Abgeschlossene Projekte
DAAD-Alumni-Seminare Chile 2022 und Costa Rica 2023
Integrale Ökologie und Bildung für nachhaltige Entwicklung
“Der Schrei der Erde und die Enden der Welt”
Im Rahmen des Projekts (Laufzeit 1.1.2022 – 31.12.2023) werden unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Eckholt, Institut für Katholische Theologie, zwei aufeinander aufbauende Fortbildungsseminare für Alumni und Alumnae in Santiago de Chile (vom 13. bis 16. Oktober 2022) sowie in San José/Costa Rica (voraussichtlich vom 3. bis 6. Oktober 2023) zum Thema Integrale Ökologie und Bildung für nachhaltige Entwicklung durchgeführt. Das Projekt findet in Kooperation der Universität Osnabrück mit dem Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. und den beiden lateinamerikanischen Partneruniversitäten im Rahmen des DAAD-Alumni-Programms zur Fortbildung und Bindung internationaler Alumni aus Entwicklungsländern (2022-2023) statt. Das Alumni-Seminar in Chile fokussiert theologische, philosophische und soziologische Perspektiven im Dienst einer nachhaltigen Bildung. Das Alumni-Seminar in Costa Rica nimmt daran anknüpfend ökofeministische, indigene und dekoloniale Perspektiven einer „integralen Ökologie“ in den Blick.
Seminar in Chile (13.-16. Oktober 2022): "Der Schrei der Erde und die Enden der Welt" - theologische, philosophische und soziologische Perspektiven im Dienst einer nachhaltigen Bildung
Die Veranstaltung in Chile wurde in Kooperation mit der Facultad de Teología sowie der Facultad de Filosofía an der Pontificia Universidad Católica de Chile (PUC) durchgeführt, die mit der Universität Osnabrück zurzeit auch im Rahmen des Erasmus-Plus-Austausches kooperiert.
Die PUC berichtete (auf spanisch) in einem Pressebericht von der Veranstaltung und legte auch eine digitale Dokumentation der Tagung an.
Projektbeschreibungen Seminar in Chile:
Seminar in Costa Rica (17.-20. November 2023): "Der Schrei der Erde" - dekoloniale, indigene, afrostämmige und ökofeministische Perspektiven einer “integralen Ökologie”
Das Seminar in Costa Rica findet an der UNA in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Escuela Ecuménica de Ciencias de la Religión statt. Zudem sind weitere akademische Zentren und Universitäten in Costa Rica (DEI – Departamento ecuménico de investigaciones, Universidad Bíblica Latinoamericana, Universidad Católica, Universidad de Costa Rica) sowie in Guatemala (Universidad Rafael Landívar) und in El Salvador (UCA) beteiligt.
Projektbeschreibungen Seminar in Costa Rica:
Die beiden Fortbildungsseminare stehen in Kontinuität zu vorausgehenden DAAD-Alumni-Seminaren, die unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Eckholt in Kooperation der Universität Osnabrück mit dem Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. durchgeführt wurden (u.a. 2013 Mexiko, 2018 Kolumbien). Sie knüpfen an die im lateinamerikanischen Kontext entwickelten befreiungstheologischen und dekolonialen Diskurse an und greifen sie aus indigenen und feministischen Perspektiven auf. Die Seminare vertiefen in diesem Sinn die vorausgegangenen Arbeiten des Alumni-Netzwerks aus einer ökologisch-befreiungstheologischen und feministischen Perspektive.
Projektleitung:
Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Eckholt, Professur für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie, Vorsitzende des Kuratoriums des Stipendienwerks Lateinamerika-Deutschland e.V.
Projektkoordination und -mitarbeit:
Nikola Götzl, M.A., Institut für Katholische Theologie und Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V.; Johannes Bausenhart, Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V.
Gefördert vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Creation – Transformation – Theology
Internationaler Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie 2021
Vom 25. bis 28. August 2021 wurde an der Universität Osnabrück der internationale Kongress „Creation – Transformation – Theology“ der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie, unter der Leitung von Prof. Dr. Margit Eckholt, als Hybridveranstaltung durchgeführt.
Über das Netzwerk und die Kontakte der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie sowie die weitere Bewerbung des Kongresses wurden 109 Teilnehmer*innen in Präsenz sowie 92 digitale Teilnehmer*innen aus ganz Europa sowie Lateinamerika, den USA, Australien und den Philippinen zusammengeführt, darunter viele Nachwuchswissenschaftler*innen, regionale Vertreter*innen aus Theologien und anderen Wissenschaften, Praktiker*innen, kirchliche Umweltbeauftragte, Studierende und Vertreter*innen der interessierten Öffentlichkeit. In einem interdisziplinären, ökumenischen und interreligiösen Austausch bearbeiteten die Teilnehmer*innen gemeinsam Themen der Ökologie und Umweltethik, der Schöpfungstheologie und Schöpfungsverantwortung, der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Transformation. Dabei kamen philosophische und systematisch-theologische Blickwinkel ebenso zur Geltung wie Perspektiven der biblischen Schriften, Patristik und Kosmologien sowie Fragen der Ethik und politisch-gesellschaftlicher Praxiskontexte.
Die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Herausforderungen durch die Erfahrung einer zunehmenden Bedrohung der Schöpfung stellten dabei den Ausgangspunkt für grundlegende theologische und ethische Reflexionen auf das Verhältnis von Gott – Mensch – Welt dar und erschlossen für den interdisziplinären Diskurs theologische Perspektiven für eine nachhaltige Bildung. Anliegen war es dabei, die in den verschiedenen theologischen Disziplinen erarbeiteten Ansätze zu einer neuen, innovativen und praxisrelevanten Schöpfungstheologie und Ethik der Nachhaltigkeit zusammenzuführen und in diesem Sinn einen Beitrag auch zu einer „Transformation“ der katholischen Theologie in einem globalen Horizont – im Sinn einer performativen und befreienden Theologie – zu leisten. Neben einem interdisziplinären Dialog spielten dabei auch die ökumenische und interreligiöse Perspektive und der Dialog zwischen wissenschaftlicher Theoriebildung und Praxis eine zentrale Rolle.
Der Kongress gliederte sich in Podien, Hauptvorträge und Workshop-Phasen. Die Podien sowie Hauptvorträge wurden von renommierten internationalen Referent*innen aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Peru, Portugal, Slowenien, der Türkei sowie Ungarn gestaltet. Die Podien und Hauptvorträge fanden zum großen Teil auf Englisch, vereinzelt auf Deutsch oder Französisch statt. In den Workshop-Phasen hatten Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen, die sich auf entsprechende Calls bewerben konnten, Gelegenheit, neu erarbeitete Beiträge mit praxisrelevanten Anwendungsbezügen bzw. existierende einschlägige Forschungs- oder Praxisprojekte vorzustellen. Beiträge zu diesen Parallel Sections leisteten internationale Referent*innen aus Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Kroatien, Litauen, Malta, den Niederlanden, Österreich, den Philippinen, Polen, Rumänien, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn sowie den U.S.A. Eine ergänzende Präsentationsmöglichkeit bot insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine kongressbegleitende Posterausstellung. Fünf Poster wurden von jungen Wissenschaftler*innen in diesem Rahmen präsentiert, eines davon digital. Im Rahmen der Workshop-Zeiten wurde außerdem Raum für das Gespräch zwischen in der Wissenschaft tätigen Theolog*innen und Vertreter*innen aus der Praxis (Umweltbeauftragte aus deutschen Diözesen, Lehrer*innen für katholische Religion) gegeben.
Aufgrund der fortbestehenden Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie fand der Kongress im Hybridformat statt. Über digitale Übertragungen aller Konferenzeinheiten konnte somit über den unmittelbaren Kreis der in Präsenz Teilnehmenden hinaus eine noch breitere Öffentlichkeit erreicht werden.
Alle Kongressteilnehmenden erhielten Impulse und neue Ansätze zur Vermittlung einer zeitgemäßen, innovativen und praxisrelevanten Schöpfungstheologie und Nachhaltigkeitsethik, so dass sie nun in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern in Forschung, Lehre – insbesondere in der Lehrer*innenausbildung – sowie Praxis als Multiplikator*innen wirken können. Dies wird unterstützt durch die geplante Publikation sowohl der Hauptvorträge als auch ausgewählter Workshopergebnisse.
Die Aufgabe, neue Konzepte ökologischer Theologie in einem ökumenischen und interreligiösen Horizont zu diskutieren und Schöpfungstheologie, Ethik und Pädagogik der Nachhaltigkeit in diesem Sinn weiterzuentwickeln und hierdurch insbesondere Möglichkeiten zu finden, den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit im Sinne einer Bildung zur Nachhaltigkeit auch praktisch zu begegnen, bleibt nach wie vor bestehen.
Der ESCT-Kongress hat erfolgreich einen kleinen Beitrag zu diesem großen Ziel leisten können.
Digitale Broschüre Kongressprogramm:
Verantwortlich für die Vorbereitung:
Prof. Dr. Margit Eckholt, Professur für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie, Vizepräsidentin der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie
Projektmitarbeiter/in: Dr. Sebastian Salaske und Nikola Götzl
Bildnachweis:
Künstler: Dr. Sieger Köder / Titel: Die Schöpfung ist uns anvertraut / Bildrechte: Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK), Kloster Benediktbeuern / Ort: Kapelle des ZUK
Religion als Ressource befreiender Entwicklung
Das "Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V." feierte 50-jähriges Jubiläum im Schloss der Universität Osnabrück
Seit 50 Jahren fördert das Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. (ICALA) den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Am Freitag, 23. November, wurde das Jubiläum im Schloss der Universität Osnabrück mit einem Festakt begangen.
Die Veranstaltung stand unter dem Titel: „1968-2018: Religion als Ressource befreiender Entwicklung“. In diesem Rahmen hielten Stipendiaten und Stipendiatinnen aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas Kurzimpulse zur Bedeutung des Jahres 1968 und der für Lateinamerika wichtigen Konferenz der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellín in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Frau Prof. Dr. Margit Eckholt, Vorsitzende des Stipendienwerks und Professorin für Dogmatik mit Fundamentaltheologie am Institut für Katholische Theologie an der Universität Osnabrück, sprach über „Das Stipendienwerk und die Debatte um die Theologie der Befreiung in Deutschland“.
Das Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. (ICALA) wurde 1968 von Bernhard Welte und Peter Hünermann gegründet. Im Kontext des Aufbruchs nach dem II. Vatikanischen Konzil und der Konferenz von Medellín fördert es den Dialog zwischen lateinamerikanischen und deutschen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen auf den Feldern der Theologie, Philosophie und Sozial- und Kulturwissenschaften. Eine Vielzahl lateinamerikanischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen konnte durch das Stipendienwerk über die Jahrzehnte unterstützt werden, sei es durch einen Stipendienaufenthalt in Deutschland zum Zweck der Promotion oder eine andere Forschungsarbeit oder durch die Förderung interdisziplinärer Forschergruppen in Lateinamerika.
XII. internationales und interdisziplinäres Seminar des Stipendienwerkes Lateinamerika-Deutschland e.V.
20.-23. August 2018 in Bogotá, Kolumbien, gefördert vom DAAD und der Bischöflichen Aktion Adveniat
In Kooperation mit dem Philosophen Prof. Dr. Vicente Durán SJ von der Partneruniversität der Universität Osnabrück in Kolumbien, der Pontificia Universidad Javeriana in Bogotá, hat Frau Prof. Dr. Margit Eckholt in Kooperation mit dem Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland e.V. ein vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördertes Alumni-Seminar durchgeführt. Über 80 ehemalige Doktoranden und Doktorandinnen deutscher Universitäten aus 11 lateinamerikanischen Ländern haben an der Tagung teilgenommen.
Das internationale Seminar hatte als Leitmotiv die Perspektive der „Religion als Ressource für eine befreiende Entwicklung“ und erinnerte an die 50-Jahr-Feier der 2. Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats in Medellín. Für die lateinamerikanische Kirche war die Konferenz der Ausgangspunkt für ein neues ortskirchliches Bewusstsein und den spannenden und schmerzhaften Prozess des Aufbrechens einer in koloniale Strukturen der „cristiandad“ („Christenheit“) und mit den Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verwobenen Kirche, hin zu einer Kirche an der Seite der Armen, der Ausgeschlossenen, der um ihre Rechte gebrachten Campesinos oder Arbeiter. Die katholische Kirche hat sich zu einer neuen sozialen Akteurin und einer auch weit über kirchliche Kreise hinaus anerkannten Institution im Dienst sozialen Wandels, der Menschenrechte, einer gerechten und armenorientierten Entwicklung und der Friedensarbeit entwickelt. Der Erneuerungsprozess, den das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) für die katholische Kirche bedeutet hat (verbunden mit Religionsfreiheit, Menschenrechten, ökumenischem und interreligiösem Dialog, neuen Partizipationsstrukturen in der Kirche, der Bedeutung von Laien und sozialen Bewegungen usw.), wurde mit dieser Konferenz im lateinamerikanischen Kontext umgesetzt. Befreiungstheologien, -Philosophien und -Pädagogiken wurden in der Folge dieser Konferenz entwickelt. Diese Denktraditionen bilden heute noch zentrale Referenzpunkte, auch weit über den lateinamerikanischen Kontext hinaus in einer interkulturellen Perspektive, um in Kontexten zunehmender Ungleichheit, Ausgrenzung und Gewalt die Rolle von Religion im Kontext der Entwicklungsarbeit zu klären und Religion als „Ressource befreiender Entwicklung“ zu erschließen. Auch wenn Lateinamerika in den letzten Jahren große Veränderungen durchlaufen hat, Säkularisierungsprozesse auf der einen und religiöse Pluralisierung – vor allem durch das Wachsen der Pfingstbewegung – auf der anderen Seite zunehmen, so ist der Blick auf Lateinamerika insofern von Relevanz, als mittlerweile über 40% der Katholiken weltweit in Lateinamerika leben. Das hat Auswirkungen auf die katholische Kirche und ihre Entwicklungsstrategie in den westlichen Ländern, auch in Deutschland, und muss gerade darum auch von staatlicher und gesellschaftlicher Seite wahrgenommen werden. Die vor 50 Jahren angestoßenen Erneuerungsprozesse im Sinne „befreiender Entwicklung“ und der Stärkung der verschiedenen sozialen Akteure und Akteurinnen sind heute wieder neu zu erschließen, worauf auf der Tagung in Bogotá der an der Georgetown-University in Washington lehrende Religionssoziologe José Casanova hingewiesen hat.
Auf der Tagung an der Universidad Javeriana wurde auch der Beitrag des Stipendienwerks Lateinamerika-Deutschland (spanisch: Intercambio cultural alemán-latinoamericano, ICALA) zur Ausbildung der neuen Gestalt von Theologie und Philosophie in Lateinamerika beleuchtet. Das Stipendienwerk hat den Prozess der Ausgestaltung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie und einer in die lateinamerikanischen Realitäten inkulturierten Philosophie durch die Vergabe verschiedener Stipendien an Theologen, Philosophen und Pädagoginnen aus Lateinamerika begleitet. Vor Beginn des Seminares fand am 19. und 20. August ein Alumni-Workshop statt, in dem die Arbeit der 14 Partnergremien von ICALA in Lateinamerika und des deutschen Kuratoriums in den vergangenen drei Jahren evaluiert und neue Arbeitsschritte geplant worden sind. Der Workshop mündete in ein wissenschaftliches Symposium aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Stipendienwerkes Lateinamerika-Deutschland e.V., bei dem einer der Gründer des Stipendienwerkes, der emeritierte Tübinger Dogmatiker Prof. Dr. Peter Hünermann einen Vortrag gehalten hat.
Prof. Dr. Margit Eckholt, Universität Osnabrück
Tagung: „Pfingstkirchen in Guatemala / Zentralamerika als Herausforderung für die katholische Kirche“
7. bis 9. August 2018 in Ciudad de Guatemala
Im Auftrag der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz hat Frau Prof. Dr. Margit Eckholt die wissenschaftliche Leitung übernommen für die Vorbereitung und Durchführung einer Tagung der Bischofskonferenz von Guatemala und der Deutschen Bischofskonferenz zu „Pfingstkirchen in Guatemala / Zentralamerika als Herausforderung für die katholische Kirche“. Das wissenschaftliche Symposium fand vom 7. bis 9. August 2018 in Ciudad de Guatemala (Casa Marista de Formación) statt.
Insgesamt haben ca. 60 Personen an der Tagung teilgenommen, darunter viele Bischöfe aus Guatemala und weiteren Ländern Zentralamerikas, darunter Oscar Andrés Kardinal Rodríguez Maradiaga SDB, Erzbischof von Tegucigalpa/Honduras, weitere Vertreter und Vertreterinnen aus Pastoral und Wissenschaft. Von deutscher Seite waren Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Bamberg, Dr. Sebastian Pittl, Frankfurt-St. Georgen, Prälat Bernd Klaschka und Prof. Dr. Nikolaus Werz, Universität Rostock, vertreten, der sich mit der politischen Heterogenität des Pentekostalismus auseinandergesetzt hat. Als Vertreter des Vatikans und des Sekretariats für die Einheit der Christen hat Mons. Juan Usma Gómez den Dialog zwischen katholischer Kirche und Pfingstkirchen nachgezeichnet und die Bedeutung einer neuen ökumenischen Haltung herausgestellt. Frau Prof. Dr. Margit Eckholt hat diese ökumenische Perspektive in ihrem Vortrag aus systematisch-theologischer Perspektive vertieft.Das Phänomen des Pentekostalismus wird zu einer Bewährungsprobe für das Werden der „Welt-Kirche“ auf dem 2. Vatikanischen Konzil im lateinamerikanischen Kontext und die den Weg der Konzilskirche begleitenden verschiedenen Inkulturationsprozesse, wie sie von den Konferenzen des lateinamerikanischen Episkopats seit Medellín (1968) angestoßen worden sind.
Der Ausgang der Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen religiösen und kulturellen Pluralisierungsprozessen ist offen: Trägt die Pentekostalisierung zu einer für Lateinamerika neuen Konfessionalisierung bei, werden Grenzen gesetzt und katholische „Identitätsmarker“ bestimmt, wie es der dänische Theologe Jakob Egeris Thorsen in seiner auf dem Symposium vorgestellten Studie zu den charismatischen Entwicklungen in Guatemala aufzeigt, oder entsteht ein neues ökumenisches Bewusstsein, das an den Optionen des Evangeliums, dem Einsatz für Menschenwürde und „gutes Leben“ für die ganze Schöpfung orientiert ist? Auf dem Symposium wurden diese Fragen in großer Offenheit diskutiert, einige der Teilnehmer haben abschließend als Wunsch formuliert, dass die ökumenische Perspektive weiter vertieft wird und die Beiträge des Symposiums auf Ebene von Pfarreien und Gemeinschaften weiter diskutiert werden könnten.
Das Programm der Tagung finden Sie hier.
Prof. Dr. Margit Eckholt, Universität Osnabrück
12. September 2018
Frauen in kirchlichen Ämtern
Zusammen mit Frau Prof. Dr. Dorothea Sattler von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster und Prof. Dr. Ulrike Link-Wieczorek und Prof. Dr. Andrea Strübind vom Institut für evangelische Theologie der Universität Oldenburg hat Frau Prof. Dr. Margit Eckholt (Institut für katholische Theologie der Universität Osnabrück) den Ökumenischen Kongress „Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene“ durchgeführt, der vom 6. bis 9. Dezember 2017 an der Universität Osnabrück stattfand und mit der Verabschiedung der „Osnabrücker Thesen“ zuende ging.
In Kirchen der Reformation ist die Ordination von Frauen möglich, die orthodoxen Patriarchate von Alexandrien und von Jerusalem haben 2017 die Diakoninnenweihe wieder eingeführt. In der katholischen Kirche wird die Lehre vertreten, dass die Kirche nicht die Vollmacht habe, Frauen zu weihen; diese Lehre hat hohe lehramtliche Verbindlichkeit. Die wissenschaftlichen Vorträge des Kongresses haben deutlich gemacht, dass es eine sehr alte Tradition der Teilnahme von Frauen an unterschiedlichen kirchlichen Diensten und Ämtern gibt. Diakoninnen wurden im ersten Jahrtausend unter Gebet und Handauflegung ordiniert. Die Veränderung dieser Praxis, die zum Ausschluss von Frauen aus den kirchlichen Diensten führte, ist begründungspflichtig. Es gab immer wieder Innovationen in der Geschichte der Kirche; im Sinne der in den Schrifttexten grundgelegten gleichen Würde von Frau und Mann gilt es, beherzte Traditionskritik zu wagen. Die in der Taufe begründete Zugehörigkeit zu Jesus Christus überwindet die sozial oder religiös begründeten Grenzen zwischen Juden und Griechen, Sklaven und Freien, Mann und Frau (vgl. Gal 3.28).
Am Kongress haben ca. 180 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet konstant teilgenommen, darunter viele Studierende der katholischen und evangelischen Theologie der Universität Osnabrück, sowie viele Vertreter und Vertreterinnen aus dem Bistum Osnabrück. Die Veranstalterinnen sind Bischof Dr. Bode, Ortsordinarius der Diözese Osnabrück und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Unterkommission für Frauen in Kirche und Gesellschaft, dankbar für seine Offenheit und Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Kongresses, der ein in der katholischen Kirche immer noch brisantes Thema behandelt hat.
Der wissenschaftliche Kongress war von hoher ökumenischer Sensibilität im Hinblick auf die unterschiedlichen Wege der Kirchen mit der Frage der Frauenordination geprägt. Es war bei diesem Kongress sehr spürbar, dass evangelische Frauen ihre eigene Geschichte in gelebter Solidarität mit römisch-katholischen und orthodoxen Frauen neu wahrgenommen haben, die bis heute die Möglichkeit der Teilhabe an verbindlichen Entscheidungen aufgrund einer amtlichen Berufung vergeblich anfragen. Die mit dem Kongress verbundene Hoffnung ist, dass Bewegung in eine seit langem stagnierte Debatte um Ämter und Dienste in der Kirche kommt und dass deutlich wird, dass diese Fragen in Zukunft nur gemeinsam – von Männern und Frauen – zu beantworten sind. Die am Ende des Kongresses verabschiedeten Thesen sollen dem zukünftigen ökumenischen Gespräch und dem Gespräch mit den Kirchenleitungen wichtige Impulse geben. Es bedarf der Fortsetzung der gemeinsamen Bemühungen in diesen Fragen, denn: Ohne eine Thematisierung der Frage der Ordination von Frauen wird es keinen Weg geben, die sichtbare Einheit der Kirchen zu erreichen. Gottes Geist wirkt in der Geschichte, und geschlossene Türen werden von ihm geöffnet, sie können auf dem Weg der Kirche in die Zukunft nicht geschlossen gehalten werden. Das gilt auch für die Frage nach Frauen in kirchlichen Ämtern.