Konversation, Kognitionswissenschaft, „Kaleidoscience“: Ein Blick hinter den Podcast
„Find the answers to questions you may or may not have asked yourself, here at Kaleidoscience: Conversations on Cognitive Science”. So leitet das Team von Kaleidoscience jede neue Folge seines Podcasts ein. Als ich mich mit den Moderatorinnen Elisa Palme und Imogen Hüsing zum Interview treffe, habe ich viele Fragen. Wer steckt hinter dem Projekt? Was sind die größten Herausforderungen eines Indie-Podcasts? Wir sprechen über die Gründungsidee, die Arbeit, die hinter jeder Folge steckt, die Kunst der Terminfindung – und davon, wie man einer Katzenhaarallergie mit Hühnereiern entgegenwirken kann.
Wissenschaft, die ankommt
Vor zwei Jahren startete der englischsprachige Podcast „Kaleidoscience: Conversations on Cognitive Science” als Initiative von Studierenden der Kognitionswissenschaft. In den Interviews sprechen die Hosts Imogen Hüsing, Sophie Kühne, Sönke Lülf und Elisa Palme mit Expertinnen und Experten der Kognitionswissenschaft aus aller Welt. Wie können wir mit KI unser Gehirn simulieren? Können wir uns an Schmerz gewöhnen? Wie wirken sich Geschlechterstereotypen auf nicht-binäre Menschen aus?
Nach einem kurzen Kennlernspiel beleuchten Team und Interviewpartnerinnen und -partner in 60 bis 90 Minuten komplexe Forschungsfragen unterschiedlicher Themenbereiche und geben Einblicke in die Köpfe der Forschenden. Mit 1800 Streams im letzten Jahr in Deutschland – allein auf Spotify – ist der Podcast ein Beweis dafür, dass Wissenschaft auch spannend und zugänglich sein kann; und dafür, dass es für so ein Projekt nur eine gute Idee braucht.
Eine Idee wird zum Erfolg
Diese gab es schon vor einiger Zeit. Elisa lacht, als sie sich an die Anfänge erinnert: „Vor drei Jahren habe ich Sönke gefragt, ob er nicht Lust hätte, gemeinsam einen Podcast zu starten. Er war davon nicht begeistert, weil er vor allem die Arbeit gesehen hat.“ Als regelmäßige Hörerin von Podcasts habe sie damals Lust gehabt, selbst etwas mit dem Schwerpunkt Kognitionswissenschaft zu machen. „Ich hatte das Gefühl, dass genau diese Schnittstelle zwischen so vielen Fachbereichen nicht wirklich repräsentiert war und bis heute wenig ist.“ Auch Sönke konnte später überzeugt werden: „Ein Jahr, nachdem ich Sönke angesprochen hatte, kam er nochmal auf mich zu und hat mich gefragt, ob wir da nicht mal so eine Podcast-Idee hatten“, erzählt Elisa amüsiert. Inzwischen besteht das Team aus den Kognitionswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Imogen, Sophie, Sönke und Elisa sowie Clara Kühne, die als Studentin der Medienwissenschaft und Social Media-Expertin vor allem Hintergrundaufgaben übernimmt.
Das Besondere: Das Podcast-Team macht alles selbst – von der Recherche, Kontaktaufnahme und Terminfindung über die Interviewaufnahme bis hin zum Schnitt und dem Social Media-Posting. Finanziell unterstützt werden sie vom Institut für Kognitionswissenschaft an der Uni Osnabrück. Das Team sucht gezielt nach Themen, die für eine breite Masse interessant sein könnten. „Jede Folge nimmt etwa 12 bis 15 Stunden wöchentlich in Anspruch“, sagt Elisa. Hinzu kommt die Organisation; eine Menge Arbeit.
Obwohl wir uns per Videochat für das Interview zusammengesetzt haben und ich die beiden nur in zwei Videokacheln sehen kann, bekomme ich doch einen guten Einblick in ihre Arbeit. Die Folgen werden nämlich mittlerweile alle online und nicht mehr im Podcast-Studio der Uni aufgenommen. Meine nächste Frage: Was ist die größte Herausforderung? „Terminfindung“, sagt Imogen ohne zu zögern und beide lachen. Da die Hosts und vor allem die Expertinnen und Experten oft nicht in Osnabrück seien, müssten nicht nur persönliche Zeitpläne, sondern auch verschiedene Zeitzonen koordiniert werden. Umso schöner sei es, dass die Forschenden sehr offen für Anfragen sind. „Ich habe den Eindruck, dass sich viele über die Möglichkeit freuen, mal so richtig ausgiebig über ihre Forschung zu sprechen“, stellt Imogen fest. Sie wird ab der nächsten Staffel als feste Moderatorin im Podcast zu hören sein. Ob es nicht auch nervenaufreibend ist, Top-Expertinnen und Experten zu interviewen? Beide schütteln den Kopf – da bleiben sie einfach cool. Man wäre ja auch in der besseren Position als Fragenstellende. „Forschende eine Stunde lang über ihre Forschung auszuquetschen – das macht schon Spaß!“, sagt Imogen. Der Podcast bietet somit eine Plattform für tiefergehende Gespräche und schafft eine Möglichkeit, Wissen zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Der Gesprächscharakter macht die wissenschaftlichen Themen auch für diejenigen zugänglich, die kein tiefergehendes Hintergrundwissen zu Themen der Kognitionswissenschaft haben.
"Kaleidoscience" macht Wissenschaft lebendig
Zum Abschluss des Interviews stehle ich eine Idee aus dem Podcast: Zu Beginn jeder Folge spielen die Hosts ein Kennlernspiel mit den Gästen und stellen fünf persönliche Fragen. Von Elisa und Imogen will ich jetzt wissen: Was fasziniert euch zurzeit am meisten? „Optimierung des Lauftrainings“, sagt Imogen. Sehr vorbildlich. Nach kurzem Überlegen erzählt Elisa mir einen Fun Fact, den sie in einem anderen Podcast gehört hat: Verfüttere man die Hühnereier der hauseigenen Hühner an die Hauskatze, würden Antikörper auf die Katze übertragen, die sich auf die Proteinzusammensetzung ihres Speichels auswirkten. Diese Veränderung wiederum bewirke, dass Menschen mit einer Katzenhaarallergie schwächer auf den Speichel reagierten. Absolut verblüffend – und zeigt, wie faszinierend wissenschaftliche Erkenntnisse sein können. Mit ihrem Podcast beweisen Imogen, Sophie, Sönke, Elisa und Clara genau das: Wissenschaft kann komplex und schwierig sein, manchmal frustrierend. Vor allem aber weckt sie Neugier auf Unbekanntes, fasziniert sogar die besonders skeptischen Menschen und bietet Einblicke in Dinge, die wir gerade zum ersten Mal ganz verstehen. Und manchmal findet man dann auch Antworten auf Fragen, die man sich noch gar nicht gestellt hat – in einem Podcast, der Wissenschaft und die Wege dorthin lebendig macht.
Der Podcast „Kaleidoscience: Conversations on Cognitive Science” ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen und auf der Webseite des Cognitive Science Student Journals zu hören. Die Interviews werden auf Englisch geführt und setzen ein gutes Verständnis der Sprache voraus. In der kommenden Staffel wird das Thema Hormone näher beleuchtet. Freut euch unter anderem auf Franziska Weinmar, Kognitionswissenschaftlerin an der Uni Tübingen und Host des Podcasts „Let’s Talk About Women“!