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Bild mit verschiedenen Möglichkeiten der gendersensiblen Sprache in Sprechblasen

Sprache und Geschlecht

 

Warum gendersensibel sprechen? - Der Einfluss von Sprache

"Tatsächlich üben Worte eine typisch magische Macht aus: sie machen sehen, sie machen glauben, sie machen handeln." (Pierre Bourdieu)

Viele Menschen fragen sich, warum das Thema "Sprache und Geschlecht" überhaupt von Relevanz ist. Wie auch das oben genannte Zitat Pierre Bourdieus herausstellt, beeinflusst Sprache uns in unserem Denken und Fühlen enorm. Sie wird durch die Gesellschaft verändert und ist wandelbar, wirkt gleichzeitig aber auch auf gesellschaftliche Verhältnisse ein. Sie schafft Wirklichkeit (vgl. Epstein 2000; Reiss 2010; Trömel-Plötz 2000).

Frauen sind in der bundesdeutschen Gesellschaft nach wie vor strukturell benachteiligt. So verdienen sie beispielsweise durchschnittlich weniger und haben bedeutend seltener Führungspositionen inne (vgl. Statistisches Bundesamt 2016a; Statistisches Bundesamt 2016b). Sprache ist nur ein Aspekt, in dem die Realität und damit auch die gesellschaftliche Diskriminierung abgebildet wird. Sie hat darüber hinaus aber ebenfalls einen großen Einfluss auf Wirklichkeit und kann diese mitverändern. Daher ist es möglich, mit einfachen Mitteln und kleinen Veränderungen viel zu bewirken.

Geschlechtersensible Sprache trägt nicht nur dazu bei, dass sich mehr Menschen angesprochen fühlen, sondern kann sich auch positiv auf gesamtgesellschaftliche Diskriminierungsstrukturen auswirken. Wenn wir von Professorinnen und Professoren sprächen, gäbe es dann womöglich tatsächlich mehr Professorinnen an deutschen Universitäten? Wenn wir von Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen anstatt von Krankenschwestern sprächen, gingen dann vielleicht mehr Männer in diesen Berufszweig? Die sprachliche Sichtbarmachung ist insbesondere in den Bereichen wichtig, in denen das jeweilige Geschlecht unterrepräsentiert ist. Es ist genauso wichtig, von Professorinnen zu sprechen, wie von Erziehern.

Eine Studie zeigt, dass Kinder die Möglichkeit, selbst einen bestimmten Beruf erlernen zu können, deutlich höher einstufen, wenn zuvor mit gendersensibler Sprache über die jeweiligen Personen in dem Beruf gesprochen wird, als bei der Verwendung des generischen Maskulinums (vgl. Vervecken/Hannover 2015). Die Bedeutung von Sprache in geschlechtersensibler Form wird hier besonders deutlich, da sie scheinbar beeinflussen kann, was Kinder sich zutrauen und damit zukunftsentscheidende Momente beinhaltet. Gendersensible Sprache kann einen Teil dazu beitragen, die Gleichstellung aller Geschlechter in der Gesellschaft voranzutreiben.

Ein Beispiel:

Wie eng Sprache mit der (Un-)Gleichstellung der Geschlechter verknüpft ist, lässt sich auch an Folgendem verdeutlichen: Laut dem Duden bedeutet der Begriff Chefsekretär: "Leitender Funktionär einer Organisation" (Duden 2017a). Chefsekretärin hingegen hat die Bedeutung: "Sekretärin des Chefs" (Duden 2017b). Tatsächlich arbeiten mehr Männer als Chefsekretäre, wohingegen mehr Frauen Sekretärinnen sind. Für die Berufsbezeichnung Chefsekretär gibt jedoch keine weibliche Bezeichnung. Das trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass Frauen sich selbst nicht in einer solchen Position sehen und wirkt außerdem auf das gesellschaftliche Geschlechterbild ein, dass Frauen in einer solchen Position eine Ausnahme darstellen. Selbst wenn eine Frau die Position als Chefsekretär innehat, kann sie nicht als solche benannt werden.

 

Ansprechende Sprache

Sprache ist eines unserer wichtigsten Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Je nachdem, wie wir sprechen, erreichen wir unterschiedliche Menschen unterschiedlich gut. Möchten wir zum Beispiel im Urlaub einen Kaffee bestellen, nutzen wir die jeweilige Landessprache oder zumindest eine Sprache, von der wir denken, dass unser Gegenüber sie versteht. Aber auch ohne den Wechsel in eine andere Sprache entscheiden wir uns täglich für bestimmte Sprachstile und das jeweils abhängig davon, in welchem Kontext wir an Personen herantreten. Wenn wir eine uns vorgesetzte Person ansprechen, wählen wir in der Regel andere Worte als im Umgang mit eng befreundeten Menschen.

Unsere Sprache verrät dabei immer auch etwas darüber, wie wir die Welt sehen. Äußerungen, die wir machen, können nicht nur unsere eigene Realität verändern, sie tragen darüber hinaus auch unsere Vorstellungen von der Welt nach außen und beeinflussen damit andere Menschen oder regen sie zum Nachdenken an.
Deshalb ist es sinnvoll, sich selbst zu fragen:

1) Wen will ich erreichen?

2) Führen die Worte, die ich verwende, dazu, dass sich diese Person tatsächlich (und auf angemessene Weise) angesprochen fühlt?

 

Das generische Maskulinum

Der Verwendung des generischen Maskulinums liegt die Theorie zugrunde, das maskuline Personenbezeichnungen potentiell zwei Funktionen haben können:
1)    Sie beziehen sich auf ausschließlich männliche Personen.
2)    Sie beziehen sich auf sowohl männliche als auch weibliche und nichtbinäre Personen.
 

Überblick: Generisches Maskulinum

Beispiel: "Die Professoren der Universität sind mit ihren Partnern herzlich zur Veranstaltung eingeladen!

Kritik:
•    Hier können entweder ausschließlich männliche Professoren und männliche Partner gemeint sein oder aber – in generischer Funktion – Personen unabhängig ihres Geschlechts
•    Nichtmännliche Personen bleiben unsichtbar

Die Problematik hierbei liegt darin, dass beide unterschiedlichen Funktionen in der gleichen äußeren Form auftauchen (hier: Professoren und Partner) und damit von außen nicht unterschieden werden können. Theoretisch sind zwar eventuell geschlechtsunabhängig alle Personen mit gemeint, Forschungen zeigen uns aber, dass das praktisch nicht funktioniert. Dass mit den maskulinen Formen auch nichtmännliche Menschen adressiert werden sollen, ist beispielsweise Kindern nicht bewusst: Eine Studie belegt, dass Grundschulkinder, die eine maskuline Formulierung hören, sich nur Männer vorstellen (vgl. Switzer 1990). Für sie würde der oben genannte Beispielsatz dann bedeuten, dass alle Männer, die Professoren sind und einen Mann zum Partner haben, eingeladen sind. Nun könnte man denken, wir erlernten erst im späteren Verlauf unseres Heranwachsens die generische Funktion der Bezeichnungen, in der auch alle nichtmännlichen Menschen mitgemeint sein sollen, wenn die maskuline Form gebraucht wird.

Aber fühlen sich die Mitgemeinten im Erwachsenenalter tatsächlich konsequent durch das generische Maskulinum angesprochen und denken wir sie überhaupt wirklich mit? Verschiedene Studien (vgl. Heise 2000; Stahlberg/Sczesny 2001) zeigen, dass wenige Frauen und noch weniger Männer das Bild von einer weiblichen Person im Kopf haben, wenn sie beispielsweise nach dem Lieblingssportler anhand einer maskulinen Personenbezeichnung gefragt werden.

Die Verwendung generisch maskuliner Formulierungen führt also nicht dazu, dass sich alle Menschen gleichermaßen angesprochen fühlen bzw. alle Menschen wirklich mitgedacht werden. Außerdem werden dabei auch Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen können und/oder wollen, gedanklich meistens ausgeschlossen.
Nichtsdestotrotz wird das generische Maskulinum noch immer offiziell als grammatikalisch korrekt angesehen und beispielsweise durch den Duden vertreten. In den letzten Jahren ist jedoch das Bewusstsein gewachsen, dass wenn wir möglichst viele Menschen mit unseren Worten erreichen möchten, es wichtig ist, die eigenen sprachlichen Gewohnheiten zu hinterfragen und sich an neue Formulierungen heranzuwagen, die eine geschlechtersensible Sprache wiederspiegeln.

Ein Szenarium zum Nachdenken:

"Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie verunglücken. Der Vater stirbt an der Unfallstelle. Der Sohn wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und muss operiert werden. Ein Chirurg eilt in den OP, tritt an den Operationstisch heran, auf dem der Junge liegt, wird kreidebleich und sagt: 'Ich bin nicht dazu imstande zu operieren. Dies ist mein Sohn.'"

Was denken Sie, wenn Sie die Geschichte gelesen haben? Sind Sie irritiert? Wie sieht der Mensch aus, den Sie beim Wort Chirurg spontan im Kopf haben? Und welches Geschlecht hat die Person?
Wie die meisten Menschen haben Sie vermutlich zuerst an einen Mann im weißen Kittel gedacht. Sie denken dann vermeintlich an den (verstorbenen) Vater und sind irritiert. Oftmals wird dann geschlussfolgert, dass es sich um ein heterosexuelles Elternpaar gehandelt haben könnte, sodass der Sohn einen zweiten Vater hat, der nun am OP-Tisch steht. In generischer Funktion der Bezeichnung Chirurg kann es sich – soweit die Sprachtheorie – aber ebenfalls um die Mutter des Kindes oder um ein Elternteil handeln, dass sich in keiner der beiden geschlechtsbezogenen Kategorien verorten möchte oder kann. Dieses Beispiel zeigt, dass das generische Maskulinum nun eben nicht das hält, was es in der Theorie verspricht: Es wird nicht als geschlechtsneutral wahrgenommen und ist damit auch keine adäquate Form, um alle Menschen anzusprechen oder einzubeziehen.

 

Wie formuliere ich geschlechtergerecht? - Gendersensible Sprache

Es gibt auf sprachlicher Ebene verschiedene Möglichkeiten, um Frauen und Männer sichtbar zu machen. Darüber hinaus finden zunehmend mehr Formulierungen Beachtung, durch die alle Geschlechter - das heißt auch Menschen, die sich keiner der konventionellen Geschlechtskategorien (männlich und weiblich) zuordnen können oder wollen - sichtbar gemacht werden können. Eine weitere Möglichkeit der gendersensiblen Sprache besteht in geschlechtsneutralen Formulierungen, sodass durch Sprache gar nicht erst Bezug zu einem Geschlecht hergestellt wird.

Um den Zugang zu der Vielzahl an Möglichkeiten geschlechtersensiblen Formulierens zu erleichtern, sind im Folgenden einige mittlerweile übliche, praktikable und einfach umsetzbare Varianten zusammengestellt. Außerdem finden auch Kritikpunkte und weitere sprachliche Stolperfallen im Zusammenhang mit dem Thema Geschlecht Beachtung.

 

Sichtbarmachen von Männern und Frauen

Beispiele für sprachliche Umgangsweisen, die neben Männern auch Frauen sprachlich sichtbar machen, sind die sogenannte Beidnennung, das Splitting und das Binnen-I. Hier werden entweder beide Formen vollständig genannt oder es wird auf eine andere Art deutlich gemacht, dass neben männlichen auch weibliche Personen gemeint sein sollen. Kritik bezüglich dieser Formen wird daran geäußert, dass neben Frauen und Männern das Sichtbarmachen von anderen Geschlechtsidentitäten nicht stattfindet und außerdem, dass beispielsweise das Splitting den Lesefluss eines Textes einschränken kann.

Überblick: Sichtbarmachen von Männern und Frauen

•    Beidnennung:
Die Professorinnen und Professoren der Universität sind mit ihren Partnerinnen und Partnern herzlich zur Veranstaltung eingeladen!“
•    Splitting:
„Der Autor/die Autorin des Beitrags ist ebenfalls zur Veranstaltung eingeladen.“  
•    Binnen-I:
„Die ProfessorInnen der Universität sind mit ihren PartnerInnen herzlich zur Veranstaltung eingeladen!“

 

Sichtbarmachen aller Geschlechtsidentitäten

Die Möglichkeit, alle Menschen geschlechtsunabhängig sichtbar zu machen, gibt es beispielsweise mit den sprachlichen Varianten des Gendergap und des Gendersternchens (auch Gender-Star genannt). Diese beruhen auf der Idee, einen Raum zwischen den binären Kategorien „männlich“ und „weiblich“ aufzuzeigen, in dem dann Raum auch für weitere Geschlechtsidentitäten entsteht. Das Gendersternchen kommt ursprünglich aus der Trans*-Szene, in der es bis heute dafür eingesetzt wird, verschiedenen auch nichtbinären Geschlechtsidentitäten (z.B. transgender, transsexuell, transvestit) Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

Gendergap und Gendersternchen werden aktuell wohl am häufigsten genutzt, wenn auf gendersensible Sprache wertgelegt werden soll. Ein weiterer Vorteil dieser beiden Formen ist, dass sie den Lesefluss eines Textes nur sehr gering beeinflussen, weshalb sie (gemeinsam mit dem Binnen-I) auch als Kurzformen bezeichnet werden können.

Überblick: Sichtbarmachen aller Geschlechtsidentitäten

•    Gendergap: "Die Autor*innen der Studie sind ebenfalls zur Veranstaltung eingeladen.“
•    Gendersternchen: "Die Professor*innen der Universität sind mit ihren Partner*innen herzlich zur Veranstaltung eingeladen!"

Wenn der Gendergap oder das Gendersternchen bei Bezeichnungen im Singular verwendet werden soll, muss auch der Artikel beachtet werden. „Der*die Autor*in der Studie kommt ebenfalls zur Veranstaltung“ ist eine mögliche Variante. Da diese Schreibweise für den Lese- oder Sprechfluss jedoch ungünstig ist, empfehlen wir gegebenenfalls alternative Formulierungen zu verwenden, wie etwa: „Die Person, die die Studie verfasst hat, kommt ebenfalls zu der Veranstaltung.“

Aussprache der Kurzformen

Gendersensible Formulierungen mit dem Binnen-I, Gendergap oder Gendersternchen können auch beim Aussprechen ausgedrückt werden, indem der sogenannte Glottisschlag genutzt wird. Ein solcher Laut ist – auch, wenn die Bezeichnung eher unbekannt ist – fester Bestandteil unsere Sprache: Wenn Sie einmal „das Spiegel-Ei“ und „die Spiegelei“ (in einem Fenster) nacheinander aussprechen, nutzen Sie einen Glottisschlag vor dem „Ei“. Ebenso wie hier können Sie diesen Laut an der Stelle artikulieren, an der Sternchen, Gap oder I stehen.

 

Geschlechtsneutrale Formulierungen

Auf dem Weg zu einer gendersensibleren Sprache gibt es auch die Möglichkeit, das generische Maskulinum sowie spezielle gendersensible Formen zu umgehen und stattdessen oder ergänzend neutrale Formen zu verwenden. Diese Art und Weise muss allerdings kritisch betrachtet werden, denn auch bei scheinbar neutralen Worten werden Frauen und Menschen, die sich nicht verorten, nicht zwingend mitgedacht. Es gibt Studien, die zeigen, dass auch bei einer neutralen Formulierung häufig in erster Linie an Männer gedacht wird (vgl. Heise 2000). Trotzdem ist diese Methode dem generischen Maskulinum vorzuziehen, weil sie gerade auch in Kombination mit anderen Formen des inklusiven Sprachgebrauchs deutlich machen kann, dass eine kritische Auseinandersetzung mit Sprache stattfindet.

Anregungen und Beispiele: Geschlechtsneutrale Formulierungen

Personenbezeichnungen:
•    Allgemein: Studierende, Interessierte, Mitglied, Beschäftigte, Hochschulangehörige, Promovierende
•    Bei zusammengesetzten Begriffen: Studierendenwerk, Senatsmitglieder, Wahlleitung
•    Kollektiv- und Institutsbezeichnungen: Präsidium, Dezernatsleitung

Unpersönliche Pronomina:
•    alle statt (jeder)
•    niemand statt (keiner)
•    wer anstelle von Personennennung (zum Beispiel: "Wer unvorbereitet in eine Prüfung geht, wird vermutlich keine gute Leistung erzielen.“)

Passivformulierungen
      ("Besteht ein Student die Prüfung nicht, kann sie einmal wiederholt werden.")
•    Geschlechtsneutrale Alternative: "Wird die Prüfung nicht bestanden, so kann sie einmal wiederholt werden."

Um geschlechtsspezifische Äußerungen zu vermeiden, können Partizipien und Adjektive oder ohnehin geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwendet werden, was auch in zusammengesetzten Wörtern beibehalten werden sollte. Auch durch Passivformulierungen kann der Bezug zu einem Geschlecht vermieden werden.
Bei der grundsätzlich möglichen Verwendung unpersönlicher Pronomina kann es unter Umständen zu Problemen kommen, wie das folgende Beispiel zeigt: "Wer zu spät in eine Vorlesung geht, der verpasst die Einführung." Besser wäre hier: "Wer zu spät in eine Vorlesung geht, verpasst die Einführung." Darüber hinaus wird teilweise kritisiert, dass auch unpersönliche Pronomina sich oftmals in ihrem Kern auf männlichen Personenbezeichnungen beziehen (niemand; wer). Daher sollten diese mit Vorsicht verwendet werden, wenn auf einen sehr sensiblen Umgang mit dem Thema Sprache und Geschlecht Wert gelegt wird.

 

 

Alternativen zu weiteren sprachlichen Geschlechterfestschreibungen

Neben der Diskriminierung durch das generische Maskulinum gibt es auch noch weitere Diskriminierungsformen in unserer Sprache, die uns oft auf den ersten Blick nicht auffallen. Dies betrifft vor allem zusammengesetzte Begriffe und feststehende Bezeichnungen, die Geschlechter mit negativen Eigenschaften belegen (zum Beispiel: das schwache Geschlecht), Geschlechter ausschließen (so gibt es für Heulsuse keine männliche und für fachmännisch keine weibliche Bezeichnung) oder einen Bezug zum Geschlecht herstellen, wenn dies nicht notwendig ist (um Beispiel: Muttersprache). An dieser Stelle möchten wir noch einmal auf den Absatz Warum gendersensibel sprechen? verweisen, in dem es darum geht, welche Macht Sprache über unsere Gesellschaft hat. Vor diesem Hintergrund ist es wünschenswert, dass die hier aufgeführten Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch vermieden beziehungsweise durch neutrale Begriffe ersetzt werden. Die folgende Auflistung soll daher zum Nachdenken anregen und zeigt einige der oben beschriebenen Begriffe sowie sprachliche Alternativen auf.

Alternativen zu weiteren sprachlichen Geschlechterfestschreibungen

Diese Begriffe sollten keine Verwendung finden, da durch sie Geschlecht negativ bewertet wird:
•    (Heulsuse)
•    (Pantoffelheld)
•    (das schwache Geschlecht)

Für folgende Begriffe haben wir geschlechtsneutrale Alternativen zusammengestellt:
•    (Karrierefrau) → karriereorientiert
•    (Brüderlichkeit) → Verbundenheit, Solidarität
•    (Vater Staat) →
  je nach Kontext: Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, etc.
•    (Not am Mann) → Notfallsituation
•    (Milchmädchenrechnung) → Rechnung, die nicht aufgeht
•    (Fachmännisch) → kompetent
•    (Mannschaft) → Team
•    (Mütterberatung) → Familienberatung
•    (Muttersprache) → Erstsprache
•    (Vaterland) → Ursprungsland
•    (Benutzerfreundlich) → nutzungsfreundlich 


 

Berufsbezeichnungen

Ähnlich wie bei den zuvor dargestellten Begriffen verhält es sich mit bestimmten Berufsbezeichnungen, die ebenfalls diskriminierend sein können. So gibt es beispielsweise kein männliches Pendant zu Hebamme und im allgemeinen Sprachgebrauch wird eher von Erzieherinnen als von Erziehern gesprochen. Dadurch werden Berufe stereotypisiert, das heißt, Männern und Frauen werden jeweils die ihnen scheinbar angemessenen Berufe zugeschrieben.

Beispiele für Berufsbezeichnungen

•    Krankenschwester → (Gesundheits-) und Krankenpfleger*in
•    Putzfrau → Reinigungskraft
•    Hebamme → Geburtshelfer*in

 

Die abstrakte Nutzung von Personenbezeichnungen

Auch bei einigen abstrahierten Begriffen (zum Beispiel Arbeitgeber) wird üblicherweise das generische Maskulinum genutzt. Da hier nicht auf konkrete Personen verwiesen wird, sondern auf eine losgelöste Funktion, ist eine Anpassung durch „-in“ bislang grammatikalisch nicht vorgesehen. Bei grammatikalisch korrekter Anwendung würde dann allerdings erneut ausschließlich das männliche Geschlecht bzw. Maskulinum sichtbar, was aus den bereits ausgeführten Gründen als kritisch zu betrachten ist. Deshalb raten wir entgegen dem sprachlichen Konsens zu einer Variante, bei der nicht nur Bezug zur maskulinen Form genommen wird. So kann beispielsweise die Beidnennung (Arbeitgeberin oder Arbeitgeber) oder das Gendersternchen (Arbeitgeber*in) Verwendung finden:

Beispiele für abstrakte Personenbezeichnungen

•    „Bei meinem nächsten Job erhoffe ich mir von meiner neuen Arbeitgeberin oder meinem neuen Arbeitgeber eine gute Unterstützung in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“ (Beidnennung)
•    „Außerdem sollte mein*e Arbeitgeber*in in Zukunft auf eine gute Arbeitsatmosphäre Wert legen“ (Gendersternchen)
•    "Die Universität als große Arbeitgeberin in der Region legt viel Wert auf Familienfreundlichkeit.“

Wird das abstrahierte Wort im Kontext mit einem anderen Wort genutzt, kann das grammatikalische Geschlecht dieses anderen Wortes übertragen werden, wie das dritte der oben aufgeführten Beispiele verdeutlicht.

 

Geschlechtersensible Sprache in wissenschaftlichen Arbeiten und akademischen Amtsbezeichnungen

Trotz einiger Veränderungen in den letzten Jahren ist es noch immer so, dass die Spitzenpositionen in Wissenschaft und Forschung von männlichen Personen dominiert werden (vgl. GWK 2017). Auch in universitären Kontexten sollte daher ein genderbewusster Umgang mit Sprache Verwendung finden und dazu beitragen, stereotype Geschlechterrollen zu überdenken.
Aus diesem Grund empfehlen wir, eine der bereits erläutertem geschlechtersensiblen Schreibweisen in wissenschaftlichen Arbeiten zu gebrauchen. Ein Verweis am Anfang der Arbeit darauf, dass mit dem generischen Maskulinum auch andere Geschlechter gemeint sind, reicht im Sinne der oben ausgeführten Argumentation nicht aus. 
Darüber hinaus sollte in wissenschaftlichen Arbeiten, Publikationen oder Vorträgen insbesondere sichtbar gemacht werden, dass auch nichtmännliche Personen in der Forschung tätig sind. Dem kann - neben der Verwendung einer geschlechtersensiblen Sprache - beispielsweise Rechnung getragen werden, indem in Literaturverweisen und Quellenangaben die Vornamen der Personen, auf die verwiesen wird, genannt und dabei ausgeschrieben werden. Die Erfahrung zeigt, dass bei der Nennung ohne Vornamen oftmals automatisch von männlichen Autoren ausgegangen wird, wo eigentlich weibliche oder auch nichtbinäre Personen als Akteur*innen von Wissenschaft auftreten.

Außerdem raten wir zu einer geschlechtlichen Angleichung akademischer Amtsbezeichnungen, sodass weibliche Personen mit professoralem Status als Professorinnen (Abkürzung: Prof.in) bezeichnet werden. Dies sollte parallel auch bei akademischen Graden Anwendung finden (zum Beispiel: Dr.in oder Dipl.-Ing.in).

Bei Fragen oder Unterstützungsbedarf wenden Sie sich gerne an unsere Ansprechpartnerin für gendersensiblen Sprachgebrauch.

Unsere Empfehlung: Werden Sie kreativ!

 

Möglicherweise fühlen Sie sich beim Lesen der vielen Probleme und Lösungsvorschläge, die wir Ihnen hier aufzeigen, zunächst überfordert. Es erscheint uns jedoch wichtig, die vielfältigen Diskriminierungsformen in Sprache sichtbar zu machen und auch möglichst viele Wege im Umgang damit darzustellen. Wir möchten Sie daher dazu ermutigen, sich auszuprobieren und kreativ zu werden. Manchmal hat es Sinn, sich zu überlegen, an wen ein bestimmtes Schreiben, eine wissenschaftliche Publikation oder ähnliches gerichtet ist, um zu entscheiden, welche Form der gendersensiblen Sprache Sie verwenden möchten. Es ist auch hilfreich zu bedenken, dass es normalerweise nicht die eine richtige Lösung gibt, um gendersensibel zu formulieren. Machen Sie sich Sprache bewusst, probieren Sie aus, experimentieren Sie, verwenden Sie verschiedene Formen der geschlechtersensiblen Sprache, erfinden Sie neue Möglichkeiten – wir möchten Sie dazu einladen, kreativ zu schreiben und zu sprechen!

 

Ihre Ansprechperson für einen gendersensiblen Sprachgebrauch an der Universität Osnabrück:

Annkatrin Kalas, M.A.

Annkatrin Kalas. Foto: Stephan Schute

Tel.: +49 541 969 4520
annkatrin.kalas@uni-osnabrueck.de

Raum: 52/510
Gleichstellungsbüro
Neuer Graben 7/9
49074 Osnabrück

Sprechzeiten: nach Vereinbarung

 

Verweise und Literaturangaben

Besonders bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln für die Herausgabe des Leitfadens ÜberzeuGENDERe Sprache [PDF nicht barrierefrei], der uns als Inspiration diente und an den wir uns für die hier vorliegende Zusammenstellung angelehnt haben.

Die verwendete Literatur finden Sie hier:

•    Epstein, Margit K. (2000): Sprache macht Geschlecht. Die Kategorien >>Mann<< und >>Frau<< in Texten zur Gleichstellungspolitik. Frankfurt/Main: Campus Verlag.
•    Heise, Elke (2000): Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen. In: Sprache und Kognition - Zeitschrift für Sprach- und Kognitionspsychologie und ihre Grenzgebiete 19(1/2), S. 3-13.
•    Reiss, Kristina (2010): Linguistik: Von Feministischer Linguistik zu Genderbewusster Sprache. In: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Hrsg. Becker, Ruth & Kortendiek, Beate. S. 750-755. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
•    Stahlberg, Dagmar & Sczesny, Sabine 2001: Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. In: Psychologische Rundschau 52(3), S. 131-140.
•    Switzer, Jo Young (1990): „The Impact of Generic Word Choices: An Empirical Investigation of Age- and Sex-Related Differences.“ In: Sex Roles 22 (1/2), S. 69-82.
•    Trömel-Plötz, Senta (2000): Sprache: Von Frauensprache zu frauengerechter Sprache. In: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Hrsg. Becker, Ruth & Kortendiek, Beate. S. 756-759. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
•    Vervecken, Dries, & Hannover, Bettina (2015). Yes I can! Effects of gender fair job descriptions on children’s perceptions of job status, job difficulty, and vocational self-efficacy [Abstract]. Social Psychology, 46 (2), 76-92.