Das Berliner Gespräch des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) machte deutlich, dass Bürokratie und Planung keineswegs nur als Belastung wahrgenommen werden sollten. Vielmehr wurden beide Begriffe überraschend häufig gemeinsam genannt – als zentrale Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Eine leistungsfähige Verwaltung schafft den notwendigen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen und dient damit dem Gemeinwohl. Planung wiederum bildet aus Sicht des Berufsstands die Grundlage für Qualität in Architektur und Städtebau. Eine pauschale Deregulierung birgt hingegen die Gefahr, bestehende Machtverhältnisse zu verstärken: Wer bereits Einfluss besitzt, profitiert von weniger Regeln – ein Zustand, der dem Gemeinwohl widerspricht.
Einen besonderen Akzent setzte Prof. Dr. Pascale Cancik mit ihrem Beitrag zur aktuellen Debatte um den viel geforderten Bürokratieabbau. Obwohl sie selbst nicht aus dem Baurecht kommt, eröffnete sie ihre Ausführungen vor mehr als 150 ArchitektInnen und StadtplanerInnen mit einer pointierten Beobachtung: Der sogenannte „Bauturbo“ sei ein typisches Beispiel dafür, wie Entbürokratisierung paradoxerweise neue Bürokratie erzeuge. Beschleunigungs- und Vereinfachungsmaßnahmen führten häufig zu einer Vielzahl von Sonderregelungen. In ihrem historischen Rückblick zur Entwicklung des vagen Begriffs „Bürokratie“ erinnerte sie mit Verweis auf Max Weber daran, dass Bürokratie ursprünglich für Verlässlichkeit stand – für Regeln statt Willkür, für Besoldung statt Korruption. Bürokratie könne somit auch Schutz vor staatlicher Willkür bieten.