Der Workshop intendierte einen gemeinsamen Austausch zwischen Vertreter*innen
universitärer Forschung und schulischer Unterrichtspraxis. Ziel war mithin insbesondere, das
wichtige Thema ,Inklusion‘ und seine Umsetzung im Geschichtsunterricht mit (angehenden)
Lehrenden aus verschiedenen geschichtsdidaktischen Arbeitsbereichen – Schulen,
Studienseminar und Universität – zu diskutieren.
Wissenschaftlicher Impuls: Prof. Dr. Sebastian Barsch
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag von Sebastian Barsch (Universität zu
Köln). Er legte dar, dass er ein erweitertes Verständnis von Inklusion vertritt, das die schulische
Vielfalt in ihrer Gesamtheit und damit auch gesellschaftlich wirksame Differenzkategorien, wie
Geschlecht, Ethnie und sozio-ökonomische Unterschiede, in den Blick nimmt. In seinem
Vortrag legte er dabei den Fokus auf den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt.
Mit Nachdruck verwies Barsch damit auf ein erhebliches empirisches Forschungsdesiderat im
Bereich des historischen Lernens von Menschen mit Behinderung. Diese Lücke wirke sich auf
auch auf konkrete Praxisansätze aus. So kritisierte Barsch unter anderem die Verwendung
sogenannter „Leichter Sprache“ in Museumsführungen: Neue Studien zeigen, dass diese gut
gemeinte Maßnahme von den adressierten Zielgruppen häufig als stigmatisierend
wahrgenommen werde und damit ihre inklusive Zielsetzung verfehle. Im Hinblick auf
methodische Perspektiven für die inklusive Unterrichtsgestaltung erläuterte Barsch u.a. das
Konzept des: „Universal Design of Learning“. Dabei würden Lernsettings so konzipiert, dass
sie „Rampen“ für einen möglichst barrierefreien Zugang zum gemeinsamen Lernen auf
verschiedenen Lernniveaus zur Verfügung stellen. Die Lernenden können auf diese Weise, so
Barsch, aus einem Pool von Angeboten auswählen, die allen zugänglich sind. Somit würden
nicht, wie bei der klassischen „Binnendifferenzierung“, spezielle Lernangebote für spezielle
Schüler*innen vorbereitet.
Praxisteil: Anke Bleeker und Maren Stindt-Hoge
Im Anschluss leiteten Anke Bleeker (Pädagogische Leiterin am Studienseminar Osnabrück)
und Maren Stindt-Hoge (Fachleiterin Geschichte am Studienseminar Osnabrück) einen
praxisorientierten Workshop. Im Mittelpunkt stand die zentrale Frage „Wie kann historisches
Lernen so gestaltet werden, dass alle Schüler*innen teilhaben können? Zunächst erläuterten die
Referentinnen zum einen kognitive und emotionale Herausforderungen für Schüler*innen in
einer „typischen“ Geschichtsstunde, zum anderen mögliche Lernvoraussetzungen im Hinblick
auf unterschiedliche Niveaus sowie Prinzipien inklusiven Geschichtsunterrichts. In diesem
Zusammenhang stellten sie das EIS-Prinzip vor, das Wissen über drei didaktische
Repräsentationsstufen vermittelt: enaktiv, ikonisch und symbolisch.
Im Anschluss stand die kooperative Entwicklung von inklusiven Lernsettings auf der
Grundlage einer beispielhaft ausgewählten Unterrichtsstunde im Fokus. Die Informationen und
Anregungen aus dem Impulsvortrag von Sebastian Barsch und die im anschließenden Praxisteil von Anke Bleeker und Maren Stindt-Hoge initiierten unterrichtspraktischen Umsetzungen
inklusiven Lernens führten schließlich in der Verbindung zu ausgesprochen intensiven,
inspirierenden Diskussionen.
Dank
Wir danken den Vortragenden sowie allen Teilnehmenden für den produktiven Austausch zum
Thema „Inklusives Historisches Lernen“.