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Pressemeldung

Nr. 203 / 2019

30. Oktober 2019 : Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität im Einklang – Forschungsprojekt der Universität Osnabrück untersucht Einfluss von Moorrenaturierung auf die Umwelt

Ein Forscherteam aus der Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie der Universität Osnabrück ermittelte in einer aktuellen Studie im Fachmagazin Biological Conservation, wie sich Klima- und Biodiversitätsschutz durch die Renaturierung von Mooren in Einklang bringen lassen. Der Renaturierungserfolg hing maßgeblich von der Landnutzungsgeschichte der wiedervernässten Hochmoorstandorte ab. Renaturierungsflächen auf nährstoffarmen Standorten wiesen ähnlich viele Hochmoorspezialisten wie die Kontrollgewässer auf, während die nährstoffreicheren Gewässer stärker durch das Vorkommen von Zwischenmoorarten geprägt waren.

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© Thomas Fartmann

Die Große Moosjungfer (Leuccorrhinia pectoralis) ist europaweit geschützt und konnte im Rahmen der Studie wiederholt in wiedervernässten Mooren nachgewiesen werden.

Hochmoore sind Lebensraum für viele gefährdete Arten und erfüllen gleichzeitig wichtige Ökosystemfunktionen. Da Moore zu den bedeutendsten globalen Kohlenstoffspeichern gehören, muss dem Erhalt dieser Ökosysteme weltweit eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Jedoch ist der Fortbestand von Moorökosystemen durch den Landnutzungswandel vielerorts stark bedroht. Aufgrund großflächiger Kultivierungsmaßnahmen ist die Fläche intakter Moore in Mitteleuropa bis heute auf 1 Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung geschrumpft.


Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität degradierter Moorökosysteme in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Naturschutzpraxis gerückt sind. Jedoch gibt es bisher nur wenige wissenschaftlich fundierte Studien, die die Auswirkungen der Renaturierung in Hochmooren systematisch untersucht haben. Da Libellen als Surrogat-Arten aquatischer Ökosysteme gelten, wurden sie in einer aktuellen Publikation als Modellorganismen zur Evaluation von Wiedervernässungs-Maßnahmen in ehemaligen Abtorfungsflächen herangezogen. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der Renaturierungserfolg maßgeblich von der Landnutzungsgeschichte der wiedervernässten Hochmoorstandorte abhängt.

„Während Standorte auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Abtorfungsflächen durch einen hohen Nährstoffreichtum gekennzeichnet waren, wiesen industriell abgetorfte Moore ohne landwirtschaftliche Vornutzung nährstoffarme Umweltbedingungen auf“, erklärt apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann, Leiter der Abteilung Biodiversität und Landschaftsökologie an der Universität Osnabrück. Demzufolge konnten für die Probeflächen Unterschiede in der Artzusammensetzung der Libellen festgestellt werden.

So wiesen Renaturierungsflächen auf nährstoffarmen Standorten ähnlich viele Hochmoorspezialisten wie die Kontrollgewässer auf, während die nährstoffreicheren Gewässer stärker durch das Vorkommen von Zwischenmoorarten geprägt waren. „Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass der Erfolg der Hochmoorrenaturierung vor allem durch das Nährstoffniveau limitiert wird. Jedoch deuten die Ergebnisse der Studie zugleich daraufhin, dass auch die Wiedervernässung mit Nährstoffen angereicherten Hochmoorstandorten zum Erhalt artenreicher Libellengemeinschaften beitragen kann“, betont Fartmann. Folglich sollten Wiedervernässungsmaßnahmen in ehemaligen Torfabbaugebieten sowohl aus Sicht des Klima- als auch des Biodiversitätsschutzes verstärkt gefördert werden.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
apl. Prof. Dr. Thomas Fartmann, Universität Osnabrück
Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie
Barbarastraße 11, 49076 Osnabrück
Tel.: +49 0541 969 3551
t.fartmann@uos.de