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Roboterfinger trifft menschlichen Finger.

KI-Campus der Universität Osnabrück

Technischen Wandel forschend begleiten und menschlich gestalten

Der KI-Campus der Universität Osnabrück ist Ergebnis der langjährigen Profilbildung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Er verknüpft die forschungsstarken und zugleich anwendungsnahen Fächer Informatik, Kognitionswissenschaft, Wirtschaftsinformatik sowie Forschungsgruppen der Mathematik und wird von zwei der insgesamt sechs fächerübergreifenden Profillinien der Universität unterstützt (»Kognition« und »Digitale Gesellschaft«).

Forschung

Neben den informationstechnischen und kognitionswissenschaftlichen Aspekten spielen dabei auch die juristischen, sozialwissenschaftlichen und ethischen Implikationen des zunehmenden KI-Einsatzes bei den einschlägigen Forschungsaktivitäten eine wesentliche Rolle. 

Derzeit arbeiten im KI-Campus ca. 20 Professorinnen und Professoren sowie rund 80 Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darunter sind vier einschlägige, von der Wirtschaft bzw. Stadt und Landkreis Osnabrück finanzierte Stiftungsprofessuren. Mit der Einwerbung weiterer Professuren aus den aktuellen Bund-/Länderprogrammen zur Künstlichen Intelligenz und/oder Digitalisierung wird der Bereich personell nachhaltig verstärkt. So war die Universität bei der Ausschreibung neuer Digitalisierungsprofessuren seitens des Landes Niedersachsen durch Bewilligung von bis zu sechs zusätzlichen Professuren überaus erfolgreich. Sie festigt damit zugleich ihren anerkannten Ruf als niedersächsischer Hotspot im Bereich KI. 

Der Stellenwert des KI-Campus an der Universität wird in den Planungen für ein neues Gebäude am Universitätsstandort Westerberg sichtbar, in dem die einschlägigen Fächer und Institute zusammengeführt werden. Aber auch auf der Governance-Ebene bringen zwei renommierte Informatiker und Kognitionswissenschaftler einmal als Vizepräsident im Präsidium und zum anderen als Mitglied im Hochschulrat ihre Expertise ein.

Einer der aktuellen thematischen Schwerpunkte des KI-Campus betrifft beispielsweise die Vernetzung und datentechnische Integration von Maschinen, Prozessen und Akteuren der landwirtschaftlichen Produktion. Unter Federführung der Universität Osnabrück und mit zahlreichen Partnern aus  Wissenschaft, Wirtschaft und landwirtschaftlichen Betrieben soll dazu zum Beispiel ein Zukunftslabor Agrar (ZLA), als eines von sechs niedersächsischen »Zukunftslaboren Digitalisierung« eingerichtet und mit erheblichen Mitteln gefördert werden.

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Flyer KI-Campus

Akademische Ausbildung und Nachwuchsförderung

Die zweite Säule des KI-Campus neben der Forschung  ist die akademische Ausbildung sowie die Nachwuchsförderung. So wird beispielsweise, neben den bundesweit herausragenden Bachelor-, Master- und PhD-Programmen Cognitive Science des Instituts für Kognitionswissenschaft sowie den Bachelor-, Master- und Promotionsprogrammen in der Informatik, der  berufsbegleitende Masterstudiengang »Cognitive Computing« angeboten. Die zum großen Teil internationalen Absolventinnen und Absolventen dieser Programme sind in Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels in der KI-affinen regionalen und überregionalen Wirtschaft überaus gefragt. Mit Unterstützung des Landes Niedersachsen durch Bewilligung der zusätzlichen KI-Professuren werden die einschlägigen Studienplatzkapazitäten erheblich erweitert.

Besondere einschlägige akademische Qualifizierungsmöglichkeiten zur Nachwuchsförderung bieten die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkollegs »Situated Cognition« und »Computational Cognition« zur Untersuchung menschlicher und maschineller Intelligenz. Mit Forschungsfragen zu »Akzeptanz und Vertrauen in erweiterten und virtuellen Arbeitswelten« befassen sich Nachwuchswissenschaftlerinnen –und wissenschaftler eines weiteren Graduiertenkollegs.

DFKI-Labor Niedersachsen

Fachlich eng verbunden mit dem universitären  KI-Campus ist das neu gegründete DFKI Labor Niedersachsen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit den beiden Niederlassungen in Osnabrück und Oldenburg wird hier insbesondere zur erweiterten Wahrnehmung komplexer Umgebungen oder Situationen geforscht. Dazu werden die beiden DFKI-Arbeitsgruppen am Standort Osnabrück in den nächsten Jahren auf insgesamt mindestens 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgebaut. Im Jahr 2021 wird die Osnabrücker Dependance des DFKI in ein für diesen Zweck saniertes Gebäudedenkmal, dem ehemaligen und zentral gelegenen »Ringlokschuppen« einziehen. In einem futuristisch anmutenden Ambiente sollen neben einschlägigen Forschungsprojekten auch KI-affine Start-ups untergebracht werden.

Die enge thematische Verknüpfung zwischen KI-Campus und DFKI Labor Niedersachen spiegelt sich auch darin wider, dass die beiden Osnabrücker Arbeitsgruppenleiter als Professoren an der Universität Osnabrück forschen und lehren. Weitere einschlägige Arbeitsgruppen zur Erweiterung des DFKI-Labors Niedersachsen am Standort Osnabrück sind vorgesehen.

Wenn Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind, so ist KI der Motor der diesen Kraftstoff nutzen kann. Gemeinsam bilden sie die ‚Kraftquelle‘ für die Digitalisierung.

(Stefan Weiss)

Transfer von Forschungsergebnissen

Sind die beiden Einrichtungen »KI-Campus« der Universität Osnabrück und »DFKI Labor Niedersachsen« in erster Linie geprägt durch hochkompetitive Wissenschaftsleistungen, sind weitere »KI-Gebäude« am Standort Osnabrück dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis gewidmet. Konkret handelt es sich um Forschungsabteilungen regionaler und überregionaler mittelständischer Unternehmen in räumlicher Nähe zum KI-Campus. Hier wurde bereits frühzeitig erkannt, wie sehr sich sowohl Wertschöpfungsketten durch den Einsatz von KI verbessern lassen, als auch, dass die hervorragend ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen der einschlägigen Bachelor-, Master-, PhD- und Doktoranden-Programme in den Unternehmen hoch willkommen sind. Auf Basis der bereits von Betrieben vor Ort eingerichteten und dem KI-Thema gewidmeten »Forschungs-Hubs« ist es realistisch, auch hier von einer personellen Größenordnung an KI-Expertinnen und Experten wie beim KI-Campus und DFKI Labor auszugehen. 

Zusammengefasst ist es, neben der großen Zahl von KI-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die starke Interdependenz zwischen dem KI-Campus, dem DFKI Labor und KI-Forschungsabteilungen von Unternehmen, die maßgeblich zur Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts beiträgt und Osnabrück perspektivisch zu einer der deutschen »KI-Hauptstädte« werden lässt. Dabei flankieren das DFKI Labor Niedersachsen als  außeruniversitäre Forschungseinrichtung und die KI-affine Wirtschaft den KI-Campus der Universität und arrondieren die umfassende KI-Expertise am Standort Osnabrück. 

Mit der Fokussierung auf den Schwerpunkt »Künstliche Intelligenz« ergeben sich für die Universität nicht nur exzellente Perspektiven für Forschung und Nachwuchsförderung sondern werden zugleich auch Antworten auf Fragen gegeben, die in den nächsten Jahrzehnten von höchster wissenschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Relevanz sein werden.

KI-Campus und DFKI-Labor Niedersachsen kurzgefasst

KI-relevante Profillinien

Elektronische Patientenakten oder selbstfahrende Fahrzeuge: Dies sind nur zwei von vielen Praxisbeispielen, die in der Profillinie Digitale Gesellschaft – Innovation – Regulierung eine Rolle spielen. Darüber hinaus geht es im Rahmen dieses innovativen Forschungsverbundes unter anderem um Themen wie Connected Home, Smart Health Services, Crowdsourcing, Usability und Know-How-Schutz. Im Zentrum der Forschung der Profillinie Kognition: Mensch – Technik – Interaktion stehen neue Methoden der KI sowie die Nutzung von Big Data für die Verbesserung von gesellschaftlichen und sozialen Strukturen. Beispiele hierfür sind: die Auswertung sozialer Netzwerke zur Ermittlung der Vorhersage von Krankheitswellen, Entwicklung von smarten E-Learning Systemen und gesellschaftliche Aspekte der KI im Bereich des autonomen Fahrens. Hinzu kommen die sozialen, ethischen und auch juristischen Implikationen, die mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Einsatz von KI einhergehen.

KI-Graduiertenkollegs

Die Exzellenz in der Osnabrücker Kognitionsforschung wird unter anderem durch aktuell zwei DFG- Graduiertenkollegs (Computational Cognition und Situated Cognition) zum Ausdruck gebracht. Dabei soll beispielsweise das Graduiertenkolleg Computational Cognition dazu beitragen, Intelligenz bei Menschen und Maschinen besser zu verstehen. Im Zentrum steht hier das Verständnis der Verbindungen von niedrigen und höheren Kognitionsebenen, womit das Kolleg die Kognitionswissenschaft und Künstliche Intelligenz zusammenführt. Ein weiteres, von der Universität finanziertes und am Institut für Wirtschaftsinformatik angesiedeltes Graduiertenkolleg befasst sich mit der interdisziplinären Erforschung von Akzeptanz und Vertrauen in augmentierten und virtuellen Arbeitswelten – auf dem Weg zur Industrie 4.0 sind Erkenntnisse darüber von großer Bedeutung.

KI-affine Studiengänge

Die Bachelor-, Master- und PhD-Programme Cognitive Science beschäftigen sich primär mit dem wissenschaftlichen Studium von Gehirn und Geist. Auch die entsprechenden Bachelor- und Masterprogramme sowie Promotionsmöglichkeiten in der Informatik bieten KI als fachlichen Schwerpunkt an. Neu hinzugekommen ist der berufsbegleitende Masterstudiengang Cognitive Computing, in dem es darum geht, mithilfe der Künstlichen Intelligenz menschliche Denkprozesse zu simulieren. Am Institut für Informatik gibt es zudem als innovatives einschlägiges Studienangebot den Bachelorstudiengang »Eingebettete Softwaresysteme«, der insbesondere die Wechselwirkung von Computersystemen und umgebenden technischen Systemen zum Gegenstand hat. Auch in diesen Studienprogrammen werden die ethischen und sozialen Dimensionen der Digitalisierung breit diskutiert.

DFKI-Labor Niedersachsen

Wie können autonome mobile Roboter im Umfeld von Menschen zielgerichtet und sicher agieren? Und wie kann die dafür entwickelte Technologie in Anwendungsbereiche wie Agrartechnik oder Intralogistik übertragen werden? Antworten auf diese und weitere Fragen gehören zum Forschungsgebiet der seit 2011 existierenden Osnabrücker Außenstelle »Planbasierte Robotersteuerung « des Bremer Robotics Innovation Center (RIC) des DFKI. Diese Arbeitsgruppe wird in dem 2019 neu gegründeten DFKI Labor Niedersachsen mit Niederlassungen in Osnabrück und Oldenburg fortgeführt. Forschung und Entwicklung fokussieren dabei das Thema »Advanced Perception« und richten sich in erster Linie an mittelständische Unternehmen. Neben der bereits bestehenden Gruppe »Planbasierte Robotersteuerung« kommt die Osnabrücker Gruppe »Smart Enterprise Engineering« hinzu. Hier sollen  Innovationspotenziale, wie Industrie 4.0 und Smart Services, systematisch erschlossen und in digitale Aus- und Weiterbildungsszenarien für Unternehmen transformiert werden.

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Dr. Oliver Schmidt

Portrait Oliver Schmidt. Foto: Jette Goltz

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