139/2025
UNDRR verweist auf Studie der Uni Osnabrück

Warum Hochwasserwarnungen oft ignoriert werden

Warum werden Warnungen vor Hochwasser so oft ignoriert? Das untersucht Prof. Dr. Britta Höllermann von der Uni Osnabrück. Ihren Artikel hierzu hat nun auch das UNDRR (United Nations Office for Disaster Risk Reduction) aufgegriffen.

Warum reagieren Menschen trotz präziser Hochwasserwarnungen häufig zu spät oder gar nicht? Dieser Frage geht eine neue Studie von Prof. Dr. Britta Höllermann vom Institut für Geographie an der Universität Osnabrück und Dr. Anna Heidenreich vom Weizenbaum-Institut in Berlin nach.  Auf ihren Artikel, der bei Springer Nature erschienen ist,  verweist nun auch das UNDRR – das Büro der Vereinten Nationen zur Reduzierung von Katastrophenrisiken.

Am Beispiel der Flutkatastrophe im Sommer 2021 im Ahrtal zeigen die beiden Wissenschaftlerinnen, dass nicht allein technische Prognosen dafür entscheidend sind, ob eine drohende Katastrophe auch als solche erkannt wird.

Die Analyse macht deutlich, dass viele Betroffene ihre Entscheidungen an früheren Erfahrungen ausrichten, etwa an weniger schweren Hochwassern oder Warnungen, die keine gravierenden Folgen hatten. Diese Orientierung an Bekanntem könne in Extremsituationen zu einer trügerischen Sicherheit führen, so die Forscherinnen.

Hinzu komme ein starkes Vertrauen in bestehende Schutzmaßnahmen und in das Eingreifen staatlicher Institutionen, wodurch Risiken unterschätzt und eigene Handlungsmöglichkeiten ausgeblendet würden.

In ihrer Studie stellen die Autorinnen das sogenannte „Uncertainty Lens Framework“ vor, das zeigt, wie subjektive Unsicherheitswahrnehmungen Entscheidungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene prägen.

„Nicht die Unsicherheit selbst ist das Problem, sondern der Umgang mit ihr“, erläutert Prof. Dr. Britta Höllermann von der Universität Osnabrück. „Wenn Warnungen keine Vorstellung davon vermitteln, wie gravierend ein Ereignis tatsächlich werden kann, bleiben sie für viele abstrakt und führen nicht zu konsequentem Handeln.“

Die Studie plädiert daher für eine offenere und verständlichere Kommunikation von Unsicherheiten in der Hochwasservorsorge und im Katastrophenfall. „Nur wenn Restrisiken klar benannt und Verantwortlichkeiten transparent gemacht werden, können Gesellschaft und Individuen besser auf zunehmend häufigere und unvorhersehbare Extremereignisse reagieren“, so Höllermann.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Britta Höllermann, Universität Osnabrück
Institut für Geographie
E-Mail:  britta.hoellermann@uni-osnabrueck.de

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