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Heute schon geblubbert?

Virtuelle Lehre: Erfahrungsberichte von unseren Lehrbeauftragten

Auch für die Mitarbeiter*innen und die rund 50 Lehrbeauftragten am Sprachenzentrum kam der Wechsel von Präsenzlehre auf virtuelle Lehre im Sommersemester 2020 ohne große Vorbereitungszeit. Gerade für das Erlernen und die Vermittlung einer Fremdsprache ist die vertrauensvolle direkte Interaktion von Dozent*innen und Studierenden eine unabdingbare Voraussetzung. Jetzt muss sie im virtuellen Raum hergestellt werden. Nehmen die Studierenden das neue Format an? Was bedeutet virtuelle Lehre für die Identität und Rolle der Sprachdozent*innen? 
Einige von ihnen haben sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen mit den ungewohnten sprachdidaktischen Herausforderungen, Ideen und Konzepte für die digitale Lehre in ihren Kursen hier vorzustellen.

"Zum Glück haben wir diese Erfahrung gemacht"

Marie-Theres Lohle

'Keine Präsenzveranstaltungen bis 1. Mai'. Die Nachricht erreichte uns nur wenige Tage vor dem Start des TestDaF-Vorbereitungskurses, der eigentlich am 16. März beginnen sollte. Schnell wurde klar: Ein digitales Format muss her! Denn ausfallen sollte der Intensivkurs nicht, und so wurde der Lernraum kurzerhand virtuell konzipiert. Herausgekommen ist dabei ein dreiwöchiger Onlinekurs bei StudIP - und damit auch der erste komplette E-Learning-Kurs des Sprachenzentrums. 
Zunächst folgten ein paar Tage des gedanklichen Umzugs aus der Seminarstraße zu StudIP. Natürlich muss man sich erst einmal mit der Vielzahl an Möglichkeiten vertraut machen, die zwar schon länger bekannt sind, jedoch, wenn man ehrlich ist, bisher nur selten im täglichen Fokus standen. Aber auch hier gilt: Hat man es erst einmal gemacht, ist es überhaupt nicht schwer. So ist es ja immer. 
Schnell ist man drin in der virtuellen Welt, freut sich über die intuitive Benutzeroberfläche genauso wie über hilfreiche Tipps von virtUOS und konzentriert sich schon bald auf den Inhalt, eindeutig formulierte Aufgabenstellungen und wiederkehrende Strukturen.
Und mit Kursbeginn wird aus Blubber plötzlich eine rege Austauschfläche sowohl zu fachlichen Fragen als auch zu Lernstrategien in Zeiten von Corona, Tipps zu individuellen WG-Arbeitsplätzen und neuen Tagesrhythmen. Die Kommunikation ist von Anfang an sehr freundlich und erstaunlich offen. Aus Namen werden Personen mit Ideen, Fragen und Rückmeldungen, und so lernen sich alle nach und nach besser kennen. Manche Ansprachen und Arbeitsaufträge erfolgen per Audionachricht, Fotos und Videos bringen Lösungswege näher und der Dateiordner füllt sich von Tag zu Tag mehr mit Dokumenten für die Studierenden, aber auch von ihnen. Die tägliche 9-Uhr E-Mail läutet den neuen Tag ein, Tagesaufgaben werden abgehakt und spielerische Lernstandsabfragen erstellt, die auch für Lehrende eine Menge an Informationen zwischen den Zeilen bereithalten. 
So gehen die drei Wochen schnell um. Man findet sich selbst in neuen Rhythmen sowie Kommunikationsstrukturen wieder und zunehmend mehr Gefallen an den virtuellen Abläufen. Die Studierenden nehmen den E-Learning-Kurs von Tag 1 neugierig und dankend an und sind mit fester Struktur, aber zeitlich flexibel und nach eigenem Rhythmus Tag für Tag engagiert dabei. Aber nicht nur wir freuen uns über den Erfolg, sondern auch die Teilnehmenden bedanken sich insbesondere für persönliche Betreuung und Ermutigungen. 
Aktuell befindet sich der E-Learning-Kurs in einer zweiten Vorbereitungsphase, da auch Prüfungstermine aufgrund von Corona verschoben wurden. Um die Studierenden lückenlos bis zur Prüfung zu betreuen, ergänzen sich nun im semesterbegleitenden Lernarrangement synchrone und asynchrone Vertiefungsphasen. 
Aus „wir haben nichts zu verlieren, versuchen wir es” ist ein „zum Glück haben wir diese Erfahrung gemacht” entstanden, und jetzt sind wir natürlich sehr gespannt, ob die offiziellen Prüfungsergebnisse den Erfolg gleichermaßen zurückspiegeln.

"Anders, aber gut!"

Home-Office bei Madu Hasekamp

Als freiberufliche Dozentin für Spanisch war Corona und in der Folge die drohende Absage der Sprachkurse für mich natürlich anfangs mit Sorgen verbunden. Veränderungen erschrecken mich aber nicht, sie finden halt statt. Und es war klar, dass es länger dauern wird und man eine Lösung finden muss. Wie sagt man in Deutschland? Gesagt, getan - im letzten Moment vor den Lieferengpässen konnte ich ein gutes Headset und eine Webcam kaufen und an den Video-Besprechungen teilnehmen, die die Leiter des Sprachenzentrums sofort ins Leben gerufen haben.
Die Unterstützung war super - nach wenigen Tagen habe ich eine Einführung in die technischen Möglichkeiten erhalten und die Kurse wurden neu organisiert. Als Dozentin habe ich die Kursinhalte komplett umgestellt. Neue Ideen und Methoden mussten her. Gut so, denn das war die Gelegenheit, die Inhalte neu zu bewerten - ein sinnvoller Prozess. Und manche Nachtschicht habe ich auch deshalb investiert, weil ich die Schwachstellen ändern wollte, die ich schon kannte. Das Sprachenzentrum hatte mich direkt nach Bekanntwerden der Konsequenzen vor die Wahl gestellt: Onlinekurse geben oder ein Semester pausieren. Und meine Entscheidung war genau richtig, denn es funktioniert und macht Spaß, neue Wege zu gehen. Das ist nicht nur gut für die Studierenden, die ihre Pläne trotz Corona nicht aufgeben müssen, sondern es ist auch gut für uns Dozenten. Denn mit dem neuen Format haben wir noch etwas gewonnen: Der Austausch über Methodik ist intensiver. Auch diese internen Videokonferenzen werden vom Sprachenzentrum organisiert. Wir sind viel dichter zusammengerückt und konzentrieren uns auf die wichtigen Fragen. Ich würde mir wünschen, kombinierte Angebote mit Online-Anteilen auch in Zukunft machen zu können. Wenn das Virus hoffentlich bald verschwindet, so hat es doch auch einen Anteil daran, dass etwas Neues entstanden ist...
 

"Un nouveau défi"

Nouvelles perspectives

Alle waren wir fertig für den Start unserer Kurse nach Ostern, als die überraschende Nachricht der Verbreitung der Pandemie uns erreichte. Zunächst mal kein Präsenzunterricht bis zum 1. Mai 2020, dann weitere Entscheidung, die diesen Termin weiter verschoben hat. Alles war unsicher.
Dann was tun? Wie kann man in so einer Krisenzeit die Studenten unterstützen, die zu Hause unter der Ausgangssperre leiden sollten?
Erstmal war eine stille Phase, die unser Lehrbereichsleiter schnell gebrochen hat, indem er sich viel Mühe gegeben hat, den regelmäßigen Kontakt mit den Dozenten beizubehalten. Das war ausschlaggebend.

Während dieser Zeit hat man in den Nachrichten im Monat März jeden Tag vom Coronavirus gesprochen und die täglichen Nachrichten über die Pandemie in Europa, in Italien, Spanien, Frankreich wurden immer schlechter. Viele Leute starben in diesen zwei Monaten März und April 2020 am Coronavirus.
In Deutschland scheint die Lage nicht so schlimm wie in den anderen Ländern zu sein, obwohl es immer beunruhigender wird. Nach Überlegung mussten wir feststellen, dass es längere Zeit dauern könnte, und wir sollten so schnell wie möglich unsere Kurse retten. Man sollte sich auf eine ungewisse  Zeit vorbereiten.

Und so ist der digitale Unterricht entstanden. Wir hatten eigentlich nichts zu verlieren. Unser Koordinator hat uns eine Rundmail geschickt und den Vorschlag für freiwilligen digitalen Unterricht gemacht. So passierte es.
Das war natürlich ein Schock, denn wir waren für so einen Unterricht nicht vorbereitet. Aber es ist eine große, konstruktive, fruchtbare Erfahrung gewesen. Mit Computer hat schon jeder gearbeitet, aber mit dem Uni-Programm musste man schon vertraut werden.
Und wir haben dafür ein dynamisches, engagiertes Team gebildet. Zusammen haben wir angefangen, ein E-Learning-Programm für die einzelnen Sprachen aufzubauen. Dafür haben wir uns regelmäßig in einer AG getroffen und über die Technik und die pädagogische Methode ausgetauscht.

Und heute kann man gestehen, dass man die richtige Initiative ergriffen hat, da man die kritische Situation erfolgreich und nobel gerettet hat.
Man hat heute mit Online-Kursen die Möglichkeit einer guten Kommunikation und Interaktion geschaffen, und die Studenten unserer Gruppen sind jetzt alle beteiligt und dankbar. Besonders wichtig ist die erstaunliche Motivation der Studenten gewesen. Ohne Wortspiel ist dieses Ergebnis nicht virtuell sondern ganz real geworden. Die Vorbereitung, um alles anzupassen, hat zwar viel Zeit in Anspruch genommen. Aber mit Mühe schafft man viel...

Zum Schluss möchte ich diese Initiative des digitalen Unterrichts begrüßen. Natürlich würde ich persönlich gerne mit Präsenzunterricht weiter machen, aber trotz alledem der Universität empfehlen, weiterhin digitale Kurse anzubieten. Das kann für gewisse Studenten eine gute Lösung sein, und man könnte diese Kurse spezialisieren und für andere Leute weiter verbreiten. Denken wir zum Beispiel für dieses Konzept an Leute, die sich nicht bewegen können und die wir dadurch neu motivieren könnten. Die Universität könnte dazu Programme für externe Leute anbieten. Das könnte auch ein Schlüssel zum Erfolg sein und die Sicherheit für die Zukunft gewährleisten.

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