Stichpunkt

Blick auf die Schaufenstergalerie Stichpunkt
© Lucia Schwalenberg

Informationen und Kontakt

Die Stichpunkt ist eine Schaufenstergalerie des Textilen Gestaltens in der Seminarstraße 33-34 in Osnabrück. Das Fachgebiet präsentiert hier in wechselnden Ausstellungen Projekte aus ausgewählten Seminaren und Prüfungsarbeiten von Studierenden. Die Bandbreite reicht von Frida Kahlo über Pflanzenfärbungen bis zu Junk Couture.

Weitere Informationen: Bärbel Schmidt,  baerbel.schmidt@uni-osnabrueck.de

Foto: Lucia Schwalenberg

-----

Gruppenbild Studierende aus dem Junk Couture Projekt
© Timos Zdoupas

Junk Kouture - made in Osnabrück

Studierende präsentieren Ergebnisse des Seminars Junk Kouture. Für eine Schaufensterpräsentation arbeitet das Textile Gestalten mit der Marketing Osnabrück GmbH zusammen. Die Arbeiten aus dem Seminar bei Anke Beccard sind in der Osnabrücker Theaterpassage zu sehen. Die Anregung zum Seminar stammt aus Irland. Junk Kouture kann an einigen irischen Schulen von Schüler:innen im Alter von 13 bis 18 Jahren neben den Standardfächern gewählt werden. Die Schüler:innen entwerfen und nähen ein Haute-Couture-Kleidungsstück aus wiederverwertbaren Materialien, die sie gesammelt haben. Die Entwürfe werden von einer Fachjury bewertet. Die Entwürfe werden im Finale in Dublin präsentiert und im Fernsehen übertragen. Die Performance spielt neben dem Design und der handwerklichen Ausführung eine wichtige Rolle. Junk Kouture breitete sich seither bis New York, London, Paris und Abu Dhabi aus.

Nach einer Einführung der Studierenden ging es im Seminar darum, recycelbares Material zu sammeln. Neben der Auseinandersetzung mit Konsum lag ein Schwerpunkt darauf, alternative Materialien zu verarbeiten, wie Papier, Plastik, Fahrradschläuche, Aluminiumdosen oder Kaffeeverpackung. Junk Kouture bietet Schulen die Möglichkeit, Kreativität praktisch einzusetzen. Die Teilnehmer:innen setzten sich mit Kreislaufwirtschaft auseinander und wendeten das Gelernte an. Vor der Schaufensterpräsentation in der Osnabrücker Innenstadt präsentierten die Studierenden ihre Kreationen bei einer Modenschau im Innenhof des Textilen Gestaltens. Die Modelle regen dazu an, die Idee der Junk Kouture an deutschen Schulen als Bildungsangebot in gestalterischen Fächern zu etablieren. 

Foto: Timos Zdoupas

-----

Studierende bei der Eröffnung der Frida Kahlo Ausstellung vor der Galerie Stichpunkt
© Lucia Schwalenberg

Die Kunst, sich selbst zu tragen: Fridas Kleiderschrank

Frida Kahlo ist berühmt für ihre Selbstbildnisse in voluminösen Röcken, bestickten Blusen und Accessoires. Nach ihrem Tod verfügte ihr Ehemann Diego Rivera, ihre Privaträume 50 Jahre zu verschließen. 2004 wurde ihre Kleiderkammer geöffnet mit mehr als 200 farbenprächtigen, teilweise ethnischen Kleidungsstücken, orthopädischen Korsetts, Haarbändern und Schmuck. Im Rahmen des Seminars Fridas Kleider im Modul Forschen und Präsentieren setzten sich Studierende intensiv mit der Kleidung von Frida Kahlo auseinander. Die Ausstellung in der St!chpunktgalerie präsentiert Einblicke in die ArbeitEin Dank geht an die beteiligten Studierenden und an die Unterstützung bei den Tischlerarbeiten durch den Universitätstischler Jürgen Menkhaus und bei der Technik beim IT-Support der Universität, Markus Tiesmeyer. Die Leitung des Semiars lag bei Christine Löbbers und Lesley-Ann Baldwin.

Foto: Lucia Schwalenberg
-------

Seitenansicht eines upgecycelten Sessels
© Anja Leshoff

Locker vom Hocker

Die Galerie St!chpunkt des Textilen Gestaltens zeigt Objekte von Studierenden aus dem Seminar Locker vom Hocker. Die Exponate entstanden unter der Leitung des Raumausstattermeisters Klaus Schmidt unter Mitarbeit des Tischlermeisters der Universität Osnabrück, Jürgen Menkhaus. Neun Studierende standen nach einer Einführung in die Theorie des Designs vor der gestalterischen, technischen und handwerklichen Herausforderung, individuelle Hocker zu entwerfen. Zur Aufgabenstellung gehörte es, Modelle zu konstruieren und den Entwurf in Originalgröße auszuführen. Außerdem sollte der Hocker mit der Handwerkstechnik des Polsterns ästhetisch aufgewertet werden. Die Polsterstoffe spendete dankenswerterweise der Bielefelder Textilverlag JAB ANSTOETZ. 

Foto: Anja Leshoff. 

-------

Nahaufnahme von Zubehör für Occhi-Arbeiten
© Anja Leshoff

Occhi

Die Ergebnisse einer Kooperation des Textilen Gestaltens mit der Draiflessen Collection mit Occhi-Arbeiten von Studierenden zeigt die Schaufenstergalerie Stichpunkt. Occhi ist eine fast vergessene textile Technik, bei der Spitzen mithilfe eines auf einem Schiffchen aufgewickelten Fadens gebildet werden. Wie wurde Occhi ursprünglich hergestellt? Auf welche historischen Quellen können wir zurückgreifen, wenn wir Occhi wiedererlernen wollen? Und wie können Occhi-Spitzen zeitgemäß interpretiert werden? Diese und andere Fragen stellten sich die Studierenden während der Recherche zu diesem Thema und nicht zuletzt beim Anfertigen ihrer Arbeiten. Die Leitung des Seminars lag bei Christine Löbbers. Ein großer Dank geht an Maria Spitz von der Draiflessen Collection für die Begleitung und an die studentischen Mitarbeiterinnen Anja Leshoff und Daria Ivanov für die Unterstützung. Zum Projekt entstand eine Broschüre, s.  Publikationen.

Foto: Anja Leshoff.

-------

Nahaufnahme von pflanzengefärbten Textilien
© Lucia Schwalenberg

Farben der Natur

Die Galerie St!chpunkt zeigt Arbeiten von Studierenden aus einem Seminar unter der Leitung der Textildesignerin Anne Hederer. Der Kurs bot einen Einstieg in die Welt des Pflanzenfärbens. Die Studierenden beschäftigten sich mit der Bestimmung von textilen Fasern und deren Vorbereitung zum Färben, mit den Färbepflanzen und dem Erstellen von Farbbädern, dem Färben selbst und dem Nuancieren von Tönen. Gefärbt wurde mit Pflanzenfarben, die aus dem Färbegarten des Textilen Gestaltens im Botanischen Garten stammen. Ein großer Dank geht an alle Mitarbeiter:innen des Botanischen Gartens für die Unterstützung und an Anne Hederer für ihre inspirierende Kursleitung.

Foto: Lucia Schwalenberg

-------

Blick in die Gedenkausstellung Hiltrud Schäfer in der Galerie Stichpunkt
© Anja Leshoff

In memoriam: Hiltrud Schäfer

Gedenkausstellung in der Galerie St!chpunkt

Am 16. Januar 2023 verstarb unsere langjährige Kollegin, die Textilkünstlerin Hiltrud Schäfer, im Alter von 85 Jahren nach einem Leben voller Schaffenskraft. Wir sind dankbar für die Erinnerung an ihren Beitrag zur zeitgenössischen Textilkunst mit unzähligen, spannenden und inspirierenden Lehrveranstaltungen für unsere Studierenden, so die Ausstellung bücher sätze zeichen oder eine Bauhaus-Ausstellung mit Studierenden und Lehrenden im Tuchmacher Museum Bramsche. Die gezeigten Papierkleider von Hiltrud Schäfer geben einen Einblick in ihr textilkünstlerisches Schaffen. Teile der Papierkleidsammlung entstanden zum 100jährigen Bauhaus-Jubiliäum in Zusammenarbeit mit Studierenden. Die Exponate zeigen den freien Materialansatz und die skulpturale Herangehensweise Hiltrud Schäfers und ihre Lust am Experiment. Wir danken den Angehörigen und Studierenden für die Leihgaben aus Hiltrud Schäfers textilkünstlerischem Nachlass.

Foto: Anja Leshoff

-------

Nahaufnahme eines handgetufteten Exponats in Blau-Grün-Tönen
© Lucia Schwalenberg

Under the sea

Die Grundlagen des Tuftens erarbeiteten sich Studierende im Seminar “Under the sea“ mit Anja Leshoff und Lucia Schwalenberg. Tuften kommt vom englischen Wort tuft, deutsch Büschel. Als florbildende textile Technik, stellt es eine Alternative zum Knüpfen dar. Dabei wird das Garn in ein Trägermaterial eingebracht, das in einen Rahmen eingespannt ist. Dies kann sowohl per Hand als auch mit einer Maschine geschehen. Als maschinelles Verfahren wurde es in den 1940er-Jahren in den USA entwickelt und ist seit den 1950er-Jahren für die Teppichindustrie in Deutschland in Gebrauch. Aufgrund der Gestaltungsfreiheit ist Tuften eine Technik, die auch in der Textilkunst Anwendung findet. Das Textile Gestalten verfügt über eine Anlage zum Tuften von bis zu 1,20 x 2,20 m großen Teppichen. Die Einführung in das Teppichtuften dient dazu, Textilstudierenden exemplarisch handwerkliche und industrielle textile Verfahren näher zu bringen. Im Seminar Under the sea wurde in Anlehnung an die portugiesische Textilkünstlerin Vanessa Barragao gearbeitet. Sie fertigt aus Garnresten und Überproduktionen der Textilindustrie Exponate, die an Unterwasserlandschaften erinnern. Im Seminar wurden Ideen entwickelt und in Moodboards und Skizzen festgehalten. Neben individuellen, kleinformatigeren Arbeiten entstand ein großformatiges Gemeinschaftswerk in Farbtönen von Meer und Algen.

Foto: Lucia Schwalenberg

-------

Ausstellungsansicht Hohe Schneiderkunst in der Schaufenstergalerie des Textilen Gestaltens
© Anja Leshoff

Hohe Schneiderkunst

Die Ausstellung HOHE SCHNEIDERKUNST in der Galerie Stichpunkt zeigt die Ergebnisse einer Kooperation des Fachgebietes Textiles Gestalten mit der Draiflessen Collection Mettingen. In zwei Seminaren arbeiteten Studierende zum Thema. Im Seminar „Vom schrägen Fadenlauf zum klassischen Tailleur“ bei Christine Löbbers ließen sich Textilstudierende von Couturières wie Madame Grès, Madeleine Vionnet, Christian Dior und Cristóbal Balenciaga inspirieren. Sie fertigten nach detaillierter Recherche eigene Entwürfe an. Sie experimentierten, ahmten Techniken nach und erprobten handwerkliche Finessen an ihren Kleidungsstücken. Diese wurden in einer Ausstellung im Forum der Draiflessen Collection Mettingen neben den Originalen der Designer*innen gezeigt. Die Konzeption der Ausstellung wurde im zweiten Seminar „Hohe Schneiderkunst - 4 Modeschöpfer*innen - 4 Kleider - 4 x 4 Studierende“ unter museumspädagogischen Aspekten bei Maria Spitz erarbeitet. Die Schaufenstergalerie zeigt wechselnde Ausschnitte der Ausstellung.

Foto: Anja Leshoff

-------

Nahaufnahme eines Mantels
© Wolfgang Sparenberg

Erzählstoff

Erzählstoff lautet der Titel einer neuen Ausstellung in der Schaufenstergalerie. Studierende präsentieren ihre Erkenntnisse aus einem Seminar zur Objektrecherche, das in Anlehnung an eine Kooperation mit dem Textile Research Centre Leiden stattfand. Die Leitung des Seminars lag bei Bärbel Schmidt. Im Seminar untersuchten die Studierenden die Textilien anhand der Mind in Matter-Methode von Jules David Prown. Die Methode bietet ein Instrumentarium zur wissenschaftlichen Erforschung u. a. von Textilien. Ziel der Forschung ist die Frage, welche Geschichten diese stummen Bekleidungsstücke erzählen können. Innerhalb des Seminares analysierten die Studierenden jeweils ein Kleidungsstück ihrer Wahl aus dem Textilarchiv des Fachgebietes. Die untersuchten Kleidungsstücke und die Ergebnisse der Analysen zeigen die Studierenden in der Ausstellung.

Foto: Wolfgang Sparenberg

------

Nahaufnahme von Beiderwandgewebeproben
© Lucia Schwalenberg

Musterschatz

Die Stiftung Mensch verfügt im Alten Pastorat in Meldorf über eine deutschlandweit einzigartige Beiderwandweberei. Bestandteil der Weberei ist ein historisch gewachsener Musterschatz mit komplexen Jacquardkartenläufen, historischen Webstühlen, Maschinen und Geräten sowie einem Archiv an Gewebezeichnungen und Musterproben. Der Betrieb erfolgt durch die Stiftung Mensch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Handicap. Die Produktion orientiert sich an historischen Vorlagen. Durch den Kontakt mit dem Werkstattleiter, Wolfgang Sternberg, entstand die Idee, mit Studierenden neue, zeitlose Entwürfe für die historische Museumsweberei zu entwerfen. Bereits in vorigen Semestern hatten Studierende Entwürfe entwickelt, beispielsweise für eine Bauhaus-Ausstellung des Tuchmacher Museums Bramsche, für den akademischen Schal der Universität Osnabrück oder für ein Sozialprojekt in Sri Lanka. Wolfgang Sternberg hatte im Zuge der Werkstatt-Restrukturierung im Textilen Gestalten bei der Restaurierung des facheigenen Lochkartenjacquardwebstuhles geholfen. Nun bot sich die Gelegenheit zu einer weiteren Zusammenarbeit - eine kulturhistorische Annäherung an die Beiderwandweberei auf zeitgenössischer Basis. Instandsetzungsarbeiten an den Geräten ermöglichten seit Kurzem das Schlagen von neuen Kartenläufen in Meldorf. Dies eröffnete die Möglichkeit für das Kooperationsprojekt zwischen der Beiderwandweberei der Stiftung Mensch und dem Fachgebiet Textiles Gestalten der Universität Osnabrück. Angeregt durch die historischen Motive, die in Stand gesetzte Technik und die ursprünglich intendierte Museumspraxis, in der Werkstatt neue Muster zu entwickeln, machten sich die Studierenden an die Arbeit. Ziel war es, zeitlose, geometrische Muster zu entwickeln, die sich mit überschaubarem Aufwand in Jacquardkartenläufe umsetzen lassen könnten. Die aufwändigen historischen Kartenläufe erfordern Tausende von Jacquardkarten, die Karte für Karte geschlagen und zu einem Lauf zusammengenäht werden müssen. Zur praktischen Umsetzung sollten Muster entwickelt werden, die mit ein- bis zweihundert Jacquardkarten im Werkstattbetrieb der Stiftung Mensch umsetzbar sein könnten. Ergebnisse der Kooperation zeigt die Schaufenstergalerie des Textilen Gestaltens. 

Foto: Lucia Schwalenberg

------

Studierende mit Streetart-Mantel
© Anja Leshoff

Street-Art wird zu Kleider-Kunst

Braucht Streetart-Malerei eine kalte Wand oder lässt sich die Wirkung auch auf einem Trägermaterial erzielen, welches in vielen Punkten das Gegenteil von Stein und Beton ist?  Welche Techniken lassen sich nutzen, um eine ähnliche Bildsprache zu erzielen? Diesen Fragen stellte sich die Textilstudierende Anja Leshoff in ihrem praktisch-methodischen Projekt. In ihrer Prüfungsleistung untersuchte sie, ob sich bildnerische Aspekte der Streetart-Malerei in einer angepassten Technik auf ein textiles Kleidungsstück transferieren lassen, ohne dabei ihre Wirkung und die Aussage zu verlieren. Nach der Auseinandersetzung mit den Facetten der Streetart-Malerei erstellte Anja Leshoff ein Wandbild auf einer Hauswand, das mit textilen Techniken auf einen Mantel übersetzt wurde. Bildnerische Mittel sollten übernommen und an das neue Material angepasst werden. Das Ziel war es festzustellen, ob beide „Bildträger“ (Wand und Mantel) die gleiche Wirkung haben oder ob Streetart-Malerei ausschließlich auf Wänden funktioniert. Die Ergebnisse zeigt die Galerie St!chpunkt.

Foto: Anja Leshoff

-------

Studierende in einem geschlechtsneuralen Kleidungsstück
© Jessica Kirschmann

Weiblich - männlich - divers

Die Ausstellung weiblich - männlich - divers: Ein Unisex-Kleidungsstück, das (Gender-) Grenzen sprengt, zeigt das Textile Gestalten in der Schaufenstergalerie St!chpunkt. Unter Leitung von Annette E. Schneider beschäftigten sich Studierende mit gesellschaftlichen Konventionen und deren Auflösung durch individuelle und geschlechtsspezifische Bedürfnisse in einer pluralistischen Gesellschaft. Nach einer Recherchephase entwickelten die Studierenden in Gruppenarbeit ein Unisex-Kleidungsstück. Reflektionen zu Fragen von Schutz und menschlichen Begrenzungen flossen ein. Für das von der Entwurfszeichnung, über die Schnittkonstruktion und den Zuschnitt bis zur Fertigung entstandene Kleidungobjekt wurde eine Fotostrecke konzipiert und realisiert. Diese visualisiert sowohl die genderübergreifenden Möglichkeiten, als auch die Komplexität und Flexibilität des Objektes, das sich den Bedürfnissen unterschiedlichster Träger:innen und Situationen anpasst. Dies ermöglicht die freie Nutzung jenseits tradierter Konventionen.

Foto: Jessica Kirschmann

-----

Nahaufnahme eines weißen Kleidungsstücks mit einem roten Fleck
© Lisa Verheyden

Kleidung als Erfahrungsort

Die Ausstellung „Kleidung als Erfahrungsort“ präsentiert das Textile Gestalten  in der Galerie St!chpunkt. Kleidung ist der uns unmittelbar umgebende Raum, in dem wir leben. Das darin Erlebte bleibt als Erfahrung oder als sichtbare Spur haften. Derart „markierte“ Kleidungsstücke sind Sammelstelle und Konzentrat von existentiellen oder beiläufigen Erlebnissen: Kleidung wird zum „Erfahrungsort“. Das Hemd in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen - ob Unterhemd, Nachthemd, Erstlingshemd, Taufhemd oder Sonntagshemd - ist unserem Körper am nächsten und begleitet uns durch das gesamte Leben. Es ist prädestiniert als „Erfahrungsort“. Ausgehend von individuell Erlebtem stellten Studierende unter Anleitung von Annette E. Schneider Grundformen von Hemden her. Danach wurden die selbstgefertigten Stücke getragen und die darin gemachten oder erinnerten Erlebnisse dokumentiert. Diese Spuren auf der Kleidung wurden durch Nachbearbeitung intensiviert und bewusst gemacht. In einer abschließenden Phase wurden alle Hemd-Objekte in Teamarbeit zu einer Installation zusammengesetzt.

Foto: Lisa Verheyden

-------

Nahaufnahme eines Blaudruck-Musterbuchs
© Bärbel Schmidt

Weltkulturerbe Blaudruck und Stipwerk

Der Blaudruck in Deutschland ist in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen worden. Im Frühjahr 2018 gelang es dem Blaudrucker Georg Stark aus Jever Gelder einzuwerben für eine kooperative Wanderausstellung zum Blaudruck und zum holländischen Stipwerk, das auf der niederländischen Weltkulturerbeliste verzeichnet ist. Die Arbeiten von Textilstudierenden zu diesem Thema sind in der Galerie St!chpunkt zu sehen. Mitte 2018 trat Georg Stark mit dem Anliegen, Exponate für ein junges Publikum zu kreieren, an das Textile Gestalten heran. Im Wintersemester 2018/19 setzten sich Studierende unter der Leitung von Bärbel Schmidt und Christine Löbbers im Seminar „Weltkulturerbe: Blaudruck und Stipwerk“ mit den beiden historischen Handwerkstechniken auseinander. Sie entwickelten Motive, die der Blaudrucker nach den Wünschen der Studierenden herstellte. Die Niederländer versorgten die Studierenden mit Stipwerk-Stoffen. Der Wertigkeit der Stoffe bewusst, entwickelten die Studierenden im Zero Waste Verfahren Objektideen für kleinste Stoffstücke, um die wertvollen Textilien vollständig zu verarbeiten. Nach den Präsentationen im Textile Research Centre in Leiden und der Blaudruck-Werkstatt in Jever sind die studentischen Arbeiten gemeinsam mit Arbeiten des Stoffdruckers in der Galerie St!chpunkt zu sehen. 

Foto: Bärbel Schmidt

 -------

Nahaufnahme von abgelegten gebrauchten Jeans
© Lucia Schwalenberg

Bluejeans: Mythos oder Marketing

Die Bluejeans gehörten 1968 nicht unbedingt zum Outfit politischer Aktivisten, auch wenn die Werbung sie Jahre später zur ‘Revoluzzerhose’ machte. Die Protagonisten der Protestbewegung waren eher konventionell gekleidet. Erst in den 70er Jahren wurden die Bluejeans für viele Jugendliche zum begehrten Kleidungsstück, mit dem sie sich gegen enge, bürgerliche Konventionen ihrer Zeit auflehnen wollten. Heute sind die Bluejeans weltweit Massenware. In der Osnabrücker Innenstadt tragen an manchen Tagen bis zu 70% der Passantinnen und Passanten eine Bluejeans. Was bringt so viele Menschen in unserer augenscheinlich individualisierten Welt zu dieser freiwilligen Uniformierung? Gehen sie der Jeanswerbung auf den Leim, die Bluejeans mit alten Klischees und neuen Details zum modischen Dauerbrenner macht? Oder entscheiden sich viele Menschen einfach nur für unempfindliche, strapazierfähige Hosen, die zu allem passen? Die englischen Anthropologen Sophie Woodward und Daniel Miller kommen auf Grund einer Fallstudie in London zu einem ganz anderen Schluss. Sie sehen Bluejeans heutzutage vor allem als ein ‚neutrales’ Kleidungsstück, dass es erlaubt, unauffällig und unerkannt in der Masse unterzutauchen. Eine interessante These angesichts einer unsicher gewordenen Welt und Menschen voller Zukunftsängste, in der ein persönliches Statement höchstens noch auf Instagram gewagt wird und Provokationen schnell gefährlich werden können. Eine Auseinandersetzung von Studierenden mit diesem Thema zeigt die Schaufenstergalerie des Textilen Gestaltens.

-------