Unsere Universität: Kein Raum für Hass und Gewalt
Freie Meinungsäußerung, Kunst- und Pressefreiheit sowie Wissenschaftsfreiheit zählen zu den maßgeblichen und unveräußerlichen Rechten, die unser Grundgesetz gewährt und schützt. Die mit diesen Grundrechten einhergehende besondere Verantwortung betont die Universität Osnabrück (UOS) im Eingangsartikel ihrer Grundordnung: Die Universität Osnabrück "erfüllt ihre Aufgaben in Freiheit, im Rahmen ihrer Selbstverwaltung und Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten, der Mitwelt sowie einer friedlichen und zivilen Entwicklung der Menschheit". Diese Verpflichtung gilt für alle Bereiche von Forschung und Lehre – und für jedes Mitglied unserer Hochschule.
Dass diese Verpflichtung in der konkreten Situation nicht immer einfach umzusetzen ist, zeigt sich heute mehr denn je. Die gegenwärtigen Krisen scheinen sich gegenseitig zu verstärken und zu einer kaum zu bewältigenden Polykrise auszuweiten. Ein Ausdruck des daraus oft resultierenden Ohnmachtsempfindens ist eine zunehmende politische Polarisierung in Deutschland. Auch Universitäten als wissenschaftliche Institutionen mit dem sachorientierten Austausch als Grundlage jeden Diskurses geraten in den Fokus wissenschaftsfeindlicher und populistischer – vor allem rechtspopulistischer – Auseinandersetzungen. In Zeiten von Fake News und politisch provozierter Wissenschaftsfeindlichkeit werden Sachorientierung und Vernunft zum Feind.
Beispiele für wissenschaftsfeindliche Muster sind Versuche, wissenschaftliche Themensetzungen einzuschränken oder Forschende sozial zu diffamieren, oft über die sozialen Medien. Wir alle müssen uns wissenschaftsfeindlichen Tendenzen entschieden entgegenstellen! Wissenschaftsfeindlichkeit muss als solche entlarvt und klar als solche benannt werden.
Als lebendige Universität sollten wir den Blick auch nach innen richten. Hochschulen sind vielfältig. Und: Sie sind keine idealen Welten. Auf dem Campus treffen unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Meinungen und Haltungen aufeinander. Gesellschaftliche Konfliktstrukturen wirken auch hier und es ist wichtig, dass wir diese aufdecken, ins Bewusstsein der (Universitäts-)Öffentlichkeit tragen und ihnen gemeinsam mit Toleranz und Respekt begegnen, aber auch klar gegen diskriminierende und menschenrechtsverachtende Positionen und Verhaltensweisen vorgehen. Wir möchten – gemeinsam mit unseren Studierenden – repressionsfreie Diskursräume schaffen und dafür sorgen, dass sich alle Menschen an unserer Hochschule sicher und gesehen fühlen. Dementsprechend gilt für uns: Wir geben auf dem Campus keinen Raum für Antisemitismus, Diskriminierung, Hassrede, Rassismus oder Sexismus und damit keinen Raum für die Gefährdung einzelner Mitglieder und Gruppen! Dieser Verantwortung wird die UOS unter anderem mit der Verabschiedung der Antidiskriminierungsrichtlinie gerecht. Mit der Richtlinie betont die Universität Osnabrück nachdrücklich, dass sie kein diskriminierendes und gewaltsames Verhalten toleriert.
Deshalb unsere Bitte: Führen Sie Gespräche achtsam und nehmen Sie Mitarbeitende und Studierende, die persönliche Bezüge zu Krisenregionen haben, nicht in Haftung für die politische Lage vor Ort! Menschen, die aufgrund ihrer Nationalität, Religion oder Herkunft eine besondere Bindung zu einer Region haben, stehen nicht stellvertretend für ganze (Bevölkerungs-)Gruppen oder für die Haltung von Regierungen. Zwingen Sie niemanden, stellvertretend Stellung zu beziehen für Regierungen, Religionen oder Gruppen, zu denen Sie Menschen eine Zugehörigkeit zuschreiben. Manche Menschen möchten reden und sich austauschen – andere wiederum möchten es nicht. Beides gilt es gleichermaßen zu respektieren.
Liebe Studierende, machen Sie diese Uni zu Ihrer. Wir sind mehr als nur eine Ansammlung von Gebäuden, Hörsälen und Laboren. Nutzen Sie die Universität Osnabrück als Raum für Ihre persönliche Entfaltung und ganz bewusst als einen Ort, an dem Sie Menschen begegnen, die auch anderer Meinung sind als Sie. Halten Sie Kontroversen aus und bringen Sie sich ein – führen Sie hitzige Auseinandersetzungen auf Sachargumente zurück und gestehen Sie ein, wenn Konflikte aufgrund unterschiedlicher Informationsstände oder Werthaltungen nicht aufgelöst werden können. Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Kunst-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit soll sicherstellen, dass Sie sich an unserer Hochschule gesehen und sicher fühlen. Lassen Sie uns diese Grundprinzipien des Miteinanders nicht aus den Augen verlieren und gemeinsam Sorge dafür tragen, dass sich Menschen auf unserem Campus mit Respekt begegnen – unabhängig davon, welcher Herkunft sie sind und welchem Glauben sie angehören.
Beratungsmöglichkeiten
Das Präsidium und der AStA der Universität Osnabrück setzen sich gemeinsam dafür ein, diskriminierende Strukturen zu beseitigen. Sollten Sie von Gewalt und intolerantem Verhalten betroffen sein, können Sie hier sicher und anonym Ihre Ereignisse schildern, egal, ob Sie direkt oder indirekt involviert sind. Jede Meldung ist relevant und wird ernst genommen!
Weitere Anlaufstellen
Psychosoziale Beratungsstelle
Die Psychosoziale Beratungsstelle für Studierende (PSB) des Studierendenwerks Osnabrück ist ein offenes Angebot, dass allen Studierenden der Osnabrücker Universität zur Verfügung steht. Die Beratungsgespräche sind streng vertraulich und kostenfrei.
Gleichstellungsbüro
Antidiskriminierungsberatung
Annkatrin Kalas M.A. | Gleichstellungsreferentin
annkatrin.kalas@uni-osnabrueck.de
Tel.: +49 541 969 4520
International Office
Anna Julia Toll | Beratung von internationalen Studierenden, Promovierenden und Gastwissenschaftler*innen
anna-julia.toll@uni-osnabrueck.de
Tel.: +49 541 969 4106
Externe Erstberater
Neben den Berater*innen an der Uni gibt es die Möglichkeit, sich extern beraten zu lassen:
profamilia
Dipl. Sozialpädagoge Antonius Geers
osnabrueck@profamilia.de