Einblick in Seminare
Kooperationsprojekt mit dem Hochschulsport Osnabrück
Upcycling von ausgemustertem Sportequipment
Grundlage für das Semesterprojekt ist eine Kooperation mit dem Zentrum für Hochschulsport Osnabrück. Beim Training werden regelmäßig Bälle, Matten, Trikots und Boxhandschuhe aussortiert. Um nachhaltig mit diesen Ressourcen umzugehen ist das Ziel, diese Sportmaterialien durch Upcycling einer neuen Verwendung zuzuführen. Dabei sollen Prototypen entstehen und die Chancen für eine serielle Fertigung, z. B. durch soziale Betriebe recherchiert werden. Darüber hinaus wünscht sich das Zentrum für Hochschulsport für Sportwettkämpfe Ideen für Pokale, Medaillen (z. B. mit textilen Bändern) und Abzeichen. Ein Sportprojekt zum Upcycling von Sportgeräten und zur Produktentwicklung von Prototypen.
Fotos: Lucia Schwalenberg
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Kooperationsprojekt mit dem Tuchmacher Museum Bramsche
Die Handwebstuhlsammlung im Tuchmacher Museum Bramsche
Die Handweberei ist ein zentrales Thema des Tuchmacher Museums Bramsche, der im Zuge der Neugestaltung der Dauerausstellung eine eigene Ausstellungseinheit gewidmet werden soll. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein arbeiteten die Tuchmacher an Handwebstühlen, die im späten 19. Jahrhundert von Webmaschinen abgelöst wurden. Auf den Höfen stellte man bis im 20. Jahrhundert für den Eigenbedarf auf schweren Handwebstühlen aus Eichenholz Bett-, Tisch und Leibwäsche her. Während die Textilindustrie immer leistungsfähigere Webmaschinen einsetzt, sind Handwebstühle in der künstlerischen und kunsthandwerklichen Weberei in der Tradition der Arts and Crafts Bewegung und der Bauhaus-Weberei bis heute das wesentliche Arbeitsgerät. Das Tuchmacher Museum besitzt eine Sammlung von mehr als 20 Handwebstühlen. Die meisten stammen von Höfen aus der Region, einige Webstühle wurden aus Werkstattauflösungen übernommen. Die jüngste Übernahme erfolgte 2024 aus dem Bestand der ehemaligen Handweberei Ter Meulen in Osnabrück. Die Handwebstühle werden im Museumsdepot auf dem Gelände der Stiftung Hof Hasemann bei Bramsche-Achmer restauriert. Zahlreiche Einzelteile müssen zugeordnet werden. Die Dokumentation der Objekte ist lückenhaft. Im Projekt geht es darum, die Webstühle zu dokumentieren. Die Sammlung soll über die Plattform museum-digital publiziert und im Depot zugänglich gemacht werden. Im Seminar erforschen wir die technische Funktion, überprüfen die Vollständigkeit und Einsatzfähigkeit, beschreiben was und wie darauf gewebt werden konnte, ordnen Einzelteile zu, erstellen Fotos und überarbeiten die Inventarkarten. Ein bis drei Webstühle sollen für die Dauerausstellung im Museum ausgewählt und angewebt werden. Die übrigen Webstühle sollen im Depot geordnet und vorführbereit sein.
Foto: Lucia Schwalenberg
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Selbststudium
Um die eigenständige Erarbeitung, Planung und Durchführung textiltechnischer Aufgabenstellungen geht es im Modul Technik und Produktion. Der im Rahmen der neuen Modulordnung erstellte Studieninhalt ist als Selbststudium mit einem begleitenden Kolloquium konzipiert. Selbststudium bezeichnet eine Lernform, bei der sich Lernende allein oder begleitet mit Hilfe von Lernmitteln wie Büchern oder anderen Quellen Wissen aneignen. Im Rahmen der Umgestaltung von Studiengängen kommt dem Selbststudium eine verstärkte Bedeutung zu. Dies ist dem Umstand einer komplexen Welt geschuldet, in der eigenständiges Verstehen und Handeln Voraussetzung für die Überwindung globaler Krisen sind. Die Studierenden präsentierten ihre Ergebnisse in Form einer Popup-Ausstellung. Für die Lehrende Alexandra Wilker gelang es den beteiligten Studierenden erfolgreich, sich auf einen ergebnisoffenen Prozess einzulassen, interessengeleitete Schwerpunkte zu setzen und sich dabei eigenen Lücken bei der Wahl der Aufgabe zu stellen. Die Studierenden thematisierten im Rahmen des Selbststudiums Textiltechniken wie Spinnen, Färben, Stricken, Häkeln, Sticken, Weben, Färben Nähen, Upcycling, Tuften und Filzen. Dabei kamen sowohl digitale wie analoge Technologien zum Einsatz.
Foto: Theresa Veerkamp
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Kooperationsworkshop mit dem Fachverband ... textil ... e. V.
Das Thema „aus ALT werde NEU“ stand im Fokus eines Workshops im Textilen Gestalten. In Kooperation mit dem Fachverband ... textil... e. V. lernten Studierende in handwerklichen Prozessen, ein altes T-Shirt zu Garn zu verarbeiten. Unter Anleitung der ehemaligen Lehrkraft Ruth Fiedler wurden aus dem Garn neue Gebrauchsgegenstände gehäkelt. Der didaktisch-methodische Workshop gab den Lehramtsstudierenden einen Einblick in die zukünftige Tätigkeit als Lehrer:in. Das Textile avanciert zum Medium und gibt praktische und ressourcensparende Anregungen für den eigenen Unterricht.
Foto: Swantje Möhlmann
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Ausstellungsprojekt DRESSED
Kooperation mit der Varusschlacht Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese
In der neuen Prüfungsordnung für den Bachelorstudiengang erarbeiten sich die Studierenden über zwei Semester im Modul Forschen und Präsentieren in wissenschaftlichen Kontextenfachspezifische Themen. Am Ende des ersten Teils steht in Einzel- oder Gruppenarbeit die Entwicklung eines Ausstellungskonzeptes bzw. alternativ eines Publikationskonzeptes. Im zweiten Teil erstellen die Studierenden Exponate, Ausstellungs- und Objekttexte und kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit, Redaktion oder Lektorat. Schließlich beteiligen sie sich Auf- und Abbau der Ausstellung.
Im Sommersemester 2023 kam die Leiterin der Varusschlacht Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese, Heidrun Derks, mit der Frage auf uns zu, ob wir Interesse hätten, das Museum bei der Planung und Durchführung der Sonderausstellung DRESSED zu unterstützen, die im Frühjahr 2024 im ersten Obergeschoss des Besucherzentrums eröffnet werden soll. Das nördlich von Osnabrück gelegene Museum gehört zu den jüngeren Museen in Niedersachsen. Es liegt auf einem Gelände, dem sich die Spuren eines Schlachtfeldes zwischen Römern und Germanen eingeschrieben haben, der sogenannten Varus-Schlacht. Bis heute finden auf dem Gelände archäologische Ausgrabungen statt. Zu den spektakulärsten Funden gehört die eiserne Gesichtsmaske eines römischen Helmes.
Im Fokus der zu planenden Ausstellung unter Leitung von Bärbel Schmidt stand das Thema Kleidung der Römer:innen zur Zeit Augustus. Gleichzeitig sollte die Ausstellung einen Bezug zur Bedeutung von Kleidung und Nachhaltigkeit heute herstellen. Nach der Einarbeitung folgte die Entwicklung eines ersten Konzeptes. Dann ging es darum, die gewählten Themen mit Inhalten zu füllen, Ausstellungstexte und Objektbeschriftungen zu gestalten, Exponate zu sichten und die Ausstellung mit aufzubauen.
Das Modul ermöglicht den Studierenden eine aktive forschende Herangehensweise an kuratorische und gestalterische Arbeiten. Sie erwerben Schlüsselqualifikationen, die hilfreich für ihr späteres Leben als Lehrkraft sind. Für das Textile Gestalten liegen die Vorteile in einer breiteren Profilbildung, einer bildungspolitischen Wahrnehmung und öffentlichen Resonanz.
Foto: Yannick Duda
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Kooperationsprojekt mit dem Botanischen Garten
Botanische Farben
Fachkundiges Wissen über das Färben von Textilien zu vermitteln, war das Ziel des Seminars "Botanische Farben" in Kooperation mit dem Botanischen Garten der Universität Osnabrück. Die Studierenden legten ein eigenes Beet mit Färbepflanzen auf einer Freifläche des Botanischen Gartens an. Begleitet wurden sie dabei von Mitarbeiter:innen des Botanischen Gartens und Lehrenden des Textilen Gestaltens. Ein besonderer Dank geht im Botanischen Garten an Prof. Dr. Nico Dissmeyer, Yvonne Bouillon, Claudia Grabowski-Hüsing und Wilhelm Feldkötter. Der Seminarplan richtete sich nach den Gegebenheiten von Pflanzenwachstum, Blühphasen, Gieß- und Jätplan sowie Wetter.
Aus den Seminarreflexionen der Teilnehmer:innen: "Besonders spannend war das Treffen im Botanischen Garten, bei dem wir Färbeexperimente durchführten. Gemeinsam wurden die Blüten der verschiedenen Färbepflanzen geerntet und anschließend zum Färben verwendet. Es wurde sowohl auf Stoff als auch auf Papier gefärbt. Wir färbten mit dem Hammer, mit den Händen und mit Pulver. Zudem wurden Natron, Soda und Zitrone verwendet. Sowohl von der Durchführung, den Methoden als auch den Inhalten des Seminars war ich begeistert. Besonders beeindruckend war es für mich, die Vielseitigkeit der Färbepflanzen kennenzulernen und mit diesen experimentieren zu können." Catherine Hildebrandt.
Foto: Bärbel Schmidt
Von A wie Avocado bis Z wie Zwiebelschale
Workshop Pflanzenfärben mit Anne Hederer
"Die Farben der Natur" war der Titel eines Workshops zum Pflanzenfärben mit Anne Hederer, Textildesignerin und Werkstattleiterin an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin. In vier intensiven Tagen experimentierten Studierende mit Pflanzen wie Walnuss, Malve, Sonnenhut oder Birke in unterschiedlichen Färbeverfahren. Zunächst hieß es, Pflanzen aus dem eigens angelegten Färbepflanzenbeet im Botanischen Garten der Universität Osnabrück zu ernten. Die Ernte aus dem Botanischen Garten erweiterte Anne Hederer mit einer Schatztruhe voller pflanzlicher Färbemittel. So entstanden tiefe Rottöne aus Krapp, zartes Nude aus Avocado, leuchtendes Gelb aus Sonnenhut oder Birke, warme Brauntöne aus Walnuss und zarte Töne aus Tagetes. Sogar Schwarz als schwierigste aller Färbungen gelang im Experiment. Anne Hederer führte die Studierenden systematisch ein in die Grundlagen der Kalt- und Warmfärbungen, Bundle-Dying und Shibori-Techniken mit faszinierenden Ergebnissen. Die Versuchsreihen galt es in Färbetagebüchern und Messreihen festzuhalten.
Foto: Lucia Schwalenberg
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Figurentheater
Was trägt der Kasperle von heute?
Die Grundlagen des Figurentheaters und seine Besonderheiten bildeten den theoretischen Einstieg in das Seminar "Was trägt das Kasperle von heute?" bei Mareike Alexander. Neben der Geschichte des Figurentheaters ging es um die Darstellungsmöglichkeiten und um eine mögliche Umsetzung im Schulunterricht. Der Leiter des Figurentheaters Osnabrück Florian Rzepkowski nahm an einer der Sitzungen online teil und beantwortete die Fragen der Studierenden. Grundlage für die Entwürfe waren kleine, selbst geschriebene Geschichten, zu denen Figuren und Bilder geschaffen werden sollten, um den Prozess eines Figurentheaters von der ersten Idee, über den Entwurf bis zu einem fertigen Kostümbild zu durchleben. Das Ergebnis zeigte eine Vielzahl verschiedenster Figuren wie Stabfiguren, Handpuppenund Marionetten aus unerschiedlichen Materialien.
Foto: Florian Rzepkowski
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Musterschatz
Textilstudierende entwickeln Gewebe für die historische Beiderwandweberei Meldorf
Die Stiftung Mensch verfügt im Alten Pastorat in Meldorf über eine deutschlandweit einzigartige Beiderwandweberei. Bestandteil der Weberei ist ein historisch gewachsener Musterschatz mit komplexen Jacquardkartenläufen, historischen Webstühlen, Maschinen und Geräten sowie einem Archiv an Gewebezeichnungen und Musterproben. Der Betrieb erfolgt durch die Stiftung Mensch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Handicap. Die Produktion orientiert sich an historischen Vorlagen. Durch den Kontakt mit dem Werkstattleiter, Wolfgang Sternberg, entstand die Idee, mit Studierenden neue, zeitlose Entwürfe für die historische Museumsweberei zu entwerfen. Bereits in vorigen Semestern hatten Studierende Entwürfe entwickelt, beispielsweise für eine Bauhaus-Ausstellung des Tuchmacher Museums Bramsche, für den akademischen Schal der Universität Osnabrück oder für ein Sozialprojekt in Sri Lanka. Wolfgang Sternberg hatte im Zuge der Werkstatt-Restrukturierung im Textilen Gestalten bei der Restaurierung des facheigenen Lochkartenjacquardwebstuhles geholfen. Nun bot sich die Gelegenheit zu einer weiteren Zusammenarbeit - eine kulturhistorische Annäherung an die Beiderwandweberei auf zeitgenössischer Basis.
Instandsetzungsarbeiten an den Geräten ermöglichten seit Kurzem das Schlagen von neuen Kartenläufen in Meldorf. Dies eröffnete die Möglichkeit für das Kooperationsprojekt zwischen der Beiderwandweberei der Stiftung Mensch und dem Fachgebiet Textiles Gestalten der Universität Osnabrück. Angeregt durch die historischen Motive, die in Stand gesetzte Technik und die ursprünglich intendierte Museumspraxis, in der Werkstatt neue Muster zu entwickeln, machten sich die Studierenden an die Arbeit. Ziel war es, zeitlose, geometrische Muster zu entwickeln, die sich mit überschaubarem Aufwand in Jacquardkartenläufe umsetzen lassen könnten. Die aufwändigen historischen Kartenläufe erfordern Tausende von Jacquardkarten, die Karte für Karte geschlagen und zu einem Lauf zusammengenäht werden müssen. Zur praktischen Umsetzung sollten Muster entwickelt werden, die mit ein- bis zweihundert Jacquardkarten im Werkstattbetrieb der Stiftung Mensch umsetzbar sein könnten.
Foto: Lucia Schwalenberg
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