Studium & Lehre
Seminar: Archäologie des frühen Christentums in den Alpen- und Nordwestprovinzen
Nachdem sich christliche Gemeinden noch zu Beginn des 4. Jahrhunderts Repressionen in Form von Verfolgungen und Gottesdienstverboten ausgesetzt sahen, änderte sich die ablehnende Haltung des Römischen Staates zum Christentum in den Folgejahren fundamental. Die so genannte Mailänder Konvention von 313 gestattete reichsweite Religionsfreiheit, Kaiser Constantinus I agierte in der Folge als Bauherr wichtiger Kirchen. Im Seminar begeben wir uns auf Spurensuche nach archäologischen Befunden und Funden, die in Zusammenhang mit dem Nachweis christlicher Personen, Bevölkerungsgruppen und Gemeinden diskutiert werden. Der zeitliche Rahmen reicht vom späten 3. bis ins 7. Jahrhundert, was auch die Nachfolgereiche bis zu deren Einvernahme in das karolingische Imperium mit einschließt. Immer wieder trifft man dabei also auch auf Grundprobleme der Archäologie der Spätantike, wie die Frage nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Geographisch fokussiert die Veranstaltung auf die Alpen- und Nordwestprovinzen.
Untersucht wird die Sakraltopographie römischer Städte, Verwaltungs- und Bischofssitze wie Trier, Köln und Genf. Wir beschäftigen uns mit der Relevanz von Kleinfunden mit christlicher Symbolik für den Nachweis christlicher Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen. Ausführlich besprochen werden die Befunde wichtiger Sakralbauten in ihrer Entwicklung: wie kann im archäologischen Befund der Nachweis einer Kirche geführt werden? In Gräberfeldern und im Formular von Grabinschriften kommen wir den antiken Menschen sehr nahe. Dabei ist quellenkritisch zu hinterfragen, ob eine „christliche“ Bestattung von einer altgläubigen unterschieden werden kann und ob sich veränderte Jenseitsvorstellungen in Grabriten wiederspiegeln müssen. Unterschiede zwischen Stadt und Land sollen untersucht werden: fassen wir Zerstörungen in Heiligtümern nach dem Verbot der heidnischen Kultausübung oder sind gerade in ländlichen Gebieten alte Vorstellungen noch viel länger tradiert worden?
ab Dienstag, 07.04.2026 14:00 - 16:00; 15/134
Proseminar: Archäologie der Heiligtümer und Götterverehrung in den Römischen Provinzen
Seit der Frühzeit der Provinzialrömischen Archäologie spielt die Erforschung römerzeitlicher Heiligtümer eine wesentliche Rolle im Fach: Vor 100 Jahren begannen die Ausgrabungen im großen Trierer Tempelbezirk im Altbachtal, mit grundlegenden Ergebnissen für unsere Kenntnis römerzeitlicher Heiligtümer und der Vermischung von einheimischen und römisch-/italischen Kulten.
In den Römischen Provinzen ist die Erforschung von Religion und Heiligtümern ein weites Forschungsfeld, das man mit unterschiedlichen Ansätzen bearbeitet. Das Proseminar vermittelt einen Überblick über die wichtigsten römerzeitlichen Heiligtümer und Kulte in den Provinzen, mit einem Schwerpunkt auf den Regionen nördlich der Alpen. Dabei werden verschiedene Aspekte gemeinsam erarbeitet: Wie lebten einheimische Götter und Kulte in der Römerzeit fort, wie integrierte man diese in römische Glaubensvorstellungen? Was verraten uns archäologische Funde und die antiken Bauten über die Götterverehrung der antiken Menschen?
Der chronologische Rahmen reicht dabei von der Einführung des Kaiserkultes in den Nordwestprovinzen bis zum Aufkommen der orientalischen Kulte und dem Nachweis der letzten altgläubigen Personen in der Spätantike.
ab Dienstag, 07.04.2026 08:00 - 11:00; 02/E05
Übung: Grundlagen archäologischer Stratigraphie- und Befundauswertung
Täglich erbringen archäologische Ausgrabungen neben zahlreichem Fundmaterial auch laufend neue Befunde zutage. Mit Befunden gemeint sind Reste von Mauern, Gruben unterschiedlicher Funktion, Schichten (Planierungen, Gehhorizonte), Erdverfärbungen und andere Zeugnisse einstiger menschlicher Präsenz. Während der Arbeit im Feld werden diese Befunde nach einem bestimmten Schema dokumentiert (Fotos, Zeichnungen, digitale Dokumentationstechniken, Beschreibungen). Die Dokumentation ermöglicht die spätere Deutung und Auswertung der Befunde mit dem Ziel, die einstigen Abläufe an einer Fundstelle bestmöglich zu rekonstruieren (etwa: Aushub einer Baugrube – Errichtung eines Fachwerkbaus – Brand – Abbruch der Brandruine – Leerstand – neue Nutzung des Geländes als freie Platzfläche – endgültiges Verlassen).
Die Teilnehmenden lernen in der Übung, wie eine archäologische Befunddokumentation zu lesen und umzusetzen ist. Fachbegriffe (Stratigraphie, Taphonomie, in situ, Harris-Matrix) werden geübt und angewendet. Ausgehend von Fachpublikationen erarbeiten wir uns die Grundlagen zum Verständnis und zur Anwendung archäologischer Literatur. Umgesetzt wird das Erlernte dann in der Durcharbeitung von Grabungsunterlagen, anhand derer die Teilnehmenden üben, selbst Befunde aus einer Grabung auszuwerten.
ab Mittwoch, 08.04.2026 10:00 - 12:00, 18/E07
Seminar: Altglasrecycling bis Ziegelofen: Handwerk in den Nordwestprovinzen
Nachweise für handwerkliche Tätigkeiten unterschiedlichster Art und Organisationsgrade finden sich in sämtlichen römerzeitlichen Siedlungskontexten (Gutshöfe, Weiler, Städte und stadtartige Siedlungen, Militärlager). Entsprechend beschäftigt sich auch die Archäologie sehr intensiv mit dieser Thematik. Ausgehend von den Rohmaterialen erarbeiten die Teilnehmenden im Hauptseminar Gewinnung, Verarbeitung und Endprodukte der einzelnen Handwerkszweige: Ton, Stein, Glas, Metall, Holz, Geweih und Knochen, Textilien und Pelz sowie einige weitere. Das Spektrum reicht dabei von einfachen Arbeiten zur Selbstversorgung bis hin zu industriell anmutenden Serienproduktionen mit Kundschaft nahezu im gesamten Imperium. Wo befanden sich Werkstätten, wie lassen sie sich im archäologischen Befund nachweisen? Wer waren die Personen, die das Handwerk betrieben und gibt es Hinweise auf ihren sozialen Status? Welche Werkzeuge wurden verwendet, auf welchem technischen Standard konnte in der Antike produziert werden? Als Quellen stehen uns zur Verfügung: archäologische Befunde (ausgegrabene Werkstätten), Fundmaterial (Werkzeuge, Produktionsmittel, Werkstattabfälle und Halbfabrikate, Endprodukte) und wenige andere. Hinzu kommen naturwissenschaftliche Beiträge (Zoologie, Botanik, Metallanalysen u. a.), die mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil der Forschungen zum Handwerk der Römerzeit sind.
Proseminar: Fibeln und Kleidung zur Römerzeit
Im Proseminar werden Gewandspangen (Fibeln) und Kleidung der Römerzeit behandelt, mit einem Fokus auf den Nordwestprovinzen. Fibeln sind für die Archäologie eine besonders wichtige Fundgruppe, denn sie waren sowohl Modeobjekte als auch Alltagsgegenstände. Deswegen waren Formen, Verzierungen und technische Details häufigen Veränderungen unterworfen, was Fibeln zu chronologisch besonders empfindlichen Funden macht. Die metallenen Fibeln kennen wir in großer Stückzahl aus Ausgrabungen, viel seltener sind Nachweise antiker Kleidung, denn Textilien erhalten sich im Boden kaum. Hier helfen bildliche Darstellungen (Grabsteine) ebenso weiter wie komplizierte Untersuchungen kleiner Textilreste an korrodiertem Metall. Die Teilnehmenden lernen im Proseminar wichtige Fibeltypen, Bestimmung von Fibeln sowie aktuelle Diskussionsfelder rund um Kleidung zur Römerzeit kennen.
Übung: Bestimmungsübung römerzeitliches Fundmaterial
Die Übung führt die Teilnehmenden ein in die Bestimmung von archäologischen Funden am Beispiel des typischen Fundspektrums eines römischen Militärlagers und der zugehörigen Zivilsiedlung. Vermittelt werden die Grundlagen der Klassifizierung und Einteilung in verschiedene Fundgruppen sowie die wichtigste Literatur zu diesen und der weiteren Bestimmung. Anhand der Objekte erarbeiten wir uns dieses Rüstzeug mit dem Ziel, chronologische und kulturgeschichtliche Schlüsse zu ziehen.