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Neue Folge des Podcasts Roundtable Osteuropa mit Ulrich Schneckener

Russlands Angriffskrieg und die (Un)Sicherheit der Zukunft

Ulrich Schneckener, Nicole Deitelhoff und Gwendolyn Sasse diskutieren die Folgen des russischen Angriffskriegs für die Friedens- und Konfliktforschung und für das weltweite Konfliktgeschehen in der neuen Folge des Podcasts "Roundtable Osteuropa".

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat viele Glaubenssätze über Sicherheit und internationale Beziehungen verändert – und stellt auch die Friedens- und Konfliktforschung vier Jahre nach dem Beginn der vollumfänglichen Invasion vor drängende Fragen. In der  neuen Folge des Podcasts Roundtable Osteuropa des  Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) diskutiert  Prof. Ulrich Schneckener gemeinsam mit  Prof.in Nicole Deitelhoff (PRIF - Peace Research Institute Frankfurt) und  Prof.in Gwendolyn Sasse (ZOiS) die Rolle der Friedens- und Konfliktforschung und wie sie zum Verständnis vergangener und heutiger Konfliktdynamiken beitragen kann.

Die Podcastfolge analysiert retrospektiv die Eskalation des russischen Regimes, diskutiert die Verfehlungen und Anpassungen der deutschen aber auch internationalen Friedens- und Konfliktforschung und weitet den Blick auf heutige Szenarien: "Ich fürchte auch, dass der Krieg gegen den Iran ein weiterer Faktor sein wird, der es Russland leichter macht, da seine Einnahmen steigen dürften, wenn im Persischen Golf der Transport von Erdöl und Erdgas schwieriger wird. Das dürfte russisches Öl und Gas attraktiver machen", konstatiert Deitelhoff mit Blick auf das aktuelle Konfliktgeschehen in der WANA-Region. Schneckener mahnt zudem an, dass sich die Disziplin der Friedens- und Konfliktforschung im Falle des russischen Angriffs einer besonderen Form des zwischenstaatlichen Kriegs gegenübersieht, "weil er ein Angriffs-, Eroberungs- und Russifizierungskrieg ist". Dieser Kriegscharakter mache den Krieg so "ungeheuerlich, weil wir diesen Kriegstypus in Europa seit 1939 - und das muss man so sagen - nicht mehr erlebt haben". Viele Konzepte der Konfliktbearbeitung wie Prävention, Peacebuilding, Mediation oder Liberal Peace ließen sich nicht ohne Weiteres auf diesen besonderen Kriegstypus anwenden, da diese primär aus dem Kontext innerstaatlicher Gewaltkonflikte stammten.

Darüber hinaus lenken die Diskutant*innen den Blick auf die postkolonialen Erfahrungen osteuropäischer Länder gegenüber einem russischen Imperialismus nach sowjetischem Vorbild, die jahrelang sowohl im politisch-medialen aber auch im akademischen Diskurs vernachlässigt wurden. Diese "strukturelle Vergesslichkeit" in den Forschungsdiskursen, so Deitelhoff, müsse überwunden werden, um die technologischen, ideologischen und politischen Veränderungen des Konfliktgeschehens im 21. Jahrhundert adäquat abbilden zu können. Mit Blick auf die Osteuropawissenschaften plädiert Sasse zudem für neue interdisziplinäre Kategorienbildungen, um Kriege sowie ihre unterschiedlichen Ausprägungen, Dynamiken und damit verbundene Szenarien besser erfassen zu können. Dies seien die Hauptfragen der Osteuropa- wie auch der Sozialwissenschaften mit Blick auf moderne Konfliktforschung, "die uns lange noch beschäftigen werden". Deitelhoff verweist hierbei auf ihre Forschungsgruppe  Weltordnungen im Konflikt, in der ökonomische, historische und politikwissenschaftliche Perspektiven auf Krisen und Konflikte mit Praxispartnern zusammengebracht werden.

Auf Sasses Frage nach "Quellen des Optimismus" pocht Deitelhoff darauf, dass der bevorstehende Ordnungswandel weniger gewaltsam in den Griff bekommen werden kann, zum Beispiel durch stabilisierende Effekte eines Zusammenschlusses vieler kleinerer Mittelmächte wie der Europäischen Union. Schneckener sieht vor allem mit Blick auf Trumps Strategie der Spaltung von politischen Bündnissen die große Herausforderung, wie eine notwendige kollektive Sicherheit aussehen und über die EU hinaus organisiert werden kann - unter verschlechterten Rahmenbedingungen. Dies habe vor allem starke Implikationen auf die EU-Politik von Beitrittsperspektiven und Sicherheitsgarantien im osteuropäischen Raum.

 Hier geht es zur ganzen Podcastfolge!

Podcast-Teilnehmer*innen:

  •  Nicole Deitelhoff: Professorin für internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt und geschäftsführende Direktorin des PRIF - Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt
  •  Ulrich Schneckener: Professor für internationale Beziehungen und Friedens- und Konfliktforschung am Center for the Study of Conflict and Peace an der Universität Osnabrück und seit März 2016 Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Stiftung Friedensforschung
  • Teilnehmende Moderation durch  Gwendolyn Sasse: Wissenschaftliche Direktorin des ZOiS und Einstein-Professorin für Vergleichende Demokratie- und Autoritarismusforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin

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