Markus Riepenhausen
Zur Person
Seit April 2024 arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Allgemeine Soziologie, wo ich mich insbesondere aus Perspektive der Gesellschaftstheorie und der Politischen Soziologie mit Fragen der Zeitlichkeit von Gesellschaft, den Wissensstrukturen der Moderne oder den Figurationen von Klassengesellschaften auseinandersetze. Zuvor studierte ich Soziologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Halle-Wittenberg, Valencia und Jena und war anschließend als wissenschaftliche Hilfskraft am Else-Frenkel-Brunswik Institut der Universität Leipzig beschäftigt.
Kontakt
Fachbereich 1: Kultur- und Sozialwissenschaften
Seminarstraße 20
49074 Osnabrück
Raum: 15/312
0541/969-4746
markus.riepenhausen@uni-osnabrueck.de
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Gegenwartsgesellschaften zeichnen sich entgegen verbreiteter Annahmen über einen Verlust der Zukunftsvorstellung dadurch aus, dass sie sich vermittels unterschiedlicher Erzählungen ihrer Zukünftigkeit sozialstrukturieren, Konflikte verhandeln und schließlich als Gesellschaft verändern. Apokalyptische Erwartungen ökologischer Bewegungen oder rechter Prepper-Gemeinschaften, tech-kapitalistische Fortschrittsoptimismen oder militärische Bedrohungsszenarien in der internationalen Politik geben nicht rein ideelle oder kontingente Erwartungshaltungen wieder, sondern werden narrativ, ästhetisch und materiell zu realen Handlungsmaßstäben performiert. Insofern sind Zukunftskonstruktionen wesentlicher Treiber gesellschaftlicher Selbstveränderungsdynamiken.
Mein Dissertationsprojekt verfolgt diese temporale Logik der Verzukünftigung aus einem wissenssoziologischen und gesellschaftstheoretischen Blick. Ausgehend von der Frage, vor welchen epistemischen Voraussetzungen moderne Zukunftsgesellschaften sich selbst transformieren, interessiere ich mich für die wissenshistorische Genese der in neuzeitlichen und kapitalistischen Gesellschaften entstehenden Denkfigur der ‚Zukunft‘. Um die kulturgeschichtliche Spezifizität gesellschaftlicher Wandlungsdynamiken vor dem Hintergrund ihrer Verzeitlichung theoretisch zu reflektieren, gehe ich angesichts jener historisch spezifischen Denkweise des Zukünftigen der Frage nach, inwiefern soziologische Zeitlichkeitstheorien ebendiese Praxis der Verzukünftigung in Form theoretischer Figuren bisweilen erfasst haben. Da auch die soziologischen Reflexionsprodukte immer im Rahmen spezifischer Zeitlichkeitsordnungen formuliert sind, sollen in Anbetracht verschiedentlicher Refigurationen der spätmodernen Temporalstrukturen schließlich die fachspezifischen Semantiken und theoretischen Begrifflichkeiten der Soziologie selbst einer begrifflichen Evaluation unterzogen werden.
SoSe 2026: Verdinglichung und Entfremdung: Grundbegriffe der kritischen Gesellschaftstheorie
WiSe 2025: Gesellschaft als Möglichkeit – Soziologische Konturen moderner Zukunftsgesellschaften
SoSe 2025: Soziologie der Zeitlichkeit
WiSe 2024: Klassentheorien
SoSe 2024: Theorien des sozialen Konflikts
Artikel und Aufsätze
Klassifikationen von Klasse. Vier Gebrauchsweisen eines wiederentdeckten Begriffs. In: Berliner Debatte Initial 36, 2025/3, S. 427-440.
Aufstand der Desillusionierten. Zum verzeitlichten Konfliktbewusstsein der ostdeutschen Montagsproteste. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen 37 (4), 2024. Online-Supplement unter: https://forschungsjournal.de/fjsb-plus/riepenhausen-aufstand-der-desillusionierten/
Kleinbürgerliche Renitenz – Zur politischen Kontinuität und sozialen Kontur der postpandemischen Montagsproteste in Ostdeutschland. In: Decker, Oliver/Kalkstein, Fiona/Kiess, Johannes (Hg.): Demokratie in Sachsen. Jahrbuch des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für 2023. Leipzig: Edition Überland 2024, S. 183-215. (zus. mit Nele Hellweg & Fiona Kalkstein)
Vorträge
Zwischen Translation und Transformation. Transfigurationen als onto-epistemische Abwandlungsprozesse / Interdisziplinäre Konferenz des Georg Forster Forums der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (18.-19.06.2026)
Transfigurations. On the forms of futurization in modern future-societies / International Conference: Shaping Future Society. Future-oriented Communitization in Times of Crises an der Hochschule Fulda (27.05.2026)
Erwartung – Antizipation – Imagination: Die Reifikation des Zukünftigen in soziologischen Zukunftssemantiken / Jahrestagung 2025 der DGS-Sektion Kultursoziologie (27.06.2025)
Klassifikationen von Klasse – zur theoretischen Pluralität eines wiederentdeckten Begriffs / Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2024 (24.09.2024)
Wer sind die Gesichter der ostdeutschen Montagsproteste? / Veranstaltung des Else-Frenkel-Brunswik Instituts auf der Leipziger Buchmesse 2024 (23.03.2024) (zus. mit Nele Hellweg, Moderation: Thomas Schmidt-Lux)
Geschlossene Zukünfte – Verschwörungsdenken als Praxis moderner Krisenbewältigung / Jahrestagung des Research Centre Global Dynamics der Universität Leipzig (21.04.2023)