Migration prägt Städte – ihre Alltage, ihre Bilder und ihre politischen Auseinandersetzungen. Wie sehr Fragen des Zusammenlebens, kommunaler Steuerung und öffentlicher Wahrnehmung dabei ineinandergreifen, zeigt die Veranstaltung des Sonderforschungsbereichs „Produktion von Migration“ (SFB 1604) im Unigebäude in der Seminarstraße 20, Raum15/E16.
Ausgangspunkt ist die anhaltende öffentliche Debatte um Migration, die zuletzt mit Kontroversen über das „Stadtbild“ neue Aufmerksamkeit erfahren hat. Diskussionen über „Problemviertel“ oder „Ghettos“ sind dabei keineswegs neu – ebenso wenig wie kommunalpolitische Versuche, Migrations- und Integrationsprozesse aktiv zu gestalten. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren sahen viele Kommunen die zunehmende Anwesenheit von Migrantinnen und Migranten vor allem als Problem. Einen Perspektivwechsel markierte 1989 die Gründung des Amts für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) in Frankfurt am Main, das sich zum Ziel setzte, gesellschaftliche Konflikte im Kontext von Migration aktiv zu moderieren und zu bearbeiten – gestützt auch auf Erkenntnisse der sich damals etablierenden Migrationsforschung.
Über diese Erfahrungen und ihre Aktualität sprechen Daniel Cohn-Bendit, Begründer des AmkA und früherer Frankfurter Dezernent (Bündnis 90/Die Grünen), sowie der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Claus Leggewie (Justus-Liebig-Universität Gießen), der den Gründungsprozess des Amtes wissenschaftlich begleitete. Gemeinsam haben sie 2025 das Buch „Zurück zur Wirklichkeit. Eine politische Freundschaft“ (Wagenbach) veröffentlicht, in welchem sie ihre Erfahrungen und Aktivitäten reflektieren.
Nach einer Rückschau auf die Multikulturalismus-Debatten der 1980er Jahre und die Praxis des AmkA in den 1990er Jahren werden beide auf der Veranstaltung gemeinsam mit dem Publikum über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen städtischer Migrationspolitiken diskutieren. „Das Beispiel des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten zeigt, welche neuen Ansätze Kommunen bereits vor über 35 Jahren entwickelt haben, um den Umgang mit Migration und das Zusammenleben in Städten aktiv zu gestalten – Ansätze, die oft im Spannungsfeld zu Migrationspolitiken auf Bundesebene standen“, erklärt David Templin, der im Sonderforschungsbereich zur Geschichte des Frankfurter AmkA forscht.
Weitere Informationen zum SFB 1604:
https://www.uni-osnabrueck.de/sfb1604
Weitere Informationen für die Redaktionen:
Dr. David Templin, Universität Osnabrück
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS)Sonderforschungsbereich 1604 „Produktion von Migration“
dtemplin@uni-osnabrueck.de