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25 Jahre IMIS: Eine Erfolgsgeschichte

Ausgabe 04 / Juni 2015

Jubiläumsfeier 25 Jahre IMIS. Foto: Universität Osnabrück/Elena Scholz

Freuen sich über das 25-jährige Bestehen des IMIS: Institutsdirektor Prof. Dr. Andreas Pott (li.) und apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer.

Institutsdirektor Prof. Dr. Andreas Pott. Foto: Universität Osnabrück/Elena Scholz

Institutsdirektor Prof. Dr. Andreas Pott.

Mitbegründer des Imis: Prof. Dr. Klaus J. Bade. Foto: privat

Gründer des IMIS: Prof. Dr. Klaus J. Bade.

Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit befinden sich gegenwärtig auf der Flucht – so viel wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Ob nun Flucht, Vertreibung, Ein- oder Auswanderung: Die verschiedenen Formen von Wanderungsbewegungen bilden seit jeher ein zentrales Element gesellschaftlichen Wandels. Mit den damit verbundenen Auswirkungen befasst sich das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, kurz IMIS, an der Universität Osnabrück. Vor 25 Jahren gegründet, hat die wissenschaftliche Einrichtung weltweites Renommee erworben.

Unzählige Beispiele belegen das Ausmaß, mit dem Arbeits- und Siedlungswanderungen, Nomadismus, Bildungs- und Ausbildungswanderungen, Sklaven- und Menschenhandel, Flucht, Vertreibung oder Deportation die Bevölkerungszusammensetzung sowie die Entwicklung von Arbeitsmärkten, politischen Systemen, kulturellen Vorstellungen oder religiösen Orientierungen beeinflussten. IMIS-Direktor Prof. Dr. Andreas Pott ist sicher: »Auch in Zukunft wird Migration ein ganz zentrales gesellschaftliches Thema mit hohem politischen Gewicht darstellen. Das verdeutlichen die aktuellen Debatten über die Folgen des weiteren - regional höchst ungleich verteilten - Anwachsens der Weltbevölkerung, der Alterung der Gesellschaften des reichen ›Nordens‹ oder des Klimawandels, über gesellschaftspolitische Herausforderungen von Migration oder den Mangel an Fachkräften für zunehmend komplexere und international eng vernetzte ›Wissensgesellschaften‹.«

Seit Anfang der 1990er Jahre gilt das wissenschaftliche Interesse des IMIS den vielfältigen Aspekten räumlicher Mobilität und interkultureller Begegnung in Geschichte und Gegenwart. Dabei ruht das auf Initiative des Osnabrücker Historikers und Migrationsforschers Prof. Dr. Klaus J. Bade gegründete Institut auf drei Säulen: Es ist zunächst einmal die Grundlagenforschung zu nennen, die sich in zahlreichen wissenschaftlichen Projekten widerspiegelt. Das Besondere hierbei sind die interdisziplinären Ansätze, die bereits seit Gründung des IMIS seine herausgehobene Stellung mitbegründen. So arbeiten neben Forscherinnen und Forschern aus der Geschichte, der Soziologie, der Geographie der Politikwissenschaft, der Erziehungswissenschaft sowie den Wirtschafts- und Sprachwissenschaften auch Psychologen, Juristen, Theologen und Ethnologen im Rahmen des Instituts sowie im Kontext internationaler Forschungsnetzwerke an der Beantwortung migrationswissenschaftlicher Fragen. Und gerade diese Interdisziplinarität ermöglicht es, die Auswirkungen von Migration aus verschiedenen Perspektiven darzustellen und daraus gesellschaftspolitische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Womit bereits die zweite Säule des IMIS angesprochen ist: die Kritik und die kritische Begleitung der Migrations- und Integrationspolitk. Exemplarisch hierfür steht das Engagement Prof. Bades und des 2010 verstorbenen ehemaligen Institutsdirektors Prof. Dr. Michael Bommes im bundesweiten Rat für Migration (RfM) und im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), die, aufbauend auf der Arbeit des IMIS, beide von Prof. Bade ins Leben gerufen wurden. Das IMIS, der RfM und der SVR forderten die bundesdeutsche Politik von Beginn an auf, sich den gesellschaftspolitischen Konsequenzen der Migration nicht weiterhin zu verschließen – eine Empfehlung, der die Politik bis vor wenigen Jahren nur zögerlich folgen wollte.

Die Bedeutung der Verknüpfung von Forschung und Lehre sowie der Beteiligung an gesellschaftspolitischen Debatten macht IMIS-Vorstandsmitglied Apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer  an einem aktuellen Zusammenhang deutlich: »Vielfältige Fragen werfen zweifellos zurzeit die globale Flüchtlingssituation und die Praktiken der europäischen Flüchtlingsaufnahme auf. Die politische und mediale Debatte erweist sich dabei als sehr einseitig, sie ist nicht nur extrem geschichtsvergessen, sondern auch derart europazentriert, dass sie völlig übersieht, dass beinahe 90 Prozent aller Flüchtlingsbewegungen im globalen ›Süden‹ stattfinden und Europa nie berühren« Als dritte Säule des IMIS ist das umfangreiche Engagement bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses anzusehen. Nach dem zehnjährigen DFG-Graduiertenkolleg »Migration im modernen Europa« bildet das neue, von der Universität und der Sievert-Stiftung für Wissenschaft und Kultur geförderte IMIS-Graduiertenkolleg »Die Produktion von Migration« die Grundlage für die zukünftige Promotions- und PostDoc-Förderung am IMIS. Der vor zehn Jahren aufgebaute Masterstudiengang »Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen« (IMIB) gehört heute zu den größten und überregional am stärksten nachgefragten Masterstudiengängen der Universität. Hier werden die Expertinnen und Experten der Zukunft ausgebildet, die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen drängende Fragen der Migrationsgesellschaft sachkundig bearbeiten, nicht zuletzt in der Forschung.

Insgesamt, so lässt sich resümieren, ist die Geschichte des IMIS eine Erfolgsgeschichte – nicht zuletzt auch für das überregionale Renommee der Universität. Darüber hinaus spiegelt sich in der 25-jährigen Historie des Instituts aber auch die zunehmende Bedeutung von Migration wider – eines Themas, das auch weiterhin in zahlreiche gesellschaftliche Bereiche und politische Gestaltungsfelder ausstrahlen wird und dringend der weiteren wissenschaftlichen Erforschung bedarf. Dass diese auch in Zukunft kraftvoll am IMIS betrieben werden wird, dafür ist mit dem erfolgreich vollzogenen und alle IMIS-Disziplinen betreffenden Generationswechsel eine überaus solide Grundlage gelegt.