KlangArt 1993
Im Rahmen der KlangArt stellt der Verein Forum Musik & Elektronik mit finanzieller und organisatorischer Hilfe der Stadt Osnabrück und der Universität Osnabrück jeweils das Programm für den Festival-Teil zusammen. Konzerte, Performances und Open-Air-Aufführungen bilden den Kern des künstlerischen KlangArt-Bereichs.
Der von der Universität Osnabrück ausgetragene wissenschaftliche Kongress widmete sich den kulturellen, künstlerischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Folgen und Möglichkeiten der immer wichtigeren Wechselwirkung von Musik und Technik.
| 26. Mai.1993 | OrchesterElektronik (Stadthalle, 19:30)
KlangNacht (Lagerhalle, 22:00)
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| 27. Mai | Live Elektronik & Tape Music I (Marienkirche, 18:30)
Kraftwerk (Stadthalle, 21:00) |
| 28. Mai | Metamorphosen (Alte Kirche Hagen, 19:00)
Live Elektronik & Tape Music II (Schloss-Aula, 19:00)
SuperKlangNacht (Stadthalle, 21:00)
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| 29. Mai | OSmose (Rathaus/Markt, 15:00, Open Air)
WechselStrom (Schlossgarten, 16:30)
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| Mittwoch, 26. Mai 1993 | 19.00 Stadthalle Osnabrück Empfang Feierliche Eröffnung mit Ansprachen Anschließend Konzert (siehe Festival-Programm) |
| Donnerstag, 27. Mai 1993 | 09.15 Schloß-Aula (öffentlicher Vortrag) Michael Harenberg, Gießen-Allendorf Neue Musik durch neue Technik ? Dieser Vortrag verschafft nicht nur dem Fachpublikum einen Überblick über die kulturellen, künstlerischen und musikpraktischen Auswirkungen der neuen Musiktechniken, denn er ist auch als Einführung in die Gesamtthematik des Kongresses für die interessierte Öffentlichkeit geeignet. Dabei geht der Referent nicht nur auf den Status quo des Verhältnisses von Musik und Technik ein, sondern er fragt auch nach den künftig zu erwartenden Entwicklungen.
10.15 Musiksaal Dr. Hansjörg Pauli, Orselina (CH) Neue Technologien - Neue Medien - Neue Musik. Die auditiven und visuellen Medien wie vor allem Film, Radio und Fernsehen haben in diesem Jahrhundert sowohl die Produktion als auch die Rezeption von Musik entscheidend beeinflußt und geprägt. Die bewegte Geschichte dieser Medien und die Folgen für die Musik werden in Form eines Rückblicks anhand von ausgesuchten Hör-, Bild- und Filmbeispielen dargelegt.
10.15 Seminarraum Dr. Uwe Seifert, Universität Hamburg Wissensrepräsentation und Musiktheorie Nicht nur den klassischen Naturwissenschaften, auch der Musikwissenschaft eröffnen sich durch den Einsatz moderner Computersysteme neue wissenschaftliche Methoden bei musiktheoretischen Fragestellungen, vor allem dann, wenn ein kognitionswissenschaftlicher Ansatz zugrunde liegt.
11.30 Musiksaal Luca Francesconi, Assoziazione AGON, Mailand (I) Art Utopia and Electronic Music -The Media War: Quality versus Quantitiy Der Mailänder Komponist Luca Francesconi, dessen Klarinettenkonzert auf dieser KlangArt uraufgeführt wird, versucht für die Zukunft der elektronischen Musik, ja der medienbestimmten Kunst überhaupt, ästhetische Qualitätsmaßstäbe aufzustellen, die einer technisch bedingten Standardisierung von künstlerischen Prozessen entgegenwirken können.
11.30 Seminarraum Dr. Bram Gätjen, Universität zu Köln Auf das Instrumentalistenohr bezogene Klangaufnahmen - eine Möglichkeit zur Gewinnung besserer Samples ? Aus der Sicht des Akustikers stellt Gätjen die zur Zeit vielfach übliche Praxis bei der Gewinnung von Instrumentalsamples in Frage und stellt ein neues Aufnahmeverfahren zur Optimierung des Authentizitätsgrades der digital zu speichernden Klänge vor.
12.30 Musiksaal Gottfried Michael Koenig, Instituut voor Sonologie Den Haag (NL) Über Partitursynthese mit Computern Koenig, der schon früh Kompositionsprogramme entwickelte und einsetzte, stellt den Computer als universales Hilfsmittel zur Ausführung kompositorischer Strategien und Ausarbeitung vollständiger Werke vor. Auch für die musiktheoretische Forschung ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen. Zwei seiner Kompositionen erklingen am Freitagabend im Rahmen der KlangArt-Konzerte.
12.30 Seminarraum Prof. Dr. Jobst Peter Fricke, Universität zu Köln Die digitale Klangsynthese auf der Basis von Impulsfolgen. Gezielt generierte Spektren und ihre Variation im Sinneder Klangfarbengesetze Die Entwicklung von Syntheseverfahren für elektronische Musikinstrumente stagniert zur Zeit. Um so bedeutender ist die Darstellung alternativer und für die künstlerische Anwendung ausreichend flexibler Syntheseprozesse unter konsequenter Berücksichtigung wichtiger Ergebnisse der psychoakustischen Forschung (z.B. Bedingungen der Formantstruktur).
14.30 Musiksaal Prof. Dr. Bernd Enders, Universität zu Köln/ Dr. Helmar Gust, Universität Osnabrück Regelbasierte Generierung musikalischer Strukturen in der KI-Sprache Prolog Hier wird der Versuch unternommen, musikalisches Wissen in einer Weise zu modellieren, wie dies in der KI-Forschung, insbesondere im Bereich der Computerlinguistik, üblich ist. Die Referenten stellen ein Kompositionssystem vor, dessen Berechnungergebnisse via MIDI (hier über ein automatisch spielendes Diskettenklavier) wiedergegeben werden können.
14.30 Seminarraum Prof. Johannes Fritsch, Musikhochschule Köln Live-Elektronische Musik - Musiker und Instrument im Zeitalter der Elektronik Fritsch, der schon früh elektronische Musik komponierte, setzt sich u.a. kritisch mit digitalelektronischen Instrumenten und der Rolle des modernen Musikcomputers in der elektronischen Musik auseinander. Er reflektiert über künstlerische Ausdrucksformen bei live-elektronischen Konzerten. Am Donnerstagabend spielt er seine KompositionViolectrain der Marienkirche.
15.30 Musiksaal Hermann Gottschewski, Universität Freiburg Graphische Darstellung musikalischer Zeit Für die Analyse von Musik ist die Visualisierung akustischer Phänomene durch geeignete Graphiken eine wichtige Hilfe, vor allem dann, wenn eine differenzierte Darstellung musikalischer Zeitstrukturen zur Untersuchung der besonderen Charakteristika einer künstlerischen Interpretation angestrebt wird. Die Hörbeispiele werden mit einem Diskettenklavier realisiert.
15.30 Seminarraum Prof. Walter Heise, Universität Osnabrück Technische Medien und Musikpädagogik - Stationen ihrer Geschichte Ausgangspunkt sind pädagogische Utopien, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts als wirtschaftlich undurchführbar und politisch unerwünscht erwiesen. Der ideologisch abgesicherten "singenden Schule" mußte das Aufkommen von Reproduktionsgeräten als "vom Satan selber" inspiriert erscheinen - eine Einstellung, die bis heute nicht ganz überwunden ist.
16.45 Musiksaal Prof. Dr. Denis Baggi, University of California, Berkeley (USA) Computer Generated Music and the Activity of the New Task Force of the IEEE Computer Society Der Referent ist derzeit Chair der international organisierten Arbeitsgruppe ‚New Taskforce' für computergenerierte Musik, einer ständigen Abteilung des ‚Institute of Electrical and Electronic Engineers - Computer Science'. Er berichtet über den internationalen Forschungsstand zur Computermusik und von den Arbeitsergebnissen der Organisation. |
| Freitag, 28. Mai 1993 | 09.15 Seminarraum Peer Sitter, Universität zu Köln Die Repräsentation von Musik als Grundproblem einer computerunterstützten Musikwissenschaft Die Bereitstellung computergerecht codierter Musik durch neue Techniken der Notenproduktion und das wachsende kommerzielle Angebot an MIDI-Standard-Files eröffnen neue Nutzungsmöglichkeiten des Computers für die musikwissenschaftliche Arbeit am Computer.
10.15 Musiksaal Prof. Helmut Erdmann, Musikhochschule Hamburg Aspekte der analogen und digitalen Live-Elektronik Erdmann, der in der Schloßaula mit eigenen Konzertbeiträgen zu hören sein wird, spricht über seine künstlerischen Vorstellungen vom Live-Einsatz elektronischer Gerätschaften. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Mischformen vom reinen Instrumentalton bis hin zum elektronisch stark verfremdeten Klang.
10.15 Seminarraum Dr. Frank Wankmüller, Universität Mainz Digitale Medien und Informatik Anhand ausgewählter Beispiele zeigt Wankmüller die Bedeutung des Computers in der modernen Medientechnik auf. Neben den mittlerweile bekannten Einsatzfeldern wie etwa Notensatz, MIDI usw. gibt es weitere, für die kulturelle Entwicklung unserer Gesellschaft kaum weniger wichtige Anwendungen, die aus der Sicht des Informatikers sehr anspruchsvoll sind.
11.30 Musiksaal Prof. Dr. Wolfgang Martin Stroh, Universität Oldenburg Das MIDI-Planetarium - Zur Revision harmonikaler Vorstellungen von Sphärenmusik Anhand eines Computerprogramms, das nach einer holografischen Kompositionsmethode arbeitet, versucht der Referent, Hypothesen zur Sphärenmusik musikalisch erfahrbar zu machen. Auf die vom Programm generierten MIDI-Befehle soll der interpretierende Musiker improvisierend Einfluß nehmen.
11.30 Seminarraum Heinrich Taube, Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) Music Composition in Stella and Common Music Der amerikanische Komponist stellt u.a. selbstentwickelte Softwarepakete für NeXT- und MacIntosh-Computer vor, die als Teile einer modernen computerbasierten Kompositionsumgebung komfortable Klang- und Partitursynthesen erlauben.
12.30 Musiksaal Prof. Christoph Hempel, Musikhochschule Hannover Computerunterstützte Gehörbildung: Methodische Konzepte und Vorstellung einiger Programme für den Atari ST Der Referent, der selbst Gehörbildungsprogramme entwickelt hat, informiert über den aktuellen Stand von Gehörbildungsprogrammen für die Atari Computerfamilie und berichtet über Erfahrungen beim Einsatz der Software an Musikhochschulen und Universitäten.
12.30 Seminarraum Christoph Lischka, Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, St. Augustin Media Playhouse - Topik des Imaginären Menschliche Imagination beginnt sich in den Elektronischen Medien einen neuen Bereich ästhetischen Ausdrucks zu erschließen; bislang unbekannte, neue Formen des Imaginären (Virtual Reality, Telepräsenz, Interaktivität) fordern die gemeinsame Auseinandersetzung und Bewältigung durch den Künstler, Techniker und Theoretiker.
14.30 Musiksaal Daniel Teruggi, INA, Groupe de Recherches Musicales, Paris (F) The Technical Developments in INA GRM and their Influences on Musical Composition Der Komponist - zugleich technischer Koordinator und künstlerischer Leiter an dem von Radio-France getragenen, 'Institut National de l´Audiovisuel' - stellt die technische, wissenschaftliche und musikalische Entwicklung an dem seit 1948 existierenden Institut (Stichwort: "musique concrète") vor und bringt ausgesuchte Musikbeispiele von dort entstandenen Produktionen zu Gehör.
14.30 Seminarraum Dr. Stefan Gies, Berlin Einsatzmöglichkeiten des Computers im Musikunterricht der Allgemeinbildenden Schulen Auch wenn der finanzielle Rahmen im allgemeinen eng gesteckt ist und nur eine Minimalausstattung für Schulen zuläßt, können preiswerte MIDI-Computersysteme dennoch pädagogisch sinnvoll und vielseitig im Musikunterricht etwa ab Klasse 9 eingesetzt werden.
15.30 Musiksaal Prof. Dr. Eleanor Selfridge-Field, Center for Computer Assisted Research inthe Humanities (CCARH), Menlo Park (USA) The Music of J. S. Bach: New Paradigms for the Computer Age. Wie generiert man neue Musik in der Sprache alter Komponisten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die amerikanische Professorin und Herausgeberin der international bedeutsamen Buchreihe "Computing in Musicology". Sie erläutert u.a. verschiedene mathematische Ansätze, den Personalstil eines Komponisten mit einem Computerprogramm zu kopieren, um letztlich wissenschaftliche Erkenntnisse über die musiktheoretischen Grundlagen zu erhalten.
17.00 Hasetorkino (öffentlicher Vortrag) Oskar Sala, Berlin Mixtur-Trautonium - Bild, Klang und Film Der 83-jährige Musiker und Komponist führt 16- und 35-mm-Filme aus seinem Privatbesitz vor, die er mit dem legendären Mixturtrautonium vertont hat. Oskar Sala schreibt bereits seit 1930 mit seinem Trautonium elektronische Musikgeschichte. Sein Lebensweg erscheinbt wie eine Retrospektive über die Entwicklung der Rundfunk-, Studio- und Instrumententechnik. |
| Samstag, 29. Mai 1993 | 09.15 Musiksaal Dr. Niels Knolle, Universität Oldenburg Komponieren und Arrangieren mit MIDI-Recording-Programmen im Musikunterricht - Bericht von Unterrichtsversuchen in der Sekundarstufe II Es werden verschiedene methodisch-didaktisch erprobte Konzepte präsentiert und erläutert, die den pädagogisch fruchtbaren Einsatz von handelsüblichen Computern in Verbindung mit MIDI-Technik im Unterricht belegen.
10.15 Musiksaal Dr. Christoph Micklisch, Folkwang-Musikschule Essen MIDI und Computer: Neue Perspektiven an der Musikschule Neben den mittlerweile an zahlreichen Musikschulen praktizierten herkömmlichen Anwendungen des MIDI-Instrumentariums im Unterricht lassen sich auch alternative, stärker auf die Entwicklung und Freisetzung eigener Kreativität zielende Wege beschreiten.
10.15 Schloß-Aula (öffentlicher Vortrag) Dr. Gernot Schulze, München Urheberrecht und neue Musiktechnologien Der Referent gibt eine Einführung in das zur Zeit geltende musikalische Urheberrecht und weist auf neue Probleme und Schwachstellen hin, die sich in letzter Zeit durch moderne Musiktechnologie - Stichwort: Sampling - ergeben haben. Sein Vortrag kann Laien auf diesem Gebiet als Grundlage für die sich gleich anschließende, ebenfalls der Öffentlichkeit zugängliche Podiumsdiskussion dienen.
11.30 Schloß-Aula - öffentliche Podiumsdiskussion "Musik im Recht"- neue Urheberrechtsprobleme durch neue Musiktechniken
Es diskutieren: Christian Bruhn, Komponist, München Prof. Dr. Bernd Enders, Musikwissenschaftler, Universität zu Köln Prof. Dr. Christoph Engel, Medienrechtler, Universität Osnabrück, FB Rechtswissenschaften Dr. Michael Karbaum, Geschäftsführender Direktor der GEMA, München Kristian Schultze, Komponist, Dietramszell Dr. Gernot Schulze, Rechtsanwalt, München
Moderation:Prof. Dr. Christian von Bar, Universität Osnabrück, FB Rechtswissenschaften
Sind eintaktige Drum-Grooves urheberrechtlich geschützt, inwiefern ist ein synthetischer Klang geistiges Eigentum seines Schöpfers, wem gebühren die Tantiemen für einen auf der Grundlage eines Kompositionsprogramms erstellten Song? Diese und viele andere Fragen werden bei der Podiumsdiskussion von Komponisten, Juristen und Wissenschaftlern aufgegriffen und mit Blick auf bestehende Regelungen des Urheberrechts diskutiert.
13.30 Schloß-Aula Abschließendes Pressegespräch mit den Programmdirektoren und Organisatoren der KlangArt |