Gleich zweifach konnten Studierende und Lehrende der Universität Osnabrück Ende Januar Dr. Ringo Müller von der Universität Erfurt hören, den die Juniorprofessur für Kirchen- und Christentumsgeschichte an der Universität Osnabrück zu verschiedenen Vorträgen eingeladen hatte:
Beim öffentlichen Abendvortrag am Mittwoch, 29. Januar 2025, der auch universitätsexternen Gästen offenstand, referierte Müller zum Thema: „Verflochtene Ungleichheiten – Bildung und Religion in der deutschen sozialistischen Gesellschaft der 1970er Jahre“. Dabei analysierte der Erfurter Historiker das immanente Spannungsverhältnis im Bildungsbereich in der Deutschen Demokratischen Republik, das sich aus den gesetzlich garantierten gleichen Rechten aller Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer weltanschaulichen Überzeugung einerseits und dem ideologischen Anspruch des Staates andererseits ergab, Religion und Kirchen als Elemente der Klassengesellschaft zu überwinden.
Ausgehend von dieser Spannung legte Müller vielfältige (Chancen-)Ungleichheiten für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende dar, die sich mit Benachteiligungen ebenso wie mit Privilegierungen konfrontiert sahen, und stellte exemplarische Konflikte zwischen Eltern und Lehrern sowie Bildungsfunktionären und Pfarrern vor. Damit eröffnete Müller neue facettenreiche Zugänge zu einer sozialistischen Bildungsgeschichte. Nach dem Vortrag bot sich Gelegenheit zu Austausch und Diskussion mit den Zuhörenden, die diese intensiv nutzten und so den spannenden Abend noch einmal aus den Perspektiven der jeweiligen Fachdisziplinen und persönlicher Erfahrungsräume bereicherten.
Am Donnerstag, 30. Januar 2025, hielt Ringo Müller eine Gastlehreinheit in der Vorlesung „Von den Anfängen bis zur Gegenwart – Historische Entwicklungen von Kirche(n) und Christentum“. Unter dem Titel: „Fragen an die katholische Kirche in der Deutschen Demokratischen Republik und ein Versuch, sie zu beantworten“ näherte er sich der Bestimmung von Rolle und Funktion der katholischen Kirche im deutschen Sozialismus in vier Schritten: Dabei ging Müller zunächst auf prägende Ereignisse und geografische Besonderheiten, sodann auf maßgebliche Akteure und inhaltliche Ausgestaltungen von Katholizismus und katholischer Kirche in der DDR ein.
Unter anderem erläuterte er die Verfolgungen der „Jungen Gemeinden“ durch das SED-Regime in den 1950er-Jahren, die Auseinandersetzungen um die von der Kirche abgelehnte Jugendweihe, die bedeutende Rolle des Berliner Bischofs Alfred Bengsch sowie die Relevanz zentraler Laiengruppen für den gelebten Katholizismus. In seinem Fazit legte Müller dar, dass die katholische Kirche in der DDR sowohl ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Staat als auch ein Schutzraum für Gläubige bilden konnte. Schließlich habe die katholische Kirche auch als Brücke zum Westen fungiert, so Müller weiter.
Beide Veranstaltungen stießen bei den Zuhörenden auf reges Interesse. Über das positive Feedback der Teilnehmenden freuen sich der Referent Dr. Ringo Müller und das Team der Juniorprofessur für Kirchen- und Christentumsgeschichte an der Universität Osnabrück sehr. Nach diesem erfolgreichen Auftakt werden die Beteiligten die Kooperation zwischen den beiden Universitäten Erfurt und Osnabrück in Zukunft gerne fortsetzen und vertiefen.