Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Pressemeldung

Nr. 191 / 2016

26. August 2016 : Soziale Arbeit in Moscheegemeinden: Universität erhält 2,9 Millionen Euro für neuen Studiengang

In Deutschland existieren derzeit rund 2.500 Moscheegemeinden. Die in ihrem Umfeld geleistete soziale Arbeit, wie beispielsweise Gesundheitsdienst, Jugendhilfe oder Altenpflege, wird zumeist ehrenamtlich durch fachlich kaum ausgebildetes Personal geleistet. Hier gilt es, Professionalisierungsangebote zu schaffen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt der Universität Osnabrück nun rund 2,9 Millionen Euro bereit, um einen bundesweit bislang einmaligen Teilstudiengang „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“ sowie eine Postdoc-Gruppe einzurichten.

»Dies ist nicht allein ein großer Erfolg für die Universität Osnabrück, sondern es unterstreicht einmal mehr, inwieweit unser Institut für Islamische Theologie sich bundesweit einen herausragenden Namen erarbeitet hat«, erklärt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke.  

Zum Hintergrund: Das Institut für Islamische Theologie (IIT) befasst sich mit allen wissenschaftlichen Disziplinen der Islamischen Theologie und den themenübergreifenden Schnittstellen der religiösen Aufklärung, interkulturellen Erziehung, Seelsorge sowie Gemeinde- und Religionspädagogik und ihrer Umsetzung in die heutige muslimische Migrationsgesellschaft in Deutschland. Dabei wird das gegenwärtige Institutsprofil insbesondere von den Kernfächern der islamischen Theologie, der Religionspädagogik sowie von der interdisziplinären Forschung geprägt.  

Die erste Phase der BMBF-Förderung in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro umfasste den Zeitraum 2011 bis 2016 und ermöglichte den weiteren Ausbau des Instituts. »In dieser Phase haben wir alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben«, erklärt die Projektleiterin Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke. »Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, und das Ministerium würdigt diesen Erfolg vollumfänglich mit der Bewilligung unseres neuen Antrags.«  Dadurch werde die Universität in die Lage versetzt, die Profilbildung der bekenntnisgebundenen islamischen Wissenschaften abschließen. Die Projektleitung der zweiten Phase werden neben Prof. Blasberg-Kuhnke (Katholische Theologie) Prof. Dr. Bülent Ucar  und Prof. Dr. Rauf Ceylan, beide vom IIT, übernehmen. So zeichnet sich das Institut in Zukunft durch folgende Profillinien aus: Islamische Theologie und Religionspädagogik unter der Verantwortung von Prof. Ucar sowie Religionssoziologie und Soziale Arbeit, die federführend Prof. Ceylan leitet.  

Prof. Ucar erklärt, warum Soziale Arbeit im muslimischen Umfeld durch eine akademische Ausbildung professionalisiert werden muss: »Der Mangel an ausgebildetem Personal führt in den klassischen Handlungsfeldern der Wohlfahrtspflege dazu, dass die öffentliche Hand keine Zuschüsse gewährt, da die üblichen Anforderungen, die unter anderem im Sozialgesetzbuch festgelegt sind, nicht erreicht werden.« Die Aufnahme in die Regelförderung von Land und Kommune sei nur möglich, wenn künftig Fachkräfte mit einer umfassenden Ausbildung bereitständen. Dabei bietet das Feld der „Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik“ eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten in Kommunen oder Organisationen der Wohlfahrtspflege. »Viele Träger, darunter auch Caritas und Diakonie, wünschen für ihre Einrichtungen in muslimisch geprägten Sozialräumen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus muslimischen Sozialisationskontexten«, ergänzt Prof. Ceylan.  

Basis des Teilstudiengangs sind die islamische Theologie, Funktionsweise und Struktur der Gemeinden, interkulturelle Bildung und Erziehung sowie religionswissenschaftliche Kenntnisse. Generell ist das Studium zweiphasig konzipiert. Der zweite Ausbildungsabschnitt umfasst ein Anerkennungsjahr. Darin sollen die Studierenden grundlegende Erfahrungen in den praktischen Handlungsfeldern der sozialen Arbeit erwerben und ihre Fachkenntnisse vertiefen. Darüber hinaus werden sie eigenständig in Bereichen der sozialen Arbeit tätig sein. Kooperationspartner innerhalb der Universität Osnabrück sind die Fachgebiete Katholische und Evangelische Theologie, Erziehungswissenschaft und Migrationssoziologie. »Die herausragende Innovation dieses Studienangebots liegt darin, dass der Studiengang mit einem berufsrelevanten zweiten Fach kombiniert werden kann«, so Prof. Blasberg-Kuhnke. »Damit reagieren wir auf die zunehmende Ausdifferenzierung des Arbeitsmarkts für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.«  

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Universität Osnabrück
Institut für Katholische Theologie
Schloßstraße 4, 49074 Osnabrück
Tel: +49 541 969 4288
martina.blasberg-kuhnke@uni-osnabrueck.de