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Follow People / Trace Art. Strategien der Dokumentation der Flucht und des Exils von Künstlerinnen und Künstler im 20. Und 21. Jahrhundert

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Dozenten

Beschreibung

Als der vom nationalsozialistischen Deutschland ausgebürgerte Literaturnobelpreisträger Thomas Mann 1944 im Exil lebte, hatte er das englische Radio, die BBC als Sprachrohr in das Land in dem seine Leser wohnten. Deutsche Hörer! In 55 emotionalen Reden sprach er die Wahrheit über Völkermord und Kriegsschuld aus. Aber was war mit all den anderen Exilanten in diesem letzten Kriegsjahr 1944, die nicht von einem Nobelpreis getragen wurden oder von internationalen Tantiemen leben konnten? Die große Dame der Bohème der 1920er-Jahre, Else Lasker-Schüler, saß vereinsamt in einem Hinterhof in Jerusalem und widmete ihr letztes Buch, das „Blaue Klavier“, den „unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands – und denen, die wie ich vertrieben und nun verstreut in die Welt, In Treue!“. Felix Nussbaum schuf im Versteck seine letzten ikonischen Holocaust-Bilder und wurde nach Auschwitz deportiert. Wie erleben Künstlerinnen und Künstler heute Flucht, Vertreibung und Terror? Gibt es wiederkehrende Strukturen der Verfolgung? Auf der aktuellen Biennale in Venedig werden im „Pavillon der Freuden und Ängste“ Porträts des syrischen Künstlers Marwan und Fotos von Gewaltanwendungen des Ungarn Tibor Hajas gezeigt. Ihre Werke thematisieren die Auswirkungen staatlichen Terrors. Alec Baldwin verkörpert in der Installation „Love Story“ von Candice Breitz einen syrischen Flüchtling. Sind Artefakte verlässliche Quellen oder rein subjektive Impressionen? Ist das innere Exil auch eine Zwangsmigration?
Im Jahr 2015 wurde das Zentrum für verfolgte Künste gegründet – einerseits ein Museum mit einer fast 4000 Objekte umfassenden Sammlung, sowie mehreren umfangreichen Nachlässen, andererseits eine gesellschaftspolitische Institution, die auch gegenwärtige Phänomene reflektiert. Das Solinger Zentrum ist die erste Institution dieser Art weltweit und hat mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung) an der Universität Osnabrück einen idealen Partner gefunden.
Die Veranstaltung will drei Ziele erreichen: 1. vorhandenen Initiativen zur Dokumentation der Zwangsmigration von Künstlerinnen und Künstler zusammenzustellen und zu bewerten. Dabei werden zum Beispiel die biografische online Datenbank der Else Lasker-Schüler Gesellschaft oder die Internetseite Künste im Exil gesichtet; 2. Kriterien zur Beurteilung von Migration reflektierenden Artefakten zu entwickeln; 3. Formate für die Dokumentation der Erfahrungen von Künstlerinnen und Künstlern zu entwickeln, die gegenwärtig Verfolgung und Flucht erleben.

Weitere Angaben

Ort: 02/E05
Zeiten: Do. 18:00 - 20:00 (wöchentlich)
Erster Termin: Do , 26.10.2017 18:00 - 20:00, Ort: 02/E05
Veranstaltungsart: Übung (Offizielle Lehrveranstaltungen)

Studienbereiche

  • Veranstaltungen > Geschichte > Übungen
  • Veranstaltungen > Europäische Studien > Bachelor-Studiengang > Nebenfach Geschichte der frühen Neuzeit und Neueste Geschichte > Neueste Geschichte
  • Veranstaltungen > Geschichte > Weitere Lehrangebote für andere Fächer > Kunstgeschichte
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