Informeller Sport: Analysen und Empfehlungen
Benjamin Zander
Worum geht’s?
Ob Fahrradfahren, Frisbee im Park, Fußball auf dem Bolzplatz, der Besuch eines Spielplatzes oder das Skaten in der Fußgängerzone – überall finden sich kleine, aber durchaus bedeutende Orte und Bewegungsformen, die Menschen selbstorganisiert ausüben. Diese eigenständige, oft selbstbestimmte und aus eigener Initiative heraus betriebene Form der Bewegung wird in der sportwissenschaftlichen Literatur häufig unter dem Begriff informeller Sport gefasst.
Damit ist insbesondere eine bestimmte Organisationsstruktur gemeint: weniger regelgeleitet, zwanglos, freiwillig – und somit deutlich abzugrenzen vom formellen Sport, etwa im Verein oder im schulischen Kontext. Informeller Sport ist ein besonderer Sport, weil er nach Bindel (2008) die Ausübung verschiedener Handlungsrollen ermöglicht: das aktive Sporttreiben, das Organisieren von Sportaktivitäten und das Weitergeben oder Vermitteln sportlicher Inhalte. Diese Rollen verschmelzen häufig miteinander und liegen oft bei ein- und derselben Person, die sich – zumindest potenziell – um alle drei Bereiche kümmern muss. In der Praxis zeigt sich allerdings häufig eine gewisse Aufgabenverteilung innerhalb informeller Gruppen: Manche organisieren eher, andere treiben vorrangig Sport oder übernehmen Vermittlungsaufgaben.
Das Besondere am informellen Sport ist, dass diese Handlungsrollen stark in soziale Kontexte eingebettet sind: Die Frage, wo jemand aufwächst, welchen Bildungshintergrund, welches Alter, Geschlecht oder welche finanziellen Mittel eine Person hat, beeinflusst maßgeblich die Möglichkeiten zur Teilhabe. Darüber hinaus – und das ist für den informellen Sport konstitutiv – ist er auf öffentlich zugängliche Räume angewiesen, da er vor allem außerhalb organisierter Strukturen wie Schule oder Sportverein stattfindet. Diese Räume sind also eine zentrale Rahmenbedingung: Sie können informellen Sport ermöglichen – oder eben auch verhindern.
Im Seminar, das wir im Sommersemester 2025 am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück durchgeführt haben, widmeten wir uns besonders der Frage, wie solche Räume gestaltet sein müssen, um die Ausübung informellen Sports und die damit verbundenen Handlungsrollen bestmöglich zu unterstützen. Dabei wurde auch deutlich: Informeller Sport hat keine Lobby. Er ist nicht organisiert, hat keine offiziellen Ansprechpartner und keine Stimme, die in der Politik oder an Schulen laut wird, um beispielsweise die Öffnung von Schulhöfen am Nachmittag zu fordern.
Gerade deshalb erschien es uns wichtig, dem informellen Sport Sichtbarkeit zu verleihen, ihm eine Stimme zu geben und auf seine besonderen Potenziale – insbesondere in der Stadt Osnabrück – aufmerksam zu machen. Ein zentrales Ergebnis des Seminars war: Osnabrück ist in vielerlei Hinsicht gut aufgestellt und bietet Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Möglichkeiten, sich informell zu bewegen. Entscheidend ist dabei auch die Frage, wie diese Angebote tatsächlich zu den Menschen gelangen – also wie auf sie aufmerksam gemacht werden kann.
Die vorliegende Website soll hierzu einen wichtigen, ersten Beitrag leisten. Bitte empfehlen Sie uns weiter. Verlinken Sie uns über QR-Codes in Ihren Materialien. Hier sollen fortlaufend neue Projekte und Arbeiten zum informellen Sport in Osnabrück – und darüber hinaus – entstehen.
Literatur
Bindel, T. (2008). Soziale Regulierung in informellen Sportgruppen. Eine Ethnographie. Czwalina.