Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Schon gewusst?

Alle Artikel auf einen Blick

Wie finde ich last-minute noch einen Praktikumsplatz für die vorlesungsfreie Zeit?

Die Prüfungen sind vorbei, aber die vorlesungsfreie Zeit noch lange nicht. Das ist die Gelegenheit, Einblicke in die Arbeitswelt zu gewinnen und sich um Erfahrungen und Kompetenzen zu bereichern. Was Studierende bei der Suche nach einem kurzfristigen Praktikum beachten sollten und welche anderweitigen Möglichkeiten der Praxiserfahrung die vorlesungsfreie Zeit bietet, haben wir mit Shirin Betzler, Transfermanagerin am Institut für Psychologie der Universität Osnabrück, in einem Interview besprochen.

Career Service: Wie sollte ich vorgehen, um last-minute noch einen Praktikumsplatz zu finden?

Shirin Betzler: Eine systematische Herangehensweise ist in jedem Fall sinnvoll.
Zuallererst sollte man Praktikumssuchmaschinen nutzen (stepstone, praktikum.info, meinpraktikum.de etc.), auf Ausschreibungen über Studierendenverteiler achten oder direkt auf den Websites der Einrichtungen nachschauen, ob eine Stelle ausgeschrieben ist.
Wenn kein Hinweis zu finden ist, dass die Einrichtung kurzfristig sucht, am besten telefonisch anfragen, um abzuklären, ob sich die Mühe einer Initiativbewerbung lohnt.
Hilfreich kann es auch sein, das eigene Umfeld von Freunden, Familie und Nachbarn anzusprechen. Sie können mit einer persönlichen Empfehlung durchaus Türöffner bei dem eigenen Arbeitgeber sein.
Bei aller Spontaneität sollte allerdings auch immer auf die Qualität der Bewerbung geachtet werden. Rechtschreibfehler im Anschreiben oder halb formatierte Lebensläufe kommen nie gut an.

Sollte ich mich auf einen bestimmten Bereich fokussieren und mich zielgerichtet bewerben oder eher breit gefächert suchen?

Das kommt auf den Zeitpunkt im Studium und die Zielsetzung an, die ich mit dem Praktikum verfolge. Möchte ich für mich selbst herausfinden, welcher Bereich zu mir passt und mir einen Überblick verschaffen? Oder weiß ich schon genauer, wohin ich möchte? Dann kann ich natürlich gezielter suchen. In jedem Fall sollte die Wahl des Bereiches und der Stelle später in der Bewerbung gut begründet sein. Wenn sich dann nach dem Praktikum herausstellt, dass der Bereich nicht dem Wunschberufsfeld entspricht, ist das eine wichtige Lernerfahrung.
Außerdem sollte man sich bei der Suche ausreichend Zeit lassen, um verschiedene Ausschreibungen näher zu betrachten oder im Internet ein wenig über die Berufsfelder zu recherchieren. Bei uns am Institut für Psychologie gibt es auch die Möglichkeit, freigegebene Praktikumsberichte von anderen Studierenden einzusehen und von deren Erfahrungen zu profitieren. All diese Möglichkeiten der Information sind wichtige Stützen im Prozess der Praktikumssuche. So kristallisiert sich Stück für Stück ein genaueres Bild über einen interessanten Bereich für ein Praktikum heraus, ohne dass massenhaft Bewerbungen verschickt werden müssen.

Wie finde ich denn überhaupt den Bereich, der zu mir passt?

Neben einer ausführlichen Recherche finde ich es ebenfalls sehr wichtig, die Augen auch fernab von der Praktikumssuche offenzuhalten. Die Uni bietet hier eine Vielzahl von Veranstaltungen, die einem den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Am Institut für Psychologie sind dies Angebote wie die Praxisreihe oder Praxiswerkstatt, also Abendvorträge oder Wochenendworkshops, zu denen berufstätige Psychologinnen und Psychologen aus der Praxis eingeladen werden, um ihr Berufsfeld vorzustellen und mit Studierenden in Kontakt zu treten. Auch andere Formate wie interdisziplinäre Vortragsreihen, Tagungen oder Messen bieten sich an, um  einen Einblick in verschiedene Berufsfelder zu erhalten und erste Kontakte zur Praxis knüpfen, ohne direkt ein ganzes Praktikum absolvieren zu müssen. Diese Möglichkeiten unterschätzen Studierende in meiner Erfahrung eher und es wird dann sehr stark darauf fokussiert, im benötigten Moment das perfekte Praktikum zu finden. Die Suche nach dem eigenen Karriereweg ist aber ein Prozess, der Zeit braucht.

Wie lege ich einen guten Zeitraum für mein Praktikum fest?

Viele Studierende absolvieren ihr Praktikum in den Semesterferien. Dies ist natürlich ein praktischer Zeitpunkt, um Praxiserfahrung zu sammeln. Gegebenenfalls kann es aber auch sinnvoll sein, sich zwischen Bachelor und Master Zeit zu lassen oder am Ende ein Semester länger zu studieren, um einen längeren Zeitraum am Stück für ein Praktikum zur Verfügung zu haben. Meist eröffnen sich dadurch andere Einsatzbereiche oder Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme. Am Ende zählt weniger, ob man in Regelstudienzeit fertig geworden ist und eher, welche weiteren Erfahrungen man gemacht hat. Natürlich ist es in diesem Fall wichtig, ein Praktikum zu finden, das einen fordert und dessen Tätigkeit man sich für mehrere Monate vorstellen kann. Jede und jeder sollte sich damit ganz individuell auseinandersetzen und für sich entscheiden, wie das eigene Studium gestaltet werden möchte.  

Wie wichtig ist es, dass ein roter Faden bei meinen Praktika erkennbar ist?

Generell kommt es gut an, wenn man vergangene Aktivitäten begründen kann und weiß, warum man etwas gemacht hat. Idealerweise ist also ein roter Faden erkennbar. Das heißt jedoch nicht, dass jede Tätigkeit ganz geradlinig auf ein Ziel ausgerichtet sein muss. Offenheit für Neues, vielseitiges Interesse und Flexibilität sind ebenfalls wichtige Qualitäten, die in Bewerberinnen und Bewerbern gesucht werden. Wichtig ist, dass aus jeder Tätigkeit eine „Lessons Learned“ abgeleitet werden und begründet werden kann, inwiefern einen die Erfahrung im Prozess der beruflichen Orientierung weitergebracht hat.

Was kann ich anstelle eines Praktikums noch machen, um die vorlesungsfreie Zeit sinnvoll zu nutzen?

Neben den Angeboten der Universität bieten auch Ehrenamt, Aktivitäten neben dem Studium und Nebenjobs die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen hinsichtlich der Berufsorientierung zu sammeln. Dies gilt vor allem, wenn sie im weitesten Sinne mit dem Berufsfeld in Verbindung stehen oder (Soft) Skills trainieren. Auch Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft können teilweise praxisorientiert ausgerichtet sein, etwa durch die Mitarbeit in bestimmten Projekten, und die Möglichkeit bieten, wertvolle Kontakte zu knüpfen.
Auch bieten Summer Schools eine tolle Möglichkeit, um in einem kurzen Zeitraum in den Semesterferien international unterwegs zu sein und sich fachlich auszutauschen.
Weiterhin gibt es nationale und internationale Tagungen, die auch Studierenden offenstehen.
Durch die Teilnahme an Sprachkursen der Uni oder sonstigen Zusatzangeboten, die z.B. über die KoPro (Anm. CS: Koordinierungsstelle Professionalisierungsbereich) vermittelt werden, können weitere Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen erworben werden. Interessierte Studierende haben so die Möglichkeit, Stück für Stück an ihrem Profil zu feilen und am Ende des Studiums dem Arbeitsmarkt gut qualifiziert zur Verfügung zu stehen.

Shirin Betzler, M.Sc, ist Transfermanagerin am Institut für Psychologie der Universität Osnabrück und koordiniert in dieser Funktion Angebote zum Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Zudem bietet sie Praxisberatung für Studierende des Instituts an.

Wie kann ich im Studium schon meinen späteren Berufserfolg fördern?

Berufserfolg kann auf zwei Ebenen erlebt werden. Objektiver Berufserfolg bemisst sich in Einkommenshöhe oder Status. Subjektiver Berufserfolg äußert sich in gefühlter Zufriedenheit mit der beruflichen Situation. Studien legen nahe, dass es eine Reihe von Einflussfaktoren gibt, mit denen der spätere Berufserfolg gefördert werden kann.

Ein wichtiger Faktor ist das Studium selbst, vor allem die Wahl der Studienfächer sowie die Leistungsbilanz. Bei Berufseinsteigern und -einsteigerinnen mit wenig Praxiserfahrung treffen Personalabteilungen häufig eine Vorauswahl entlang der für eine Stelle als passend eingestuften Studienfächer und der Abschlussnote. Die Studienwahl und ein gewissenhaftes Studierverhalten können sich beim Übergang in die Arbeitswelt entsprechend auszahlen.

Auch Persönlichkeit spielt eine Rolle. Eigenschaften wie Proaktivität, Entscheidungsfreude und eine gute Selbsteinschätzung sowie eine optimistische Grundhaltung werden als erfolgsfördernd beschrieben, ergänzt durch überfachliche Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen. Entwickeln Sie Ihre Persönlichkeit während der Studienzeit weiter, indem Sie, durchaus orientiert am gewünschten Berufsfeld, eigene Stärken stärken und Potenziale heben.

Der Aufbau eines persönlichen Kontaktnetzwerks innerhalb und außerhalb der Universität ist eine wichtige Ressource für den beruflichen Erfolg. Zeit in relevante Praxiserfahrungen zu investieren – über Praktika, Projekte, Nebenjobs oder Ehrenamt – trägt sowohl zum Netzwerkausbau als auch zur persönlichen Weiterentwicklung bei.

Und schließlich sollten Sie schon während des Studiums Mechanismen und Entwicklungen des Arbeitsmarkts beobachten und Kenntnisse über darauf abgestimmte Suchstrategien und Bewerbungstechniken erwerben. In der Bewerbung verdichten Sie Studium, Persönlichkeit und Praxiserfahrungen zu einer überzeugenden Selbstpräsentation. Und welche Arbeitgeber und -geberinnen möchten nicht gern überzeugt werden!

Stefanie Fischer ist Mitarbeiterin des Career Service der Universität Osnabrück und dort zuständig für das Zentrale Angebotsmanagement. Zudem bietet sie Beratung für Studierende an.

Quellen: Eimer, A. (2014): Erreichen Career Services ihre langfristigen Ziele? Versuch einer indirekten Wirkungsanalyse. csp 12/2014, S. 66-76. / Hirschi, A. (2010): Theoretische und empirische Grundlagen der Angebotsplanung des Career Services an der Leuphana Universität Lüneburg. Forschungsbericht Nr. 1.