Interessenvertretung des informellen Sports in Deutschland (ıdísıd)
Benjamin Zander
Interessenvertretung des informellen Sports in Deutschland (ıdísıd)
Informeller Sport ist – wie der Name schon sagt – eine lose, unstrukturierte Angelegenheit. Gleichwohl gibt es immer wieder Bestrebungen, den sehr verschiedenen informell organisierten Sportformen eine gemeinsame Stimme zu verleihen und ihren geteilten gesellschaftlichen Wert sichtbar zu machen. In 2022 haben Wissenschaftler:innen aus der Sportwissenschaft und angrenzenden Disziplinen hierzu die Interessenvertretung des informellen Sports in Deutschland (ıdísıd) gegründet. Ursprünglich an der Bergischen Universität Wuppertal im Arbeitsbereich Sportpädagogik von Prof. Dr. Eckart Balz angesiedelt ( https://www.sportpaedagogik.uni-wuppertal.de/de/idisid/), ist ıdísıd heute ein standortübergreifendes Netzwerk, das von verschiedenen Akteur:innen aus Wissenschaft und Praxis getragen und dezentral an der Universität Bielefeld von Dr. Christian Hübner koordiniert wird.
Die Arbeiten dieser Interessensvertretung sowie eines interdisziplinären Expert:innenworkshops flossen 2025 in ein Positionspapier „Perspektiven des informellen Sports“ der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) ein. Für die auf dieser Website dargestellten Arbeiten zum informellen Sport ist das Positionspapier besonders relevant: Auf 9 Seiten systematisiert es umfassend die Zugänge zum informellen Sport und macht seine verschiedenen Bedeutungsfacetten sichtbar. Zugleich bietet es eine fundierte Quelle für Informationen und kann z.B. als Grundlage dienen, um den bisherigen Forschungsstand zum informellen Sport zu überblicken (siehe Literaturverzeichnis des Positionspapiers). Zentrale Überschriften / Themenfelder des Positionspapiers sind:
- Einleitung: Informeller Sport ist für fast die Hälfte aller körperlich aktiven Menschen ein zentraler Zugang zu Bewegung. Er leistet einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit, sozialer Teilhabe, Bildung und Lebensqualität – wird politisch und institutionell aber bislang unterschätzt.
- Informellen Sport verstehen: Informeller Sport ist selbstorganisiert, flexibel und von großen Gestaltungsfreiräumen geprägt. Er findet in unterschiedlichsten sozialen Kontexten und Räumen statt und reicht von alltäglichen Bewegungspraktiken bis zu szenekulturellen Sportformen.
- Informellen Sport beforschen: Trotz hoher Verbreitung ist informeller Sport – insbesondere im Erwachsenenalter und jenseits von Trendsportarten – noch unzureichend erforscht. Das Positionspapier plädiert für eine breitere, langfristige und stärker geförderte Forschung.
- Informellen Sport unterstützen: Dieses Kapitel bildet den Kern für Praxis, Politik und Vernetzung und zeigt konkrete Ansatzpunkte auf, wie informeller Sport gestärkt werden kann. Zentrale Handlungsfelder zur Unterstützung des informellen Sports liegen insbesondere in der Gestaltung und Öffnung öffentlicher Räume durch Kommunen, der stärkeren Berücksichtigung informeller Bewegung in Schule und Bildung, der Nutzung informeller Sportsettings in der Sozialen Arbeit sowie in der Einbindung informellen Sports in Prävention und Gesundheitsförderung. Ebenso wichtig sind der direkte Dialog mit informell Sporttreibenden und Szenen, niedrigschwellige Fördermöglichkeiten sowie der Ausbau von Interessenvertretungen und Netzwerken wie ıdísıd, um Sichtbarkeit, Koordination und politische Anschlussfähigkeit zu stärken.
- Informellen Sport stärken – Zehn Empfehlungen: Am Ende werden zehn konkrete, handlungsorientierte Empfehlungen formuliert, die sich an Politik, Kommunen, Bildung, Soziale Arbeit, Gesundheitssystem und Wissenschaft richten.
Auf Basis dieser 5 Kapitel liefert das Positionspapier fundierte Perspektiven für Forschung, Praxis und Politik (siehe ausführlich: https://www.sportwissenschaft.de/fileadmin/pdf/download/2025_Positionspapier_Informeller_Sport.pdf). Die vorliegende Website versteht sich als Beitrag zur Umsetzung dieser Perspektiven: Sie bietet Orientierung, macht Akteur:innen und Aktivitäten sichtbar und unterstützt die Vernetzung von Praxis, Wissenschaft und kommunalen sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen – in Osnabrück und darüber hinaus.
Wer Kontakt zu ıdísıd aufnehmen möchte, kann sich an Dr. Christian Hübner (Universität Bielefeld, christian.huebner@uni-bielefeld.de) wenden.