorfeld mit Familie und Freunden eingeübt werden:
-    Deutlich und in angemessenem Sprechtempo reden.
-    Kurz und bündig auf den Punkt kommen.
-    Aktiv am Gespräch teilnehmen anstelle von Frage-Antwort-Stakkato.
-    Die andere(n) Person(en) ausreden lassen.
-    Ehrlich gemeinte Fragen stellen, die Interesse zeigen.

Das Videointerview

Auch beim Videointerview muss die Technik funktionieren. Daher gilt es zunächst herauszufinden, welche Anwendung das Unternehmen nutzt und welche Voraussetzungen hierfür erforderlich sind. Brauchen Sie ein eigenes Konto wie z.B. bei Skype, brauchen Sie einen bestimmten Webbrowser oder möglicherweise eine App wie z.B. bei Zoom?  Die Kamera und das Mikrofon sollten im Vorfeld mit der Anwendung eingerichtet und getestet werden. Zusätzlich sind folgende Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf wichtig:  Die Privatsphäre-Einstellungen sollten so gewählt sein, dass Sie gefunden werden können. Es sollte gewährleistet sein, dass der PC nicht während des Interviews Updates installiert und daher herunterfährt. Zudem sollte die Internetverbindung genug Bandbreite für ein flüssiges Gespräch haben. Bitten Sie Ihre Mitbewohner*innen, während Ihres Gesprächs parallel keine großen Datenmengen zu streamen. Analog zu einer professionellen Mailboxansage beim Handy sollte z.B. bei einem Skypekonto auf einen seriösen Profilnamen sowie auf ein professionelles Bewerbungsfoto geachtet werden.

Das Umfeld: Wie auch beim Telefoninterview ist es wichtig, für Ruhe in der unmittelbaren Umgebung zu sorgen, die Nachbarn ggf. um Aussetzen der Renovierungsarbeiten zu bitten sowie mit der WG Verhaltensregeln zu vereinbaren. Zusätzlich zu einem ruhigen Ort für das Gespräch kommen bei Videointerviews die richtigen Lichtverhältnisse sowie ein aufgeräumtes Umfeld im Hintergrund dazu. Überlegen Sie sich, wieviel Ihres privaten Umfelds Sie preisgeben wollen, und drehen Sie Ihren Sitzplatz im Zweifelsfall so, dass der Hintergrund eine wenig gestaltete Zimmerwand ist. Das Licht sollte Sie gut ausleuchten, aber weder Sie noch die Personen am anderen Ende der Videoleitung blenden. Beim Videointerview bietet es sich an, an einem Tisch zu sitzen, so, als ob Sie im Vorstellungsgespräch im Unternehmen zu Gast wären. Ihre Unterlagen und Notizmaterial können Sie dann vor sich legen. Natürlich sollten Ablenkungen verhindert werden, da die Personalverantwortlichen sofort sehen, wenn der Blick häufig vom Monitor abschweift.

Sprache, Gestik und Mimik: Je nach Übertragungsqualität kann die sprachliche Übermittlung manchmal stockend sein. Daher ist es auch hier wichtig, deutlich und ruhig zu sprechen. Grundsätzlich gelten dieselben Empfehlungen wie beim Telefonieren. Bei der Videokonferenz können auch wieder Gestik und Mimik unterstreichend eingesetzt und sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig wird das eigene Erscheinungsbild wichtig. Daher sollten Sie gepflegt und in beruflich angemessener Kleidung vor die Kamera treten. Eine besondere Schwierigkeit stellt der Blickkonktakt bei einer Videokonferenz dar. Die Kamera ist oft etwas oberhalb des Bildschirms angebracht, sodass eine Richtungsverzerrung entsteht. Wenn Sie Personen am Bildschirm folgen, blicken Sie diese Personen aus deren Perspektive aber nicht an. Erinnern Sie sich also immer wieder daran, direkt in die Kamera zu schauen und so Blickkontakt am Bildschirm des Gegenübers aufzunehmen. Das wirkt fokussiert und professionell.

Die inhaltliche Vorbereitung: Hier gelten dieselben Sorgfaltspflichten wie bei einem Vorstellungsgepräch im Unternehmen oder am Telefon. Bei der Videokonferenz können Ihnen auch Aufgaben gestellt werden, wie z.B. ein Konzept zu entwickeln, eine Präsentation zu erstellen oder ein Problem zu lösen. Stellen Sie sicher, dass Sie diese Dateien auf Ihrem Rechner gut auffindbar abgelegt haben, sodass Sie sie schnell in das Konferenztool hochladen oder an Ihr Gegenüber senden können. Üben Sie die Präsentation im Vorfeld, am besten über denselben Kanal, um im Umgang mit der Technik und der Selbstpräsentation sicher zu werden.

Mit guter Vorbereitung und positiver Präsenz im Gespräch kann auch in dem aus der Ferne geführten Interview ein überzeugender Eindruck hinterlassen werden. Testen Sie vorher mit Freuden oder Familienmitgliedern aus, wie Sie sich ins rechte Licht setzen und den richtigen Ton anschlagen, um sich möglichst wohl im Umgang mit digitalen Medien im Bewerbungsgespräch zu fühlen.

 

Aus dem Studium in die Praxis trotz Corona!

Ihr hattet für dieses Semester ein Praktikum geplant? Oder Ihr liegt in den letzten Zügen der Masterarbeit und möchtet eigentlich spätestens im Herbst im Job durchstarten? Ihr fragt Euch, ob in der momentanen Lage überhaupt Praktika vergeben und neue Arbeitskräfte gesucht werden? Diese Fragen haben wir uns auch gestellt und bei regionalen Unternehmen nachgefragt, die schon Gast in unserer Vortragsreihe waren oder im aktuellen Sommersemester sein werden. Ihre Antworten auf Fragen wie Ihr jetzt trotz der aktuellen Lage Euren Weg in die Praxis planen könnt, haben wir für Euch zusammengefasst.
Wir haben den Unternehmen drei Fragen gestellt, die einen Einblick geben, wie während der aktuellen Situation mit Bewerbungen und Einstellungen umgegangen wird und welche Tipps die Praxisexpert*innen für Euch bereithalten. Im Folgenden lest Ihr die Antworten, die wir erhalten haben.
1)    Wie gehen Sie derzeit mit Anfragen und Bewerbungen auf Praktika und Arbeitsstellen um?
2)    In welchen Bereichen Ihres Unternehmens wird weiterhin Personal gesucht?
3)    Was können Studierende aus Ihrer Sicht in der angespannten Arbeitsmarktlage tun, um Praktikum oder Berufseinstieg gut vorzubereiten?

Unternehmen, die in vergangenen Semestern schon Gast in unserer Vortragsreihe waren: ___________________________________________________________________________
Herr Rainer Haske, Geschäftsführer der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung in Emstek

1) Am Umgang mit Anfragen für Praktika und Arbeitsstellen hat sich bei uns nicht viel geändert. Einzig das Thema persönliche Vorstellungsgespräche haben wir derzeit auf ein Minimum reduziert und weichen dort, wo es möglich ist auf Video-Interviews aus.

2) Für Bewerbungen im Bereich Beratung auf Consultant-Level sind wir grundsätzlich weiterhin offen. Zudem können uns Studierende, die Interesse an einem Praktikum oder einer Abschlussarbeit ab Dezember dieses Jahres haben, auch gerne ihre Unterlagen zusenden.

3). Nach unserer Einschätzung liegt der Fokus der Unternehmen aktuell darauf, nachhaltig ihre Belegschaften zu halten, was  insbesondere für den inhabergeführten Mittelstand gilt. Aktivitäten im Bereich Recruiting haben viele aber vorerst auf die Besetzung von Schlüsselpositionen reduziert. Deshalb sollten sich Studierende darauf einstellen, dass sich die Bewerbungsverfahren länger hinziehen können und der Berufseinstieg mehr Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen kann als vor der Krise. Für diejenigen, die aktuell den Berufseinstieg aktiv suchen, könnte es hilfreich sein, sich auf Branchen zu konzentrieren, die erfahrungsgemäß sicherer durch Krisenzeiten kommen, wie z.B. das Agribusiness oder den Food-Sektor. Insgesamt gilt es die weiteren Entwicklungen abzuwarten, zu beobachten und sich nicht entmutigen zu lassen!
        
___________________________________________________________________________
Frau Kristin Hehenkamp, Ausbildung und Personalentwicklung bei der Sparkasse Osnabrück
1)    Bewerbungen  und Anfragen zu freien Ausbildungs- und Praktikumsplätzen sowie auf unsere Traineestellen nehmen wir auch in dieser Zeit weiterhin gerne entgegen. Dabei ist uns wichtig, für potenzielle Bewerber*innen präsent zu sein und jungen Leuten die Chance zu geben, bei uns eine Ausbildung oder ein Praktikum zu absolvieren. Die Vorstellungsgespräche werden derzeit per Telefonkonferenz durchgeführt. Dies ist auch für uns ein neuer Weg, der aber dazu führt, dass wir die Bewerbungsverfahren weiterführen können.
2)    Trotz der aktuellen Lage ist eine bedarfsorientierte Personalsuche aus unserer Sicht sehr wichtig und sollte nicht aus den Augen verloren werden. Die Personalplanungen werden weitestgehend weiter geführt, sodass z.B. die planmäßige Fluktuation der Mitarbeiter*innen aufgefangen werden kann. Die derzeitige Situation stellt uns alle vor Herausforderungen, die es zu berücksichtigen gilt. Sie wird aber nicht zu einem Einstellungsstopp führen.
3)    Eine gute Vorbereitung auf den Berufseinstieg oder auch auf einen Praktikumsplatz ist aus unserer Sicht weiterhin möglich. Das Bewerberverfahren ist digital aufgestellt, sodass dies reibungslos weitergeführt werden kann. Auch zur Vorbereitung können die Bewerber*innen die vielfältigen digitalen Möglichkeiten nutzen. Da wir schon seit längerer Zeit von Bewerber*innen das Feedback erhalten, dass sie sich digital über den Beruf informiert haben, sehen wir in diesem Bereich keine Herausforderung.

___________________________________________________________________________
Dr. Doreen Emmler, Berufs- und Studienberatung bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück
1)    Die Agentur für Arbeit empfiehlt allen, die nach Praktika und Arbeitsstellen suchen, Kontakt mit Unternehmen zu halten und sich zu informieren, ob Bewerbungsverfahren weitergeführt oder wann sie wieder aufgenommen werden, falls sie jetzt pausieren.
2)    Aktuell wird in der Region verstärkt im Gesundheitswesen,  im Einzelhandel und in der Landwirtschaft gesucht.
3)    Als Vorbereitung auf den Berufseinstieg wird Studierenden aktuell empfohlen, zunächst das eigene Qualifikationsprofil zu reflektieren und anhand von Stellenprofilen abzugleichen, welche Qualifikationen sie noch brauchen. Um an Schlüsselqualifikationen zu arbeiten, können Interessenten E-Learnings, Tutorials, Webinare nutzen, die momentan von vielen Hochschulen oder der Agentur angeboten werden. Folgende Online-Angebote für die Karriereplanung oder Informationsrecherche stellt die Agentur für Arbeit Studierenden zur Verfügung  (https://www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung/e-learning-lernboerse). Zudem können Studierende Telefonberatungsangebote in Anspruch nehmen, z.B. regionale Hotlines der Agentur für Arbeit in Osnabrück (0541/980-700,  8 bis 18 Uhr). Persönliche Netzwerke zu nutzen oder neue aufspannen ist ebenfalls hilfreich. Studierenden wird insgesamt empfohlen, mit Geduld und Flexibilität den Arbeitsmarkt im Blick zu behalten nach dem, was aktuell gesucht wird, schnell auf Veränderungen zu reagieren, zu reflektieren welcher Tätigkeit man nachgehen möchte und in der ungewissen Zeit eventuell auch vorerst Zwischenlösungen zu suchen.
_______________________________________________________________________
Frau Miriam Kessel, Team Lead Corporate Recruiting & HR Marketing, HARTING Stiftung & Co. KG in Espelkamp
1)    Auch wenn es in der aktuellen Situation zu Verzögerungen im Bewerbungsprozess kommen kann, haben wir nach wie vor zahlreiche Jobs, Praktika, Abschlussarbeiten sowie Positionen für Berufseinsteiger ausgeschrieben und führen das Recruiting zunehmend mit Video-Interviews aus dem Homeoffice weiter. Auch wenn wir kaum vorhersagen können, wie sich die Arbeitsmarktlage weiterentwickelt, bleiben wir optimistisch und suchen auch weiterhin nach neuen Talenten mit guten Ideen, die sich bei uns einbringen möchten!
2)    Talentierte Studierende und Absolvent*innen sind bei uns in vielen Bereichen herzlich willkommen: im Bereich Forschung & Neue Technologien, in der IT, im Controlling, in der Logistik, im Projektmanagement oder im Marketing.  Unsere aktuellen Stellenangebote finden Sie auf der Karriere Website unter www.Karriere.HARTING.de.
3)    Sollte die Jobsuche aktuell etwas länger dauern als geplant, investieren Sie diese Zeit in Ihre Zukunft. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, wenn Sie schon immer Ihre sprachlichen Kompetenzen erweitern oder Programmiersprachen lernen wollten. Denn nicht nur im IT Bereich wird das Programmieren eine immer bedeutendere Fähigkeit. Abseits von der persönlichen Weiterbildung empfiehlt es sich allerdings auch, sich Gedanken über Ihre Wunschbranche zu machen und welche Berufe nach der Krise Zukunft haben oder sogar von ihr profitieren werden. Seien Sie offen und flexibel und schauen Sie gerade in dieser besonderen Zeit über den Tellerrand hinaus. Zu guter Letzt nutzen Sie die Zeit, um Ihr Social Media Profil auf XING oder LinkedIn aufzupolieren. Unternehmen suchen zunehmend selbst aktiv nach den für das Unternehmen passenden Kandidat*innen. Mit einem aussagekräftigen Profil und den richtigen Keywords sind Sie gut aufgestellt und können interessante Unternehmen auf sich aufmerksam machen.

___________________________________________________________________________
Frau Dorothea Donges, Referentin Recruiting & Personalmarketing, NOZ MEDIEN in Osnabrück
1)    Obwohl wir aktuell die Besetzung von den meisten Stellen und Praktika pausieren, prüfen wir alle eingehenden Bewerbungen und nehmen interessante Kandidat*innen in unseren Bewerberpool auf.
2)    Unsere digitalen Bereiche suchen weiterhin Mitarbeiter*innen auch wenn das Einstiegsdatum hier voraussichtlich nach hinten verschoben wird. Für diese Positionen führen wir Erstgespräche komplett virtuell per Videocall oder Telefoninterview.
3)    Ich würde empfehlen Bewerbungsunterlagen vorzubereiten und wenn es keine passenden Stellen gibt, diese als Initiativbewerbung an Unternehmen zu versenden. Das ermöglicht einen ersten Kontakt. Auch wenn aktuell keine passende Stelle dabei ist, nehmen auch wir jederzeit Initiativbewerbungen entgegen und prüfen, ob diese in Zukunft für uns interessant sind. Wir planen sobald es wieder los geht sehr schnell mit dem Recruiting durchzustarten!

 

Unternehmen, die im Sommersemester 2020 Gast in unserer Vortragsreihe sind
__________________________________________________________________________
Zitat von Frau Lisa Korfmacher, HR Manager Recruiting, CLAAS KGaA mbH in Harsewinkel
CareerZeit Vortrag „Digitalisierung der Landtechnik als Arbeitsfeld mit Zukunft“
Referent*innen: Lisa Korfmacher und Florian Krampe
Wann? 03.06.2020, 14:15 – 15:45 Uhr
Anmeldung und virtueller Raum: Über Stud.IP
1)    Ein kurzfristiger Praktikumsstart ist aufgrund der aktuellen Situation tatsächlich schwierig, da die meisten Mitarbeiter*innen aktuell aus dem Home Office arbeiten, sodass für neue Praktikant*innen keine vollständige Einarbeitung gewährleistet werden kann. Sobald dies aber wieder möglich ist, können die Studierenden wie geplant ihre Praxissemester oder Abschlussarbeiten beginnen. Die Bewerbungsprozesse laufen aktuell ganz normal weiter und Studierende können sich auf die in unserer Stellenbörse unter claas.jobs ausgeschriebenen Funktionen bewerben. Da Vorstellungsgespräche per Skype laufen, haben wir die Möglichkeit, die Kandidat*innen kennenzulernen und uns zu möglichen Einsatzbereichen auszutauschen.
2)    Wir haben weiterhin in verschiedenen Bereichen Praktika oder Abschlussarbeiten sowie Jobs für Berufseinsteiger*innen und -erfahrene ausgeschrieben. Studierende können sich in unserem Karriereportal über claas.jobs informieren und auf dem Laufenden halten, in welchen Bereichen gerade Bedarf ist.
3)    Jetzt ist genau die richtige Zeit, um die Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren und dem Inhalt und Layout des Lebenslaufs einen neuen Anstrich zu geben. Auch bisherige Zeugnisse von Aus- und Weiterbildungen oder Praxiseinsätzen können eingescannt und geordnet werden. Studierende, die ihre Zukunftspläne noch nicht konkretisiert haben und noch nicht wissen, in welchem Bereich sie später tätig werden möchten, haben jetzt die Möglichkeit, sich genau hierüber detailliert zu informieren und über die Universität oder auch Unternehmen Details zu erfragen. Auf der CLAAS Homepage können diverse Informationen zu Einstiegsmöglichkeiten hierbei Hilfestellungen bieten.
___________________________________________________________________________
Zitat von Frau Julia David, Senior Research Consultant und Herr Michael Albers, Geschäftsleiter, Produkt + Markt Marktforschung und Marketingberatung GmbH & Co. KG in Wallenhorst
CareerZeit Vortrag „Marktgröße, Kaufkraft, Zukunftstrends“
Referent*innen: Julia David und Lena Görtz
Wann? 17.06.2020, 14:15 – 15:45 Uhr
Anmeldung und virtueller Raum: Über Stud.IP

1)    Aktuell werden Bewerbungen und Anfragen entgegengenommen, aber zurückgemeldet, dass momentan keine Stellen offen sind. Für Studierende, die ein Pflichtpraktikum von vier bis acht Wochen bei uns absolvieren möchten, stehen die Chancen günstiger als für längere Praktika von vier bis sechs Monaten, wofür im Moment kein Bedarf besteht. Dies kann sich natürlich in der nächsten Zeit wieder ändern.
2)    Im Moment haben wir in keinem Bereich offene Stellen. In Zukunft werden aber wieder Kolleg*innen im Bereich der Digitalisierung, wie Data Science oder IT, und hoffentlich auch wieder Markforscher*innen gesucht.
3)    Wir würden Studierenden aktuell alles empfehlen, was sich positiv auf die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit oder der eigenen Interessen auswirkt. Dies kann ein Online-Seminar sein, ein Auslandsaufenthalt (soweit möglich), aber auch Nachbarschaftshilfe oder ähnliches kann gut in den Lebenslauf passen. Auch wenn die Unternehmen später Verständnis dafür haben werden, dass man in der jetzigen Zeit keine großen Möglichkeiten oder eine Zeit lang „Leerlauf“ hatte, wäre es nur schön zu sehen, dass man trotz allem versucht hat, sich weiter zu entwickeln.
 __________________________________________________________________________
Zitat von Patrick Stoffel, Recruiter, Prowind GmbH in Osnabrück
CareerZeit Vortrag „Erneuerbare Energien als Arbeitsfeld“
Referent: Patrick Stoffel
Wann? 01.07.2020, 14:15 – 15:45 Uhr
Anmeldung und virtueller Raum: Über Stud.IP

1)    Wir haben aktuell während der Corona-Krise weiterhin Stellen ausgeschrieben und auch neue Mitarbeiter*innen (Vollzeitkräfte aber auch studentische Hilfskräfte) eingestellt. Der Normalbetrieb läuft somit im Recruiting weitestgehend weiter.
2)    In unserem Unternehmen gibt es für keine Abteilung einen Einstellungsstopp. Wir suchen aktuell für unsere Solar GmbH Akquisiteur*innen und eine*n Genehmigungsplaner*in. Für die Prowind Gruppe suchen wir zudem eine*n Jurist*in und einen Asset Manager (Finance).
3)    Studierende, die bei uns in den Beruf einsteigen, sollten ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen z.B. bei der Einarbeitung über Videokonferenz, zeitliche Flexibilität und ein hohes Maß an Eigeninitiative durch eigenständige Einarbeitung in Themen. Außerdem sollten sie proaktiv bei den zuständigen Personen nachfragen, über Telefon und Skype sowie keine Hemmungen haben, auch wenn sie neu im Unternehmen sind. Ebenfalls gehört dazu die Bereitschaft, Arbeitsnachweise z.B. in Form von wöchentlichen Reports zu erbringen.

Weitere Tipps, wie Ihr Euch auf die Praxiswelt und Euren Berufseinstieg vorbereiten könnt, findet Ihr in unserer Infothek, und wir freuen uns, Euch bei unseren Vorträgen mit den vorgestellten Referent*innen aus der Praxis zu sehen (das Programm findet Ihr hier.)
Marina Schefer, Autorin dieses Artikels, ist Mitarbeiterin des Career Service.

Start up Time – Aus der Uni heraus gründen mit dem Gründungsservice der Osnabrücker Hochschulen

Starten wir ins Thema mit einer interessanten Paradoxie: Obwohl in Deutschland das Interesse an Unternehmensgründungen wächst, ist die Zahl der neu gegründeten Firmen bereits seit Jahren rückläufig. Wie kann das sein? Die guten Perspektiven für Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt und hohe Hürden auf dem Weg zur eigenen Firma tragen zu diesem Trend bei. Neben Durchhaltevermögen ist also auch sorgfältige Planung wichtig, um mit der eigenen Idee zum Erfolg zu kommen. Gründungsinteressierte Studierende der Osnabrücker Hochschulen profitieren davon, dass sie vor Ort niedrigschwellig, kostenfrei und professionell beraten und begleitet werden.
Dafür ist der Gründungsservice der Osnabrücker Hochschulen die richtige Anlaufstelle. Wie man hier von der Gründungsidee über Finanzierungsmöglichkeiten und dem Geschäftsmodell bis hin zur Selbstständigkeit begleitet wird, erklärt uns Reinhard Hoffmann vom Transfer- und Innovationsmanagement im Interview.

Career Service: Für welche Personen ist der Gründungsservice der richtige Ansprechpartner?

Reinhard Hoffmann: Für alle Angehörigen der Universität Osnabrück sowie der Hochschule Osnabrück, die sich für das Thema Selbständigkeit, Unternehmensgründung, Freiberuflichkeit, Start-up und Entrepreneurship interessieren.  Egal, ob man schon eine Idee hat oder sich einfach nur informieren möchte.

Wie finde ich heraus, ob ich eine „Gründerpersönlichkeit“ habe?

Hierzu gibt es keine konkrete Antwort und auch keinen spezifischen Test. Durch Denkanstöße und Reflexion ist zu entscheiden, ob der Weg in die unternehmerische Tätigkeit ein richtiger sein kann. Hierzu kann ein vertrauliches Gespräch mit einem Gründercoach Aufschluss geben. Handlungskompetenzen, die eine Unternehmerpersönlichkeit haben sollte, können erlernt und trainiert werden.

Ich habe gute Ideen für Produkte und Lösungen. Wie kann ich diese gut verkaufen und planen, wenn ich mich gar nicht mit BWL auskenne?

Durch z.B. die Auseinandersetzung mit dem Geschäftsmodell werden wesentliche Erkenntnisse gewonnen und die Gedanken in eine unternehmerische Struktur gebracht. Hierzu benötigt man kein BWL-Wissen, sondern Empathie. Als potenzielle*r Unternehmer*in ist es von Vorteil, sich auf den Stuhl der Kund*innen setzen zu können und die Angebote aus deren Sichtweise zu überdenken.
Der Gründungsservice der Osnabrücker Hochschulen bietet Sprechzeiten, Beratung und Bewertung bezüglich der Idee an, unterstützt bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells ebenso wie bei der Erstellung des  Businessplans.
Zusätzlich wird die Workshopreihe „Existenzgründung“ in Kooperation mit dem Gründerhaus Osnabrück für alle Angehörigen der Universität und Hochschule kostenlos angeboten. Im Zuge dieser aufeinander aufbauenden Workshops werden die wichtigsten Informationen für eine Gründung vermittelt. Angefangen bei den grundlegenden Aspekten einer Existenzgründung bis hin zu konkreten Erstellung des Businessplans.

Ich suche noch Gründungspartner*innen, die mit mir zusammen das Projekt umsetzen oder erweitern wollen. Wie kann ich meine Suche gestalten?

Wichtig ist, dass das Team auf den Themenfeldern Produktentwicklung, Betriebswirtschaft sowie  Marketing und Vertrieb gut aufgestellt ist. Entsprechend sollten die im Team weniger vorhandenen Kompetenzen durch Dritte ausgeglichen werden. Teammitglieder findet man unter Studierenden (schwarzes Brett) oder auf Gründertreffen.

Die Umsetzung meiner Idee kostet Geld. Woher nehme ich das? Welche Möglichkeiten zur Finanzierung gibt es?

Technologische und/oder wissenschaftliche Innovationen können über Gründerstipendien gefördert werden. Hier gibt es zum Beispiel das Exist – Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das sich an Studierende, Absolvent*innen sowie an Wissenschaftler*innen wendet, die eine Geschäftsidee im technischen oder wissensbasierten Bereich entwickeln.
Bei innovativen Ideen und einem aussagestarkem Businessplan können auch günstige Darlehn bei der KfW-Bank oder der NBank beantragt werden.

Welche Unterstützung kann mir der Gründungsservice außerdem noch bieten?

Coaching/Beratung/Bewertung zur Idee, zum Geschäftsmodell und zum Businessplan.
Neben der Beratung zu verschiedenen Fördermöglichkeiten begleiten wir die Gründer*innen  auch bei der Antragstellung von Gründerstipendien.
Damit die Idee zu einem Produkt oder deren Teile nicht von jedem genutzt werden kann, bietet der Gründungsservice auch Beratung zum Schutz der Erfindung und der Anmeldung eines Patentes an.
Darüber wurde über die Jahre ein großes Kontaktnetzwerk zu internationalen Unternehmen aufgebaut, die als Partner*innen oder Abnehmer*innen in Frage kommen können. Zudem ist eine Beteiligung an verschiedenen Messen möglich.

Wie unterstützt mich der Gründungsservice nach der Gründung, z.B. bei Fragen zu Rechtsformen, Steuern, Rechnungen?

Grundsätzlich dürfen nur Rechtsanwält*innen und Steuerberater*innen bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Aspekten verbindliche Antworten geben. Osnabrück bietet ein kompetentes Netzwerk an Gründungsberater*innen, z.B. bei der IHK, HWK und dem Gründerhaus. Für Studierende natürlich auch der Gründungsservice der Osnabrücker Hochschulen.

Der Verfasser Reinhard Hoffmann (Dipl. Betriebswirt und Erwachsenenpädagoge) verfügt über langjährige Berufs- und Gründungserfahrung und freut sich aufspannende Projekte (R.Hoffmann@hs-osnabrueck.de).

 

Produktiv im Home Office - mit dem richtigen Zeit-und Boundary Management

Die Corona Pandemie wirkt sich massiv auf den Arbeitsmarkt aus. Während jede fünfte Firma[1] von Kurzarbeit betroffen ist, können momentan auch viele Studierende ihren Nebenjobs, z.B. in der Gastronomie oder im Tourismussektor, nicht nachgehen. Wo es umsetzbar ist, sollen Arbeitnehmer*innen von der Möglichkeit des Home Office Gebrauch machen.
Auch die Studierenden wurden zur Eindämmung der Infektionsgefahr ins Home Office geschickt, von wo aus sie ihr Studium digital fortsetzen. Hierin liegt auch eine Chance, in dieser Zeit an sich selbst die Vorzüge und Nachteile der Heimarbeit zu beobachten.

Diese Heimarbeit bzw. das Online – Studium ist für Studierende und Lehrende, aber auch für Arbeitnehmer*innen anderer Wirtschaftssektoren eine absolute Umstellung. Diese Situation für sich und die Vorbereitung auf eine zukünftige Arbeitstätigkeit zu nutzen, kann darin bestehen, das Arbeiten im Home Office genauer unter die Lupe zu nehmen. Hierfür kann man einerseits prüfen, ob die technische Ausstattung und der Zugang zu digitalen Tools vorhanden sind und wie ergonomisch der eigene Arbeitsbereich eingerichtet ist. Andererseits kann man im Sinne einer Selbstreflexion beobachten, wie gut man im Home Office arbeiten kann: Wie sieht das eigene Stressempfinden und die Arbeitsmotivation zuhause aus? Macht die Arbeit zuhause Spaß oder fehlen die festen Strukturen? Was wird noch gebraucht, um die Arbeit abwechslungsreicher und die Ergebnisse zufriedenstellender zu machen? Immerhin sind mobiles Arbeiten und Home Office Verhandlungsaspekte mit dem zukünftigen Arbeitgeber, die es dann entweder einzufordern, einzugrenzen oder ganz abzuwehren gilt.

Vorteile von Home Office

Neben dem geringeren Risiko einer Ansteckung bietet die Arbeit in den heimischen vier Wänden einige weitere Vorzüge, die auch in den Zeiten nach der Pandemie Beachtung finden können.

Zeit und Flexibilität:
Ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder dem PKW mit anschließender Parkplatzsuche: Laut Statista[2] verbringt jede*r zweite Pendler*in in Deutschland 30 Minuten pro Arbeitsweg, 21%  sogar zwischen 30 und 45 Minuten. Beim Arbeiten von zuhause aus entfällt der oft lange und anstrengende Weg zum Arbeitsplatz und nebenbei entfallen die entstehenden Fahrtkosten (z.B.  Benzin, ÖPNV Tickets etc.). Zudem ist es möglich, private Angelegenheiten sowie Termine beim Arzt oder mit den Handwerkern besser mit den Arbeitszeiten im Home Office zu vereinbaren.

Zufrieden mit der Arbeit:
Die flexiblere Arbeitseinteilung kann wiederum  in einer höheren Zufriedenheit resultieren. Laut einer Studie der Stanford University[3]  aus dem Jahr 2014, bei der Mitarbeiter*innen einer großen chinesischen Reiseagentur zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt wurden, Homeoffice oder Büroarbeit, sind Mitarbeiter*innen  mit ihrer geleisteten Arbeit im Home Office zufriedener und weniger erschöpft, als ihre Kolleg*innen im Büro.

Weitere Vorteile im Homeoffice sind, dass man zuhause weniger durch Bürolärm sowie Kollegen*innen abgelenkt wird und sich nicht dauernd vom Chef beobachtet fühlt, was  wiederum zu einer gesteigerten Konzentration führen kann. In derselben Studie war zudem ein Anstieg der Produktivität um 13% zu verzeichnen, wovon  9% auf mehr erbrachte Arbeitsminuten pro Tag und 4% auf höhere Leistung pro Minute zurückzuführen waren. Insgesamt arbeiteten Mitarbeiter*innen m Home Office durchschnittlich 46 Stunden in der Woche[4].

Nachteile von Home Office

Allerdings gilt es im Home Office auch einige Herausforderungen zu bewältigen, die die Arbeitsleistung und –zeit betreffen. Von großer Wichtigkeit sind auch die Effekte auf die Belastbarkeit sowie die psychische Gesundheit.

Fehlendes Team:
Auch wenn es von Vorteil ist, dass die Kolleg*innen einen nicht mehr von der Arbeit ablenken können, ist dieser Punkt ein zweischneidiges Schwert, da nun auch der soziale Austausch in den Arbeitspausen oder auf dem Flur wegfallen. Dies kann schnell zu einem Gefühl der Isolation und negativer Stimmung führen. Gleichzeitig fehlt ein unmittelbares Feedback von Kolleg*innen und Führungskräften zur eigenen Arbeit. Diese fehlende soziale Unterstützung kann wiederum die Motivation verringern, die eigenen Arbeitsziele zu erreichen.

Ablenkung:
Wo die Umgebung des Arbeitsplatzes keine Ablenkung mehr darstellen kann, kommen andere Störfaktoren zum Tragen, die man am regulären Arbeitsplatz nicht gewohnt ist. „Ein bisschen Haushalt“, Besorgungen oder das Klingeln der Paketboten können immer wieder die Konzentration unterbrechen, was Zeit und Nerven kostet und auf Dauer zu geringerer Produktivität führen kann.

Karriereaspekte:
Gerade was die eigenen Leistungen angeht zeigt die Stanford Studie, dass bessere Leistung oder Mehrarbeit im Home Office von Vorgesetzten oft kaum wahrgenommen wird und es daher seltener Gehaltserhöhungen oder Beförderungen gibt[5]. Ein weiterer Grund für diese Benachteiligung sei die kürzere Anwesenheitszeit im Büro. Außerdem gibt es gegenüber den „Zuhausebleiber*innen“ oft Vorurteile der Kolleg*innen in Bezug auf fehlendes Engagement und geringere Effektivität[6].

Vermischung von Berufs- und Privatleben:
Um diesem Anschein entgegenzuwirken, arbeiten viele Arbeitnehmer*innen im Home Office sogar viele Stunden mehr als im Büro oder verändern durch die Flexibilität die Arbeitszeiten, sodass sie bis spät abends arbeiten. Das kann auf Dauer zu Schlafstörungen, Erschöpfung und Konzentrationsproblemen führen. Außerdem fürchten Arbeitnehmer*innen im Home Office auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten verfügbar sein zu müssen.

Rituale, Selbst- und Boundarymanagement

„Wer seine Grenzen kennt, ist schon ein halber Weiser“ (John Galsworthy)

Um auch langfristig zufrieden und produktiv im Home Office sein zu können, und auch die eigene Gesundheit nicht zu gefährden, kann man sich verschiedener Techniken bedienen. Dazu gehört zum Beispiel das Boundarymanagement, also eine Methode aus der Arbeitspsychologie, die dabei hilft, Grenzen zwischen dem Beruf und dem Privatleben zu ziehen. Denn während stark integrativ orientierte Personen sogar gerne Berufliches und Privates vermischen, wollen stark segmentierende Individuen diese beiden Bereiche strikt trennen. Dies fällt ihnen leicht, wenn sie an einem anderen Ort arbeiten als  zuhause. Auf dem Weg zur Arbeit können sie sich mental auf den Wechsel zur Arbeit vorbereiten. Gerade diese Phase fällt jedoch beim Home Office weg, was zu Spannungen bei den segmentierenden Arbeitnehmer*innen führt[7].

In solchen Fällen kann es helfen, die Rituale und Strukturen eines „normalen“ Arbeitstages weiterhin durchzuführen und so zu tun, als würde man zur Arbeit gehen. Das heißt, dass man nicht schon während des Frühstücks Mails durchlesen oder sich in Schlafkleidung an den Laptop setzen sollte, sondern die Arbeit erst beginnt, wenn die morgendliche Routine beendet ist. To-Do-Listen und Klebezettel können auch am eigenen Schreibtisch dabei helfen, den Überblick zu behalten und kleine Meilensteine zu setzen, was eine Unterstützung bei der Selbstorganisation bietet. Allerdings sollte der private Arbeitsplatz am heimischen Schreibtisch frei von privaten Gegenständen sein und vielleicht auch nicht der Esstisch sein, da dies wieder zu einer Vermischung beider Bereiche führt[8].

Ein wichtiger Punkt im Home Office betrifft die Arbeitszeiten. Diese sollten genauso beachtet werden wie die Pausenzeiten oder der pünktliche Feierabend, um einen geregelten Tagesablauf beizubehalten und eine ausgewogene Work – Life – Balance zu erreichen. Auch hier sollten also klare Grenzen gezogen werden.

Ein weiteres Ritual ist der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen. Wenn Sie sich auf der Arbeit viel mit anderen Personen austauschen (eine Unterhaltung führen, Feedback einholen oder erteilen etc.), können Sie das aufgrund der Kommunikationstechnologien auch von zuhause aus beibehalten. Das bietet Ihnen auch die Möglichkeit, Ihren Arbeitsfortschritt und Erfolge bei Projekten zu kommunizieren[9].

Die aktuelle Situation, die Sorgen und das social distancing fordert uns allen sehr viel ab. Wenn man ihr also etwas Positives abgewinnen möchte, dann könnte es die unerwartete Möglichkeit sein herauszufinden, ob Home Office eine passende Arbeitsform für Sie sein könnte und in welchem Umfang Sie auch in Zukunft davon Gebrauch machen würden oder ob Ihnen persönlich die Trennung des  Arbeitsortes mit vorgegebenen Strukturen und unter Kolleg*innen eher liegt.

 

[1] www.faz.net/aktuell/wirtschaft/jede-fuenfte-firma-wegen-corona-krise-von-kurzarbeit-betroffen-16706596.html

[2] de.statista.com/infografik/13644/laenge-von-arbeitswegen/

[3] Bloom, N., Liang, J., Roberts, J., & Ying, Z. J. (2015). Does working from home work? Evidence from a Chinese experiment. The Quarterly Journal of Economics, 130(1), 165-218.

[4] www.impulse.de/management/personalfuehrung/vorteile-nachteile-homeoffice/7302775.html

[5] www.gruenderszene.de/karriere/homeoffice-studie-nachteile

[6] www.ingenieur.de/karriere/arbeitsleben/alltag/home-office-das-wichtigsten-vorteile-nachteile/

[7] www.organisator.ch/boundary-management-dem-persoenlichen-beduerfnis-entsprechende-grenzen-zwischen-arbeit-und-privat-setzen/

[8] www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/neue-arbeitsbedingungen-in-der-coronakrise-worauf-man-im-alltag-mit-homeoffice-achten-sollte/25645088.html

[9] karrierebibel.de/home-office-tipps/

Der Artikel wurde verfasst von Frederik Weiß, B.A. Er ist studentische Hilfskraft im Career Service und arbeitet wie das gesamte Team seit Mitte März aus dem Home Office.

Digitale Netzwerke sinnvoll nutzen: So wird die Firmenkontaktmesse zum Erfolg

Es ist ganz normal, sich via Snapchat, Instagram, Facebook und Co. zu vernetzen und sich selbst darzustellen. Doch geschieht dies in der Regel, um im Austausch mit Freunden oder Familienangehörigen zu bleiben. Aber wie und wo präsentiere ich mich eigentlich, wenn ich den Berufseinstieg suche und möchte, dass interessante Firmen auf mich aufmerksam werden?

Karriere-Plattformen wie XING und LinkedIn funktionieren ganz ähnlich wie Facebook, wurden jedoch geschaffen, um sich rein beruflich zu vernetzen. Man kann ein Profil von sich selbst erstellen und je genauer und professioneller dieses ist, desto höher ist die Chance von Firmen oder „Headhuntern“ angesprochen zu werden. Gleichzeitig präsentieren sich Firmen selbst, was die Auswahl des zukünftigen Arbeitgebers erleichtern kann. Dabei zielt XING hauptsächlich auf den deutschsprachigen Raum (15 Millionen User in Deutschland) ab, während LinkedIn (13 Millionen User in Deutschland, 500 Millionen weltweit) eher ein global agierendes Netzwerk ist, in dem häufig auf Englisch kommuniziert wird. Auf beiden Plattformen kann man sich kostenlos anmelden, aber auch gegen eine monatliche Gebühr Premium-Accounts nutzen. Für den Berufseinstieg ist dies jedoch nicht notwendig. 

Um die Portale gewinnbringend für sich selbst zu nutzen, sollte man gewisse Grundregeln beachten. Es ist sehr wichtig, sich möglichst professionell und trotzdem noch authentisch zu präsentieren. Ein Partyfoto als Profilbild ist ein absolutes No-Go. Es kann sich auszahlen, ein professionelles Bild mit passender Kleidung vom Fotografen erstellen zu lassen. Außerdem sollte das eigene Profil vollständig ausgefüllt und stets aktuell sein. Auf XING gibt es beispielsweise die Funktionen „Ich biete“ (z.B. Auslandserfahrung, BWL-Kenntnisse) sowie „Ich suche“ (z.B. Berufseinstieg, Jobs in der Region Osnabrück), welche man ebenfalls nutzen sollte. Wie auf Social Media üblich, ist es vorteilhaft, sein Netzwerk auszubauen. Um die eigene Reichweite zu vergrößern und den fachlichen Austausch auszubauen, ist es ratsam, sich mit möglichst vielen persönlichen Kontakten auch digital zu vernetzen. Sie haben auf einer Firmenkontaktmesse, wie der CHANCE, eine personalverantwortliche Person einer interessanten Firma kennengelernt? Dann nutzen Sie diesen ersten Kontakt und vertiefen ihn anschließend mit einer Kontaktanfrage sowie einem weiteren Austausch. Oder verweisen Sie, anstatt einen Lebenslauf einzureichen, direkt auf Ihr Profil, auf dem Sie alle wichtigen Daten und Zertifikate bereits hinterlegt haben.

Sowohl LinkedIn als auch XING bieten außerdem die Möglichkeit, sich in Gruppen zu engagieren. Gerade auf XING gibt es viele regionale Gruppen, die beispielsweise regelmäßig Events oder Firmenbesuche anbieten. Eine tolle Möglichkeit, um bei einem potenziellen Arbeitgeber hinter die Kulissen zu schauen. Es kann sich also lohnen, neben Snapchat, Instagram und Co. auch auf Karriereportalen aktiv zu sein.

Am 6. November 2019 von 14-16 Uhr wird Herr Leupold von der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung im Rahmen der CareerZeit einen vertiefenden Vortrag zum Thema „Berufseinstieg digital – XING und LinkedIn als Karrieresprungbrett?“ halten. Die Teilnahme am Vortrag eignet sich ideal zur Vorbereitung auf die Firmenkontaktmesse CHANCE am 13. und 14. November. Studierende erfahren, wie sie ihre digitalen Netzwerke im Kontakt mit Unternehmensvertreter*innen auf der Messe ideal nutzen können und so ihre Chancen auf eine erfolgreiche Kontaktaufnahme und einen späteren Berufseinstieg erhöhen.

Der Verfasser Fabian Leupold (M.A. Sozial- und Wirtschaftsgeograph) ist als Junior Personalberater bei der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung tätig und betreut Unternehmen bei der Besetzung von Fachspezialisten- und Führungspositionen.

Ihre Möglichkeiten im Studium

Um Ihre überfachlichen Kompetenzen gezielt weiterzuentwickeln, bietet das Verzeichnis Studieren Plus den Überblick über Angebote der Universität Osnabrück zum Schlüsselkompetenzerwerb in fünf relevanten Lernfeldern. Um Ihre Kompetenzen im Bewerbungsprozess überzeugend einzubringen, unterstützt Sie der Career Service über seine Veranstaltungsangebote und die Beratung.

Schlüsselkompetenzen – Gut vorbereitet für die berufliche Zukunft

Um sich heutzutage im Bewerbungsprozess erfolgreich behaupten zu können, sind weitaus mehr als die Abschlussnote oder die absolvierten Weiterbildungen entscheidend. In den meisten Stellenausschreibungen kommt den so genannten „Soft Skills“ eine zentrale Bedeutung zu. Doch was verbirgt sich hinter diesen Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative oder einer strukturierten Arbeitsweise? Welche Bedeutung schreiben Arbeitgeber ihnen zu und wie werden die vorhandenen Kompetenzen im Auswahlprozess ermittelt?

Was wird in Stellenausschreibungen und Stellenprofilen unter Schlüsselkompetenzen verstanden? Was steht hinter Begriffen wie Teamfähigkeit oder einer strukturierten Arbeitsweise?

Auch wenn Begriffe wie Teamfähigkeit oder strukturierte Arbeitsweise in Stellenausschreibungen häufig genannt werden, sind dies für uns trotzdem wichtige Fähigkeiten, die Bewerber*innen mitbringen sollten. Bei der Kompetenz Teamfähigkeit interessiert uns beispielsweise, wie die Bewerber*innen ihre Rolle in einem Team beschreiben, wahrnehmen oder was ihnen an der Zusammenarbeit innerhalb eines Teams besonders wichtig ist. Darüber hinaus prüfen wir auch den „Teamfit“ für das Team der zu besetzenden Stelle. Hinter dem Begriff der strukturierten Arbeitsweise verbirgt sich für uns vor allem die Fähigkeit, parallel ablaufende Aufgaben selbstständig zu priorisieren und erfolgreich zu bewältigen.

Welche Bedeutung haben Schlüsselkompetenzen im Bewerbungsverfahren (neben Fachkenntnissen, Ausbildung etc.)?


Schlüsselkompetenzen bzw. die überfachliche Eignung der Bewerber*innen ist für uns im Auswahlprozess, neben den Fachkenntnissen, ein zentraler Faktor, der die Entscheidung für oder gegen Bewerber*innen maßgeblich beeinflusst. Durch das Erfragen bestimmter Kompetenzen vervollständigt sich für uns das Bild der Kandidat*innen und nur so können wir eine fundierte Entscheidung treffen. Und natürlich ist es auch für die Bewerber*innen ein Gewinn, denn wir agieren hier transparent, wodurch Kandidat*innen einen realistischen Eindruck erhalten, wie wir bei Hellmann bestimmte Kompetenzen in der täglichen Arbeit leben.

Wie ermitteln Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren, ob Bewerber*innen über die im Stellenprofil geforderten Schlüsselkompetenzen verfügen?

Wir bei Hellmann nutzen im Auswahlprozess verschiedene Wege, um auch die überfachliche Eignung der Bewerber*innen zu ermitteln. Je nach Inhalt der Stelle achten wir besonders auf bestimmte Schlüsselkompetenzen. Im Bereich Vertrieb sind z.B. Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsstärke sehr wichtig. Im Bereich der speditionellen Abwicklung sind Kundenbegeisterung und strukturierte Arbeitsweisen besonders hervorzuheben. Meist ist eine Vielzahl an Faktoren wichtig, sodass wir uns viel Zeit nehmen, potenziell geeignete Kandidat*innen in Gesprächen kennen zu lernen. Wir arbeiten in Gesprächen beispielsweise mit situativen und biographischen Fragen, um eine Vorstellung von der Ausprägung der Schlüsselkompetenzen zu erhalten. Im Vertriebskontext interessiert uns z.B. in welcher Situation Verhandlungsgeschick in der Vergangenheit besonders unter Beweis gestellt werden konnte. Bewerber*innen für den Kundenservice fragen wir häufig nach der herausforderndsten Situation im Kundenkontakt. Einige Kompetenzen sind uns, unabhängig von der Stelle, immer wichtig, da wir großen Wert darauf legen, dass die Bewerber*innen auch zur Unternehmensphilosophie passen. Beispiele für solche Kompetenzen sind Teamfähigkeit und Zusammenarbeit. Teilweise nutzen wir auch eine Aufgabe, um die Kandidaten*innen noch besser kennenzulernen. Die Aufgabe ist aber immer stellenbezogen und spiegelt häufig eine realitätsnahe Alltagssituation zur Position wider, die in einer Rollensituation zusammen mit dem Recruiter dargestellt wird.

Die Verfasserinnen Christina Osmers und Anina Lehmann sind im HR Marketing und Recruiting Team von Hellmann Worldwide Logistics SE & Co. KG tätig.

Rechtliche Grundlagen von Praktika im Überblick

Kaffee kochen, Akten schreddern, kopieren - Tätigkeiten, die gerne auf Praktikantinnen und Praktikanten abgewälzt werden. Wer also nicht nur als billige Arbeitskraft eingesetzt werden möchte, kann im Vorfeld auf einige Punkte achten, die verraten, ob es sich um ein "echtes" Praktikum handelt.

Zweck des Praktikums

In einem Praktikum geht es darum, dass du berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten erwirbst sowie erste berufliche Erfahrung sammelst. Deshalb muss das Lernen im Vordergrund stehen. Sollte jedoch statt des Erwerbs beruflicher Kenntnisse die Arbeitsleistung im Fokus stehen, haben Praktikantinnen und Praktikanten Anspruch auf vollen Lohn (§ 138 II BGB).

Abgrenzung von Praktika und regulären Arbeitsverhältnissen

Wenn du ein Praktikum absolvierst, darfst du nicht als feste Arbeitskraft in den betrieblichen Ablauf eingeplant werden. Praktikantinnen und Praktikanten laufen zusätzlich im Betrieb mit und ersetzen keinen regulären Arbeitsplatz.

Vertragliche Regelungen im Rahmen eines Praktikums

Auch als Praktikantin bzw. Praktikant bekommst du einen Vertrag, in dem die Rahmenbedingungen des Praktikums festgeschrieben werden. Dazu gehören:

  • Beginn und Dauer des Praktikums
  • Höhe der Vergütung
  • Dauer des Urlaubs
  • Dauer der Arbeitszeit (hier sind tarifvertragliche Regelungen bzw. das Arbeitszeitgesetz zu beachten)
  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
  • Kündigungsvoraussetzungen
  • Ausbildungsplan (Ablauf und Inhalt des Praktikums)

Betreuung

Während deines Praktikums wirst du von einem Anleiter oder einer Anleiterin betreut, welche sich um deine Interessen und die Arbeitsinhalte kümmert. Außerdem muss Praktikantinnen und Praktikanten für die Zeit des Praktikums ein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeit pro Tag sollte regelmäßig 8 Stunden betragen und darf 10 Stunden nicht übersteigen
(§ 3 ArbZG). Ab einer Arbeitszeit von 6 Stunden sind 30 Minuten Pause Pflicht, bei 9 Stunden Arbeit 45 Minuten (§ 4 ArbZG). Pro Woche dürfen Praktikantinnen und Praktikanten nur fünf Tage regulär beschäftigt werden. Bei Praktika in Branchen, in der eine 6-Tage-Woche üblich ist, musst du zwei Samstage und Sonntage pro Monat frei haben (§§ 9, 10 ArbZG).

Urlaub

Bei einem freiwilligen Praktikum von bis zu 5 Monaten stehen dir 2 Urlaubstage pro Monat zur Verfügung, ab 6 Monaten mindestens 24 Tage pro Jahr (§§ 3, 4, 5, BurlG). In einem Pflichtpraktikum nach Prüfungsordnung hast du keinen Anspruch auf Urlaub, er kann jedoch ausgehandelt werden.

Vergütung von Praktika

Auch als Praktikant bzw. Praktikantin hast du in der Regel einen Mehrwert für das Unternehmen, deshalb solltest du entlohnt werden. Leider gibt es für Unternehmen viele Möglichkeiten Praktika unentgeltlich anzubieten, ohne mit Problemen rechnen zu müssen. Pflichtpraktika und freiwillige Praktika bis zu einer Dauer von drei Monaten sind vom Mindestlohn ausgenommen, bei Pflichtpraktika besteht kein Anspruch auf Gehalt. Gleiches gilt für Abschlussarbeiten, die im Unternehmen entstehen, wenn du nur zur Erstellung der Arbeit im Unternehmen angestellt bist. Bei einem freiwilligen Praktikum von mehr als 3 Monaten ist das Unternehmen verpflichtet, dir den Mindestlohn zu zahlen. Die meisten großen Unternehmen zahlen jedoch eine Vergütung, wobei die Höhe stark von der Branche abhängig ist. Informiere dich im Internet, damit du die angebotene Vergütung einschätzen kannst.

Sozialversicherungsbeiträge und Steuern

Bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums bist du von der Sozialversicherung befreit. Pflichtpraktika vor oder nach dem Studium werden wie eine Ausbildung behandelt: Sozialversicherungsbeiträge werden fällig, werden jedoch bis zu einem Verdienst von 325 € vom Arbeitgeber übernommen, darüber werden die Kosten geteilt. Bei freiwilligen Praktika müssen die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden, wenn der Verdienst 450 € im Monat übersteigt. Ob Steuern gezahlt werden müssen, und wenn ja, in welcher Höhe, ist von verschiedenen Faktoren abhängig und kann deshalb nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich gilt, dass ein Verdienst bis zum Grundfreibetrag von 9.168 € pro Jahr auch für Studierende steuerfrei ist.

Dauer von Praktika

Freiwillige Praktika dauern in der Regeln nicht länger als 3 Monate und können so bequem in den Semesterferien durchgeführt werden, ohne ein Semester aussetzen zu müssen. Bei längerer Praktikumsdauer solltest du darauf achten, dass du trotzdem neue Erfahrungen erwerben kannst. Für Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums ist die Dauer des Praktikums in der entsprechenden Studienordnung festgelegt.

Am 24. April wird Frau Enshin vom Hochschulinformationsbüro in einem Vortrag zusätzliche Informationen rund um Rechte und Pflichten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vorstellen. Die Anmeldung erfolgt über Stud.IP. 
Weitere Infos, Tipps und Tricks findest du unter hib-os.de.

Die Autorin Roxana Reinkemeier ist Referentin beim Hochschulinformationsbüro der Gewerkschaften in Osnabrück.

Auslandserfahrungen - Mehr als nur ein Pluspunkt im Lebenslauf

Ein Auslandsaufenthalt bietet die Gelegenheit, sich auf persönlicher, aber auch auf beruflicher Ebene weiterzuentwickeln. Im akademischen Jahr 2017/18 haben 422 Studierende der Universität Osnabrück ihre Chance genutzt und mit Unterstützung des International Office einen Auslandsaufenthalt absolviert - 306 Studierende in Form eines Auslandssemesters und 116 Studierende durch ein Praktikum im Ausland.

Welche Vorteile bringt mir ein Auslandsaufenthalt?

Ein Aufenthalt im Ausland ermöglicht, die Sprachenkenntnisse zu verbessern und Kontakte im interkulturellen Austausch zu knüpfen. Darüber hinaus können Auslandserfahrungen bei der persönlichen Weiterentwicklung helfen. Selbstständigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität werden gefördert, es können neue Blickwinkel eingenommen sowie Inspirationen für den weiteren Lebensweg gesammelt werden.

Wie wichtig ist Auslandserfahrung für den potentiellen Arbeitsgeber?

Der Wert von Auslandsaufenthalten wird durch Unternehmen übergreifend positiv beurteilt. Vor allem den allgemeinen Kompetenzen, die durch eine Auslandserfahrung gefördert werden, wird eine große Bedeutung beigemessen. Bewerberinnen und Bewerbern mit Auslandserfahrungen werden unter anderem Kompetenzen wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit und soziale Fertigkeiten zugeschrieben.
Außerdem sind die erworbenen Fremdsprachenkenntnisse für viele Unternehmen von Bedeutung. Bei einer deutschlandweiten Befragung von 295 Unternehmen zu wichtigen Zusatzqualifikationen von Hochschulabsolventen ergaben sich Englischkenntnisse als die wichtigste aller Qualifikationen. Und auch sonstige Fremdsprachenkenntnisse wurden von knapp einem Viertel der befragten Unternehmen als Voraussetzung gesehen. Somit fördert ein Auslandsaufenthalt direkt, aber auch indirekt die persönliche Qualifikation und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Neben erster Berufserfahrung und absolvierten Praktika stellt eine Auslandserfahrung für 38 % der Unternehmen eine wichtige Zusatzqualifikation dar.
Darüber hinaus scheint sich ein Auslandsstudium auch rückwirkend positiv auf die Arbeit auszuwirken. Dieser positive Einfluss betrifft vor allem die persönliche Entwicklung, kann sich jedoch ebenfalls auf Einstellungschancen, langfristige Karriereaussichten und Arbeitsaufgaben beziehen.

Welche Angebote gibt es an der Universität Osnabrück?

Das International Office der Universität Osnabrück bietet eine Reihe verschiedener Möglichkeiten für Studierende an, um im Laufe ihrer Studienzeit Auslandserfahrungen zu sammeln. Diese reichen von Unterstützung bei der Organisation von Praktika oder Studium im Ausland bis hin zu einer Fremdsprachenassistenz und verschiedenen Austauschprogrammen, z.B. dem ERASMUS-Programm oder der Summer School.
Um einen Überblick über die unterschiedlichen Optionen zu gewinnen, bietet sich die Teilnahme an einer der regelmäßigen Erstinformationsveranstaltungen zum Auslandspraktikum bzw. -studium an.
Im Rahmen der Vorbereitung auf ein Praktikum im englischsprachigen Ausland wird am Freitag, den 14.12. ein Workshop zum Bewerbungstraining angeboten. Die Anmeldung erfolgt über StudIP.
Außerdem stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des International Office bei Fragen zur Suche, Planung oder Förderung von Auslandsaufenthalten gerne zur Verfügung.

Unser Fazit: Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht, die Studienzeit für einen längeren Auslandsaufenthalt zu nutzen. Die Erfahrungen, die gewonnenen Kenntnisse und die neuen Freundschaften sind wertvoll und bereichernd bis hinein in den Studien- und Arbeitsalltag in der Heimat. Es ist einfach, Unterstützung bei der Organisation und Finanzierung des Auslandsaufenthalts zu bekommen, und in vielen Fällen ist es sogar möglich, sich mit anderen Studierenden auszutauschen und deren Erfahrungen in die eigene Entscheidung einzubeziehen.

Die Verfasserin Leonie Geers ist studentische Hilfskraft im Career Service und hat nach dem Abitur ein Jahr als Au-Pair in Amerika gelebt.

Quellen: Austauschdienst, D. A. (2011). Bachelor und Master auf dem Arbeitsmarkt–Die Sicht deutscher Unternehmen auf Auslandserfahrung und Qualifikation. Bonn: Deutscher Akademischer Austauschdienst.
Staufenbiel Institut. (n.d.). Wie wichtig sind Ihnen bei Absolventen diese Zusatzqualifikationen?. In Statista Das Statistik-Portal. Zugriff am 5. Dezember 2018, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/408614/umfrage/zusatzqualifikationen-von-hochschulabsolventen-in-deutschen-unternehmen/
BMBF. (n.d.). Welchen Einfluss hatte das Auslandsstudium auf ihre Arbeit?. In Statista - Das Statistik-Portal. Zugriff am 5. Dezember 2018, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/74027/umfrage/positiver-einfluss-vom-auslandsstudium-auf-die-arbeit/

CHANCE zum Netzwerken mit Ihrem Wunscharbeitgeber

Schon während des Studiums ist es wertvoll, erste Einblicke in die Praxis des Berufslebens zu bekommen und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern zu knüpfen. Die jährlich zu Beginn des Wintersemesters stattfindende Firmenkontaktmesse CHANCE am 29. und 30. Oktober 2018 an der Hochschule Osnabrück bietet hierzu eine gute Gelegenheit.

Einfach so unvorbereitet über die Messe zu schlendern, ist dabei nicht immer der beste Plan – zumindest nicht dann, wenn Sie ernsthaftes Interesse an einem Praktikum oder einem Berufseinstieg in einem Unternehmen haben.

In zwei Monaten steht Ihr Pflichtpraktikum im Semesterplan und Sie haben noch keinen blassen Schimmer wo und in welchem Bereich Sie Ihr Praktikum absolvieren könnten? Und neben dem Wo? gehen Ihnen vielleicht auch noch viele andere Fragen durch den Kopf: Was kann ich eigentlich richtig gut und was ist mir wichtig? Großkonzern oder kleines bis mittelgroßes Familienunternehmen? Standort Osnabrück oder in die weite Welt hinaus? Welcher Bereich interessiert mich besonders? Und was kann ich damit eigentlich nach dem Studium machen? Sie müssen nicht auf alle diese Fragen eine konkrete Antwort haben, aber Ihnen sollte bewusst sein, wohin die Reise gehen soll. Wenn Sie ein klares Bild davon haben, helfen Ihnen diverse Social Media Kanäle, das Arbeitgeberbewertungsportal „Kununu“, Karriere Websites aber auch der herkömmliche Messekatalog für die Messe CHANCE bei der Recherche, um einen ersten Eindruck von den Unternehmen zu bekommen. Damit ist die Arbeit jedoch noch nicht vollständig getan. Schauen Sie sich bereits im Vorfeld Stellenanzeigen der ausstellenden Unternehmen an, gleichen diese mit Ihrem Profil ab und bereiten Sie Ihren Lebenslauf vor. Dabei gilt „print war gestern, mobil ist heute“. Im Zeitalter der Digitalisierung bevorzugen ein Großteil der Unternehmen die Online Bewerbung, so dass Sie auf der Messe keine Tasche gefüllt mit Bewerbungsmappen dabeihaben müssen.

Die Vorbereitung ist getan - fragt sich, wie es Ihnen nun gelingt gute Kontakte zu interessanten Unternehmen auf der Messe zu knüpfen? Wir empfehlen Ihnen: Seien Sie offen und bleiben Sie authentisch. Das bedeutet auch, dass Sie nicht in Anzug bei der Messe auftauchen müssen. Vermeiden Sie es, in einer Gruppe an die Messestände zu gehen. Erzählen Sie den Unternehmensvertretern von Ihren Studien- und Interessensschwerpunkten und überlegen Sie sich Fragen, mit denen Sie die Personal- und Fachverantwortlichen löchern können. Scheuen Sie sich nicht im Vorfeld Ihre Selbstvorstellung mit Freunden zu üben und sich darüber auszutauschen, was Ihnen bei einem Arbeitgeber eigentlich wichtig ist. Danach können Sie während der Messe gezielt fragen. Es gibt bestimmt noch weitere spannende Themen, bei denen es sich lohnt noch einmal nachzuhaken. Die Firmenkontaktmesse ist eine tolle Möglichkeit, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. Haben Sie ein intensives und gutes Gespräch geführt? Dann haben Sie direkt einen Aufhänger für Ihr Anschreiben bei diesem Unternehmen. Fragen Sie ruhig nach einer Visitenkarte und machen Sie sich im Anschluss kurze Notizen, damit Sie auf angesprochene Themen Bezug nehmen können.

Auch im Nachgang sollten Sie sich noch etwas Zeit nehmen und Ihre Gespräche Revue passieren lassen. Dies versteht sich eigentlich von selbst, wird aber häufig vernachlässigt. Vergleichen Sie die Firmen miteinander und stellen Sie für sich ein Ranking auf. Dabei sollten Sie sich folgende Fragen stellen: Welche Unternehmen haben mich tatsächlich überzeugt und was spricht für sie? Habe ich einen guten Eindruck hinterlassen und kann mich bei einer späteren Bewerbung darauf beziehen? Gibt es gerade eine spannende Position für mich, auf die ich mich bereits jetzt bewerben kann? Wie behalte ich die Unternehmen im Blick, wenn ich noch etwas Zeit bis zur Bewerbung habe? Dabei sind die meisten Antworten auf diese Fragen ganz individuell. Sollten Sie noch ein bisschen Zeit bis zur Ihrer Bewerbung haben, empfehlen wir Ihnen den Firmen auf ihren Social-Media-Kanälen zu folgen, oder sich für bestimmte Job- und Newsletter anzumelden.

Nutzen Sie die CHANCE und lernen Sie Ihren potentiellen Arbeitgeber kennen. Wenn Sie die oben genannten Tipps befolgen, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Weitere Tipps und Tricks zur Vorbereitung auf die Messe geben wir am 16. Oktober 2018 gemeinsam mit dem LearningCenter der Hochschule Osnabrück im Rahmen eines interaktiven Kompaktkurses.

Die Verfasserinnen Miriam Kessel, HR Professional Corporate Recruiting, und Rena Fast, HR Professional Talentmanagement, der HARTING Stiftung & Co. KG, Dept.: Human Resources, werden den Workshop an der Hochschule gemeinsam gestalten.

Wie finde ich last-minute noch einen Praktikumsplatz für die vorlesungsfreie Zeit?

Die Prüfungen sind vorbei, aber die vorlesungsfreie Zeit noch lange nicht. Das ist die Gelegenheit, Einblicke in die Arbeitswelt zu gewinnen und sich um Erfahrungen und Kompetenzen zu bereichern. Was Studierende bei der Suche nach einem kurzfristigen Praktikum beachten sollten und welche anderweitigen Möglichkeiten der Praxiserfahrung die vorlesungsfreie Zeit bietet, haben wir mit Shirin Betzler, Transfermanagerin am Institut für Psychologie der Universität Osnabrück, in einem Interview besprochen.

Career Service: Wie sollte ich vorgehen, um last-minute noch einen Praktikumsplatz zu finden?

Shirin Betzler: Eine systematische Herangehensweise ist in jedem Fall sinnvoll.
Zuallererst sollte man Praktikumssuchmaschinen nutzen (stepstone, praktikum.info, meinpraktikum.de etc.), auf Ausschreibungen über Studierendenverteiler achten oder direkt auf den Websites der Einrichtungen nachschauen, ob eine Stelle ausgeschrieben ist.
Wenn kein Hinweis zu finden ist, dass die Einrichtung kurzfristig sucht, am besten telefonisch anfragen, um abzuklären, ob sich die Mühe einer Initiativbewerbung lohnt.
Hilfreich kann es auch sein, das eigene Umfeld von Freunden, Familie und Nachbarn anzusprechen. Sie können mit einer persönlichen Empfehlung durchaus Türöffner bei dem eigenen Arbeitgeber sein.
Bei aller Spontaneität sollte allerdings auch immer auf die Qualität der Bewerbung geachtet werden. Rechtschreibfehler im Anschreiben oder halb formatierte Lebensläufe kommen nie gut an.

Sollte ich mich auf einen bestimmten Bereich fokussieren und mich zielgerichtet bewerben oder eher breit gefächert suchen?

Das kommt auf den Zeitpunkt im Studium und die Zielsetzung an, die ich mit dem Praktikum verfolge. Möchte ich für mich selbst herausfinden, welcher Bereich zu mir passt und mir einen Überblick verschaffen? Oder weiß ich schon genauer, wohin ich möchte? Dann kann ich natürlich gezielter suchen. In jedem Fall sollte die Wahl des Bereiches und der Stelle später in der Bewerbung gut begründet sein. Wenn sich dann nach dem Praktikum herausstellt, dass der Bereich nicht dem Wunschberufsfeld entspricht, ist das eine wichtige Lernerfahrung.
Außerdem sollte man sich bei der Suche ausreichend Zeit lassen, um verschiedene Ausschreibungen näher zu betrachten oder im Internet ein wenig über die Berufsfelder zu recherchieren. Bei uns am Institut für Psychologie gibt es auch die Möglichkeit, freigegebene Praktikumsberichte von anderen Studierenden einzusehen und von deren Erfahrungen zu profitieren. All diese Möglichkeiten der Information sind wichtige Stützen im Prozess der Praktikumssuche. So kristallisiert sich Stück für Stück ein genaueres Bild über einen interessanten Bereich für ein Praktikum heraus, ohne dass massenhaft Bewerbungen verschickt werden müssen.

Wie finde ich denn überhaupt den Bereich, der zu mir passt?

Neben einer ausführlichen Recherche finde ich es ebenfalls sehr wichtig, die Augen auch fernab von der Praktikumssuche offenzuhalten. Die Uni bietet hier eine Vielzahl von Veranstaltungen, die einem den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Am Institut für Psychologie sind dies Angebote wie die Praxisreihe oder Praxiswerkstatt, also Abendvorträge oder Wochenendworkshops, zu denen berufstätige Psychologinnen und Psychologen aus der Praxis eingeladen werden, um ihr Berufsfeld vorzustellen und mit Studierenden in Kontakt zu treten. Auch andere Formate wie interdisziplinäre Vortragsreihen, Tagungen oder Messen bieten sich an, um  einen Einblick in verschiedene Berufsfelder zu erhalten und erste Kontakte zur Praxis knüpfen, ohne direkt ein ganzes Praktikum absolvieren zu müssen. Diese Möglichkeiten unterschätzen Studierende in meiner Erfahrung eher und es wird dann sehr stark darauf fokussiert, im benötigten Moment das perfekte Praktikum zu finden. Die Suche nach dem eigenen Karriereweg ist aber ein Prozess, der Zeit braucht.

Wie lege ich einen guten Zeitraum für mein Praktikum fest?

Viele Studierende absolvieren ihr Praktikum in den Semesterferien. Dies ist natürlich ein praktischer Zeitpunkt, um Praxiserfahrung zu sammeln. Gegebenenfalls kann es aber auch sinnvoll sein, sich zwischen Bachelor und Master Zeit zu lassen oder am Ende ein Semester länger zu studieren, um einen längeren Zeitraum am Stück für ein Praktikum zur Verfügung zu haben. Meist eröffnen sich dadurch andere Einsatzbereiche oder Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme. Am Ende zählt weniger, ob man in Regelstudienzeit fertig geworden ist und eher, welche weiteren Erfahrungen man gemacht hat. Natürlich ist es in diesem Fall wichtig, ein Praktikum zu finden, das einen fordert und dessen Tätigkeit man sich für mehrere Monate vorstellen kann. Jede und jeder sollte sich damit ganz individuell auseinandersetzen und für sich entscheiden, wie das eigene Studium gestaltet werden möchte.  

Wie wichtig ist es, dass ein roter Faden bei meinen Praktika erkennbar ist?

Generell kommt es gut an, wenn man vergangene Aktivitäten begründen kann und weiß, warum man etwas gemacht hat. Idealerweise ist also ein roter Faden erkennbar. Das heißt jedoch nicht, dass jede Tätigkeit ganz geradlinig auf ein Ziel ausgerichtet sein muss. Offenheit für Neues, vielseitiges Interesse und Flexibilität sind ebenfalls wichtige Qualitäten, die in Bewerberinnen und Bewerbern gesucht werden. Wichtig ist, dass aus jeder Tätigkeit eine „Lessons Learned“ abgeleitet werden und begründet werden kann, inwiefern einen die Erfahrung im Prozess der beruflichen Orientierung weitergebracht hat.

Was kann ich anstelle eines Praktikums noch machen, um die vorlesungsfreie Zeit sinnvoll zu nutzen?

Neben den Angeboten der Universität bieten auch Ehrenamt, Aktivitäten neben dem Studium und Nebenjobs die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen hinsichtlich der Berufsorientierung zu sammeln. Dies gilt vor allem, wenn sie im weitesten Sinne mit dem Berufsfeld in Verbindung stehen oder (Soft) Skills trainieren. Auch Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft können teilweise praxisorientiert ausgerichtet sein, etwa durch die Mitarbeit in bestimmten Projekten, und die Möglichkeit bieten, wertvolle Kontakte zu knüpfen.
Auch bieten Summer Schools eine tolle Möglichkeit, um in einem kurzen Zeitraum in den Semesterferien international unterwegs zu sein und sich fachlich auszutauschen.
Weiterhin gibt es nationale und internationale Tagungen, die auch Studierenden offenstehen.
Durch die Teilnahme an Sprachkursen der Uni oder sonstigen Zusatzangeboten, die z.B. über die KoPro (Anm. CS: Koordinierungsstelle Professionalisierungsbereich) vermittelt werden, können weitere Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen erworben werden. Interessierte Studierende haben so die Möglichkeit, Stück für Stück an ihrem Profil zu feilen und am Ende des Studiums dem Arbeitsmarkt gut qualifiziert zur Verfügung zu stehen.

Shirin Betzler, M.Sc, ist Transfermanagerin am Institut für Psychologie der Universität Osnabrück und koordiniert in dieser Funktion Angebote zum Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Zudem bietet sie Praxisberatung für Studierende des Instituts an.

Wie kann ich im Studium schon meinen späteren Berufserfolg fördern?

Berufserfolg kann auf zwei Ebenen erlebt werden. Objektiver Berufserfolg bemisst sich in Einkommenshöhe oder Status. Subjektiver Berufserfolg äußert sich in gefühlter Zufriedenheit mit der beruflichen Situation. Studien legen nahe, dass es eine Reihe von Einflussfaktoren gibt, mit denen der spätere Berufserfolg gefördert werden kann.

Ein wichtiger Faktor ist das Studium selbst, vor allem die Wahl der Studienfächer sowie die Leistungsbilanz. Bei Berufseinsteigern und -einsteigerinnen mit wenig Praxiserfahrung treffen Personalabteilungen häufig eine Vorauswahl entlang der für eine Stelle als passend eingestuften Studienfächer und der Abschlussnote. Die Studienwahl und ein gewissenhaftes Studierverhalten können sich beim Übergang in die Arbeitswelt entsprechend auszahlen.

Auch Persönlichkeit spielt eine Rolle. Eigenschaften wie Proaktivität, Entscheidungsfreude und eine gute Selbsteinschätzung sowie eine optimistische Grundhaltung werden als erfolgsfördernd beschrieben, ergänzt durch überfachliche Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen. Entwickeln Sie Ihre Persönlichkeit während der Studienzeit weiter, indem Sie, durchaus orientiert am gewünschten Berufsfeld, eigene Stärken stärken und Potenziale heben.

Der Aufbau eines persönlichen Kontaktnetzwerks innerhalb und außerhalb der Universität ist eine wichtige Ressource für den beruflichen Erfolg. Zeit in relevante Praxiserfahrungen zu investieren – über Praktika, Projekte, Nebenjobs oder Ehrenamt – trägt sowohl zum Netzwerkausbau als auch zur persönlichen Weiterentwicklung bei.

Und schließlich sollten Sie schon während des Studiums Mechanismen und Entwicklungen des Arbeitsmarkts beobachten und Kenntnisse über darauf abgestimmte Suchstrategien und Bewerbungstechniken erwerben. In der Bewerbung verdichten Sie Studium, Persönlichkeit und Praxiserfahrungen zu einer überzeugenden Selbstpräsentation. Und welche Arbeitgeber und -geberinnen möchten nicht gern überzeugt werden!

Stefanie Fischer ist Mitarbeiterin des Career Service der Universität Osnabrück und dort zuständig für das Zentrale Angebotsmanagement. Zudem bietet sie Beratung für Studierende an.

Quellen: Eimer, A. (2014): Erreichen Career Services ihre langfristigen Ziele? Versuch einer indirekten Wirkungsanalyse. csp 12/2014, S. 66-76. / Hirschi, A. (2010): Theoretische und empirische Grundlagen der Angebotsplanung des Career Services an der Leuphana Universität Lüneburg. Forschungsbericht Nr. 1.