Forschung

Projekte zur bibelwissenschaftlichen Grundlagenforschung: (Kanon-)Hermeneutik und Methodologie der Exegese

Entwicklung des auch interdisziplinär und international rezipierten Konzepts einer „kanonisch-intertextuellen Bibellektüre“ (G.St.): 

  • die Fokussierung auf die Gestalt des Kanons und die Suche nach der angemessenen Beschreibung seiner Struktur, versuchsweise unter dem Leitbegriff „Deuterographie“
  • die Verbindung einer Sensibilität für die Struktur des Kanons (jenseits von Entstehung und Aussage) und für die Performativität des Textes (was heißt etwa „final form als witness“ [B.S. Childs]?)
  • die „politische“ Lektüre des Bibelkanons: Integration des Disparaten, Heterogenitätsmanagmement, Identitätspolitik ….
  • die Spannung zwischen einer teils massiven „monotheizing tendency“ (James E. Sanders) und einer nicht-monographischen und nicht-monologischen Kanongestalt

Untersuchungen zur Methodologie der Exegese: „Exegese als synchrone Konstruktion des Diachronen“ (G.St.)

  • Rezeption literatur- und kulturtheoretischer Ansätze des 20. Jh.s (Walter Benjamin; Michail M. Bachtin; „Poststrukturalismus“; A. Assmann u.a.)
  • Auseinandersetzung mit literar- und redaktionskritisches Vorstellungen zur Bibelentstehung (vgl. B. Ziemers fundamentale Kritik des „Wachstumsmodells“)

Bibelpräsenz „diesseits der Hermeneutik“

  • Rezeption des Präsenzdenkens von Hans Ulrich Gumbrecht zur Erweiterung des Blicks auf die Gegenwärtgkeit und Wirkung der Bibel (im Rahmen eines DFG geförderten internationalen Fachgesprächs Oktober 2026)

Kommentarprojekte

Kommentar zu den Büchern 1 und 2 Chronik (NSKAT)

Das vermutlich Anfang des 2. Jh. v. Chr. zu datierende Buch 1 und 2 Chr ist das längste und eines der jüngsten Bücher im alttestamentlichen Kanon. Als scheinbares Remake der Bücher Samuel und Könige fand und findet es nicht die Beachtung, die es verdient. Aber gerade in der Bezugnahme auf die bereits bestehenden biblischen Bücher liegt der Wert der Chronikbücher. An ihnen lassen sich mustergültig Prozesse der Literaturentstehung in einem „schriftgelehrten“ Milieu und die Faktoren der Kanonbildung studieren. Als „erste Theologie des Alten Testaments“ (Ackroyd) zeigen 1 und 2 Chr, wie „Bibel“-Rezeption funktioniert und wozu sie dient.

 

 Kommentar zum Buch Daniel

Neben den Büchern Genesis und Exodus und der Offenbarung des Johannes hat kein biblisches Buch die politischen Ideen des Westens und die gesellschaftlichen Phantasien so sehr bestimmt wie das Buch Daniel: die Ideen einer Sukzession der Weltreiche, von Universalgeschichte, der Kritik an Gewaltherrschaft und Widerstand; die Vorstellung vom Weltuntergang und einer Auferweckung der Toten … In der neueren deutschsprachigen Forschung ist das Buch wenig kommentiert worden. Vor dem Hintergrund eines gestiegenen Katastrophenbewusstseins und eines gewachsenen kulturellen Interesses an „Apokalyptik“ stellt die intensive Beschäftigung mit einem kulturell so bedeutsamen Basistext eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar.